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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Erstes Buch: Widerlegung der Irrlehre der Heiden.

3.

Und daß eine einzige ewige Wesenheit ist und auch für alles die Ursache ist, daß es ist, dafür geben auch jene Zeugnis, welche den Kult einer Vielheit von Göttern eingeführt haben. Sie begründen ihn so: Da wir, so sagen sie, nicht imstande sind, der Ursache aller Dinge uns zu nahen, dem Ursein, der (Ur)substanz, dem Ewigen und Unzugänglichen, deshalb dienen wir ihm durch andere unter ihm stehende Wesen, und nun müssen wir auch die Geneigtheit derjenigen Wesen, durch welche wir ihm Anbetung leisten, mit Opfern und Gaben erwerben.

Wenn nun, wie sie bezeugen, es nur eine Ursache aller Dinge gibt und dieselbe urseiend und ewig ist, so ist es offenbar, daß die anderen Wesen nicht urseiend und nicht ewig sind; wieso nun empfangen die nichturseienden und nichtewigen Wesen an Stelle des Urseienden und Ewigen Anbetung? Und das ganz besonders die körperlichen und sichtbaren Dinge, wie die Sonne und der Mond und die Sterne und das Feuer, das Wasser und die Erde, welchen von den Magiern und Heiden gedient wird?

Sollte jemand aus diesen Kreisen nun sagen: Es ist gut, daß ihr ein einziges Wesen als die Ursache von allem anerkennet; allein, wenn es ein Wesen ist, welches alles in allen Dingen bewirkt und nichts ihm entgegensteht, weshalb mutet ihr uns dann zu, die gütigen und wohltätigen Geschöpfe, welche von ihm hergestellt sind, zu mißachten? Darauf werden wir sagen: Wir muten euch nicht zu, die gütigen und wohltätigen Dinge, die von ihm hergestellt sind, zu mißachten, wohl aber (befehlen wir euch) andererseits den Gott(schuldigen) Dienst auch nicht den Geschöpfen zu leisten. Denn niemand ist wohltätig und gütig außer dem Einen, welcher geschaffen ohne Vorenthalt und welcher die vernünftigen, unsichtbaren Wesen im Leben erhält ohne Neid, die Engel nämlich und die Seelen der Menschen und die sinnbegabten unbeseelten Wesen, jedes an seiner Stelle.

[S. 30] Gut ist also 1 die Sonne und schön von Natur, uns und allen Geschöpfen, die unter dem Himmel sind, nützlich und zur Fürsorge, wie ein Licht im großen Hause zwischen der Decke und dem Boden leuchtend, um die Finsternis und das Dunkel der beiden großen Gefäße zu verscheuchen. Aber sie weiß selbst nicht, ob sie ist, oder ob sie nicht ist, denn sie gehört nicht zu den vernunftbegabten erkenntnisfähigen Wesen. Ebenso verhält es sich mit den anderen unbeseelten Geschöpfen. Wasser, Feuer, Erde und Luft wissen nicht, ob sie sind, oder ob sie nicht sind, und unaufhörlich vollziehen sie den Dienst, zu dem sie verordnet sind, in Kraft der Führung desjenigen, der sie gebildet hat. Wir verachten sie nicht und dienen ihnen auch nicht, sondern im Hinblick auf sie preisen wir ihren Schöpfer und Beherrscher. Denn sie dienen uns zum Gebrauche, und ihrem Schöpfer zum Ruhme.

Weshalb sollten wir die Sonne anbeten, die bald gerufen wird, wie ein Knecht zum Dienste zu kommen, für den sie bestimmt ist, und bald enteilt und sich wie erschrocken verbirgt und der Finsternis Platz macht, daß sie den Raum im großen (Welten)hause ausfülle? Von Zeit zu Zeit kehrt sie in die Finsternis zurück zur Widerlegung und Beschämung ihrer Anbeter, indem sie dabei offen dartut: Nicht ich bin der Anbetung würdig, sondern derjenige, der mich jeden Tag leuchtend erhält und nachts verbirgt; und von Zeit zu Zeit verfinstert sie sich und, obwohl unbeseelt, spricht sie doch mit beredtem Mund: Nicht Anbetung zu empfangen bin ich würdig, sondern Anbetung zu leisten. Oder weshalb der Mond, der Monat für Monat abnimmt und gleichsam stirbt und dann wieder anhebt, lebendig zu werden, um euch ein Vorbild der Auferstehung darzubieten? Weshalb die Luft, die bald heult, in Aufruhr erregt, nach Befehl, bald furchtsam von ihrem gewaltigen Brausen abläßt? Oder weshalb das Feuer, zu dessen zweitem Schöpfer dich der Erschaffer selber gemacht hat? Denn wenn du willst, entfachest du es, und wenn du willst, löschest du es aus. Oder die Erde, welche wir immer umgraben und betreten und auf welche wir [S. 31] unsern und unserer Tiere Unrat ausschütten? Oder das Wasser, welches wir immer trinken und dessen Wohlgeschmack wir in unserem Leibe in Übelgeruch verkehren 2, mit welchem wir uns innerlich und äußerlich vom Schmutz reinigen.

Durch alles dies wird klar, was sie für Götter halten, mißachten sie sehr und entehren sie. Zittern und Zagen befällt die Geschöpfe, wenn jemand ihnen die dem Schöpfer schuldige Anbetung zollt. Die Erde tut es kund in ihrem Beben, die Lichtgestirne durch ihre Verfinsterung, die Luft durch Zittern und Erschütterungen, das Meer durch das ungestüme Drohen seiner Wogen. Denn wenn nicht die Macht des Schöpfers sie zurückhielte, so wäre jedes einzelne von ihnen imstande, alles zu verschlingen, um Rache zu nehmen für die gemeinsame Entehrung des Schöpfers; sei es, daß das Meer, das nur durch schwachen Sand umzäunt ist und gemäß dem Befehl nicht über seine Grenzen schreiten kann, sie bedeckte (= überflute); sei es, daß die Erde, welche über dem Nichts erbaut steht und nicht imstande ist, ins Nichts zurückzukehren und ihre Bewohner dahin zurückzuführen, sie verschlingt; sei es, daß der Wind, der das Leben aller beseelten Wesen ist, und ohne Befehl des Lebensherrn das Leben nicht hindern kann, Erschlaffung brächte; sei es, daß die Luft bald Kälte weht, bald Hitze herbeiführt, und alles zu nichts wird. Die Welt stellt sich also nur unserem Anblick dar, wie ein Wagen, bespannt von vier Pferden; diese sind die Wärme, Kälte, Trockenheit und Feuchtigkeit. Und eine verborgene Kraft ist der Wagenlenker, welcher die vier einander Widerstreitenden zur Verträglichkeit und Eintracht bringt und bändigt. Alle Wagen werden von gleichartigen Rossen bespannt, dieser Wagen allein ist von ungleichartigen bespannt. Auch solche Wagen mit gleichartigem Gespann, stoßen bisweilen an und geraten aus der Bahn, bringen den Wagenlenker in Gefahr und sich selbst. Bisweilen bringen sie den Wagen zum Zerschellen. Und ist der Wagen gut, gut auch der Wagenlenker und die Pferde abgerichtet, da richten sie ihre Aufmerksamkeit nur nach vorn und laufen dahin. Doch dieser Wagen, [S. 32] so wunderbar miteinander ganz widerstrebenden Pferden bespannt und von unsichtbarer Hand geleitet, läuft nicht nur in einer Richtung gerade nach vorwärts, sondern fährt nach allen Seiten und läuft überallhin, ist immer in Bewegung und ist für alles genügend. Während er seinen Lauf nach Osten nimmt, hindert ihn nichts, auch nach Westen zu gehen, und während er nach Norden eilt, hindert ihn nichts, nicht auch nach Süden sich zu bewegen. Denn die Hand seines Lenkers ist mächtig genug, ihn nach allen Seiten zu lenken und nach den vier Himmelsrichtungen des Erdkreises ihn in Bewegung zu setzen.

1: Zu arm. S. 14-16 vgl. Aristides Apologie. Deusch von Schönfelder in theol. Quartalschrift 1892, S. 537 ff.
2: Schmid-Kalemkiarian. 27.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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