Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Erstes Buch: Widerlegung der Irrlehre der Heiden.

20.

Nachdem somit aus den von Gott gegebenen Schriften gezeigt wurde, daß Tod und Leiden dem Menschen auferlegt worden sind und in die Welt eintraten, weil er das Gebot Gottes übertreten hatte, wollen wir nun auch die anderen Ursachen vorführen, derentwillen der Tod vorzeitig eintritt.

Oftmals stehen wohl dem Menschen große Übel bevor oder Bedrängnisse, welche er nicht überstehen kann, oder auch Versuchungen, denen er nicht gewachsen ist, da erbarmt sich Gott, der in die Zukunft sieht und ein Freund der Menschen ist, seines Geschöpfes und entreißt den Menschen durch einen frühen Tod solchen Übeln gemäß dem Wort der Schrift: „Früher als der Böse wird der Gerechte heimgenommen“ (Is. 57, 1).

[S. 65] Ein anderer Grund sodann ist der: Es treten vorzeitige Todesfälle ein, damit alle Tage und in der ganzen Zeit der Mensch bereit erfunden werde und nicht ablasse vom Dienste Gottes.

Obwohl infolge der Verfluchung gleich die Leiden in die Welt einzogen, so gibt es doch auch andere Ursachen für dieselben. Bald die Sünden 1 gemäß dem Wort des Herrn an den Gichtbrüchigen: „Du bist gesund geworden, von nun an sündige nicht mehr“ [Joh. 5, 14]. Im Hinblick auf den Glauben derer, welche den anderen Gichtbrüchigen herbei getragen hatten, sagte er zu demselben: „Deine Sünden sind dir vergeben“ [Matth. 9, 2]. Er wollte damit kundtun, daß es Leiden gibt, die wegen der Sünden eintreten, und Leiden, die nicht wegen der Sünden kommen. So auch damals, als die Jünger den Herrn wegen des Blinden fragten: Wen trifft die Schuld an dieser Blindheit, ihn oder seine Eltern, und er sprach: „Weder ihn noch seine Eltern, sondern (sie trat ein) zur Verherrlichung Gottes, damit an diesem Gott verherrlicht werde.“ Dann gibt es Leiden, die weder von der Sünde kommen noch zur Verherrlichung Gottes, sondern vom Mangel des Gleichgewichts in der Stoffmischung. Denn der Leib des Menschen ist aus vier Elementen zusammengesetzt: aus Feuchtigkeit, Trockenheit, Kälte und Wärme 2. Wenn es an einem von diesen fehlt oder eines zu stark ist, so bringt das Schmerzen im Leibe. Das tritt ein teils infolge zu vielen Essens oder Trinkens oder auch bei zu starkem Fasten oder bei ungeregeltem Durcheinanderessen oder von zu starkem Arbeiten in der Hitze oder von den Beschwerden großer Kälte oder von anderen derartigen Widrigkeiten, wodurch Störungen im Leibe entstehen.

Und der Anstoß zu den Kriegen ist von der Unersättlichkeit der Menschen gekommen. Daher kommt es zu Beraubungen der Grenzgebiete, der Dörfer und fremden Städte, der Güter und Besitzungen.

[S. 66] Ähnlich ist es mit der Unzucht. Sie kommt daher, daß der Mensch sich nicht in den Grenzen des ehelichen Lebens hält, welches Gott von Anfang an eingesetzt hat, indem der Mann Vater und Mutter verlassen wird und seinem Weibe nachgeht. Er sagt: seinem Weibe nachgeht und nicht seinen Weibern. Und um das Urgesetz der Natur wieder festzustellen, sagt der Herr im hl. Evangelium: „Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen.“ Die Besessenheit kommt vor wegen des menschlichen Stolzes. Denn wenn der Sohn von jemand geistesgewandt ist, so wird er keine Strafe kosten. Und wenn er nicht geistesgewandt ist, so kommt es oft vor, daß sie vor ihm einen Sklaven züchtigen, damit er beim Anblick daran klug werde. Wenn er dann dadurch sich nicht belehren läßt, dann vollziehen sie die Peinigung an ihm selber.

1: Hatschachapatum XX. Rede S. 195. Schmid S. 238.
2: Hatschachapatum XIV. Rede S. 146. Schmid S. 184 auch Anklang an Aitillâhâ a. a. O.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
Bilder Vorlage

Navigation
Erstes Buch: Widerlegung ...
. . Mehr
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . 20.
. . 21.
. . 22.
. . 23.
. . 24.
. . 25.
. . 26.
. . 27.
. . 28.
Zweites Buch: Widerlegung ...
Drittes Buch: Widerlegung ...
Viertes Buch: Widerlegung ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger