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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Erstes Buch: Widerlegung der Irrlehre der Heiden.

21.

Das ist angemerkt worden, weil manche die Frage gestellt haben: Wenn die Sünder ihrer Sünden willen vom Teufel gequält werden, weshalb haben dann die Dämonen auch über unschuldige Kinder Gewalt?

Alle Menschen hat Gott zur Kindschaft berufen, wie es beim Propheten heißt: ,,Mein erstgeborener Sohn ist Israel“ (Exodus 4, 22). Und ein andermal: „Söhne habe ich erzeugt und großgezogen“ (Is. 1, 2). Wenn nun die Tugendhaften, die unter dem Gesetz lebten, Söhne Gottes hießen, wieviel mehr sind jene so zu nennen, von denen er sagt, daß er ihnen die Gewalt gab, Kinder Gottes zu werden.

Weil nun Gott zu uns gleichwie zu seinen Kindern gekommen ist, um uns zu ermahnen, so schlägt er vor unsern Augen, ähnlich dem Sklaven, bald unsere Tiere, bald die Äcker und Weinberge, damit wir beim Anblick daran uns dem Joche der Gottesfurcht beugten. Wenn wir aber dadurch uns nicht bewegen lassen, so kommt er über uns selbst mit seinen Strafen 1, seien es Leiden, seien es Leibesschwächen oder Dämonen. Und auch über Unschuldige kommen die Heimsuchungen, damit andere [S. 67] das Wort zu Herzen nehmen, welches der Weise ausgesprochen hat: „Wenn kaum der Gerechte leben wird, wo werden der Gottlose und der Sünder gefunden werden“ (1 Petrus 4, 18; Sprichw. 11, 31). Das geschieht gerade deswegen, daß der Gerechte in seiner Gerechtigkeit nicht erschlaffe und daß der Sünder nicht dauernd in den Sünden beharre. Und Gott ist nicht schuldig daran, sondern die menschliche Bosheit veranlaßt Gott, mit solchen Strafen den Menschen aufzurütteln. Denn wie er auf den Glauben der anderen hin den Gichtbrüchigen geheilt hat und ihm die Nachlassung der Sünden gewährte, so führt er durch die Heimsuchung einiger weniger andere viele zur Furcht und Besinnung; dazu wählt er nach Umständen bald Unschuldige, bald Sünder, wie er in seiner Weisheit allein es weiß. Die dämonischen Qualen kommen dabei keineswegs zur Verdammung der Seelen über den Menschen, sondern vielmehr zur Erbarmung, ganz besonders, wenn es ein Unschuldiger ist, und diese Qualen über ihn kommen, um andern Furcht einzuflößen. Diese läßt die göttliche Vorsehung schauen wie eine Peitsche, die in einem großen Hause aufgehängt ist. Beim Hinblick darauf sollen viele in sich gehen und von Furcht erfaßt, zum Gehorsam gegen Gott sich wenden.

Es gibt Fälle, wo diese Strafen wegen der Sünden eintreten, es gibt aber auch Fälle, daß Unglücksschläge eintreten. Nehmen dann die Leute ihre Zuflucht zu den Reliquien der heiligen Märtyrer und finden Befreiung von den Heimsuchungen, so wird dadurch die Macht Gottes, die in den Heiligen ist, offenbar, und sie selbst werden an ihren Seelen in keiner Weise geschädigt.

Aber daß ein Dämon einen Dämon nicht austreibt, das offenbart (d)er (Herr) 2 selbst. Wenn Satan, sagt er, (Matthäus 12, 26. 28) den Satan austreibt, dann ist er in sich selber geteilt. Aber ich, sagt er, treibe im Geiste Gottes die Teufel aus. Warum nun sagt er, der selber Gott war: Im Geiste Gottes treibe ich die Teufel aus, wenn nicht um die Menschen zu belehren, daß sie die Teufel nicht austreiben können, wenn sie der Gnaden des Heiligen [S. 68] Geistes nicht würdig geworden sind, wie auch die Apostel, ehe 3 sie die Gewalt vom Herrn empfingen, Teufel nicht austreiben konnten. Er aber hat auch dem die Gewalt gegeben, Teufel auszutreiben, welcher sich in den Qualen befindet; er sagt: Diese Art entweicht durch nichts, als durch Fasten und Beten. Nicht als gäbe es eine Art von Dämonen, welche auf Fasten und Gebet weicht, während andere es nicht tun, sondern alle Scharen von Dämonen ergreifen vor dem Fasten und Beten die Flucht.

1: Hatschachapatum VII. Rede S. 63, Schmid S. 87. XX. Rede S. 296, Schmid S. 240.
2: „Der Herr“ nach E.
3: E.: wenn sie nicht usw.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger