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Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Erstes Buch: Widerlegung der Irrlehre der Heiden.

19.

Daß Gott des Todes Ursache nicht ist, dafür 1 soll uns der allbewährte Weise Zeugnis geben. Dieser sagt 2, daß Gott den Tod nicht gemacht hat und sich nicht freut am Untergang des Menschen, sondern daß Gott den Menschen zur Unvergänglichkeit als Abbild seiner Ewigkeit erschaffen hat und daß durch den Neid des Teufels der Tod in die Welt gekommen ist. Und wiederum erklärt (Gott) selbst: „Ich habe gesagt, daß ihr Götter seid [S. 63] und Söhne des Allerhöchsten alle3“. Das heißt soviel als: „Ich hätte euch unsterblich gemacht, wenn ihr meinem Befehl treu geblieben wäret. Nachdem ihr nun aber nicht in der Treue gegen mein Gebot verharrtet, verfallt ihr als Menschen dem Tod“, „wie einer der Fürsten sinkt ihr hin 4“. Mein Wille aber war euer Tod nicht, noch euer Sturz unter dem schlechten Einfluß des „Fürsten“ (d. h. des Teufels als Engelsfürsten).

Warum denn wahrlich, sagen sie nun, führt er sie aber miteinander in Streit!

Damit wollen sie die Freiheit des Teufels und des Menschen über sich selbst aufheben. Denn Gott, welcher sie neidlos als Freie erschaffen hat, wollte nicht, daß sie gleich den Tieren dem Zwang unterliegen sollten und folglich dann ihre Freiheit nicht mehr Freiheit wäre.

Wiewohl nun Gott seinerseits die Macht hatte, die Erprobung seiner Geschöpfe vorzunehmen, so hat er doch nicht selbst sie angetrieben, einander gegenseitig zu stürzen. Als er sah, daß Satan von Neid entbrannt war, ließ er den Freien mit dem Freien kämpfen, denn er wußte, daß die Freiheit des einen nicht schwächer ist als die Freiheit des andern; daß der eine nicht vorherwissend ist wie der andere, der eine nicht voll Tyrannenmacht, der andere aber schwach. Und daß der eine nicht voll Tyrannenmacht war, bekundet sich dadurch, daß er sich dem Weibe mit einer List nahte und es ausforschte, statt daß er es mit seiner Gewalt erschreckte. Und weil er kein Vorherwissen besaß, daher sagte er: „Was ist das, was Gott euch gesagt hat“, um von ihm die Verhältnisse kennenzulernen.

Weiterhin ist aus den Versuchungen Jobs zu erkennen, daß der Satan keine Tyrannengewalt 5 und kein Vorauswissen hat. Denn wenn er mit dieser Gewalt begabt wäre, so würde er nicht von Gott die Erlaubnis geholt und dann die Versuchung bereitet haben. Und wenn er Vorherwissen besäße, so würde er nicht zur Versuchung [S. 64] sich herauswagen; denn er wüßte, daß er zuschanden werden wird, wenn er nicht obsiegen kann.

Auch aus den Versuchungen des Herrn ist es zu erkennen, daß er (der Teufel) kein Vorauswissen hat, sofern er selbst sagte: „Wenn du Gottes Sohn bist“ und verriet, daß er zwar von den Propheten gehört hatte, Gottes Sohn werde kommen, daß er aber die Zeit seiner Ankunft nicht kannte. Wenn er gewußt hätte, daß der, welcher ihm als Mensch erschien, wirklich Gottes Sohn war, dann würde er ihn gar nicht versucht haben und der Beschämung sich entzogen haben. Hatte er doch gleichwohl aus den göttlichen Wundern die Ankunft des Sohnes Gottes erkannt und gequält gerufen: „Ich weiß, wer du bist, der Heilige Gottes!“

Überdies würde er, wenn er Vorauswissen besessen hätte, die Juden nicht aufgereizt haben, ihn an das Kreuz zu schlagen. Denn er hätte wissen müssen, daß der Tod Christi ihn aus seiner Herrschaft verdränge, gemäß dem Wort, welches der Herr gesprochen, daß der Fürst dieser Welt wird hinausgeworfen werden. Und ferner: „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“, und wiederum: „Der Fürst dieser Welt ist nun schon gerichtet“, auf daß er zeige, daß er seine Macht verloren hat, der da Gott gleich sein wollte und das Gericht ewiger Verwerfung sich zuzog.

1: Nach Hippolytus s. Schmid S. 65.
2: Weish. 1, 13; 2, 23. 24.
3: (Ps. 81. 6) [=Psalm 82, 6].
4: A. a. O. 7.
5: Anklang an Aitillâhâ a. a. O.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger