Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Armenische Väter - Wider die Irrlehren (De Deo)
Erstes Buch: Widerlegung der Irrlehre der Heiden.

14.

Nun kommen sie mit der Bemerkung: Wenn also Satan nach euerer Ansicht nicht unerschaffen war und nicht durch Gott seine (böse) Beschaffenheit erlangt hat, und durch sich selbst sich vom Guten dem Bösen zuwendete, nämlich vom Gehorsam zum Ungehorsam, so äußert euch nun doch darüber: Wußte Gott, daß derselbe diese Wendung nehmen werde oder wußte er es nicht? Wußte er es und erschuf er ihn dennoch, so war er die Ursache, daß jener sich vom Guten abwendete, wußte er es nicht, wie schuf er den, von dem er nicht wußte, wie er sich künftighin entwickeln werde. (Antwort) 1. Bei Gott eine Unwissenheit vorauszusetzen, ist eine ungeheure Torheit. Denn er allein besitzt über das Zukünftige ein Vorauswissen. Aber weil Gott ein gütiges Wesen ist, wollte er seinen Edelmut nicht ungeoffenbart lassen. Weil er vorauswußte, daß der Satan abfallen und die Menschen verführen werde, seinen Befehlen nicht zu gehorchen, erschuf er ihn gerade, um dadurch zugleich die Freiheit der Menschen offenbar werden zu lassen, damit [S. 52] die Vortrefflichkeit seiner Güte den Menschen offenbar werde auf Grund der den Menschen gewährten Verzeihung ihrer zuvor begangenen Sünden. Denn wenn sie sehen, daß der Satan trotz seiner Gottlosigkeit nicht hinweggerafft wird, dann werden sie auch in Hinsicht auf ihre eigenen Sünden den Gedanken fassen, daß es möglich ist, durch Buße Nachlassung zu erlangen, auf daß Gottes Güte sich zeige und die Menschen seine Huld erkennen. Denn wäre das nicht so, so würde auch niemand zur Einsicht von seiner Güte gekommen sein.

Wirklich, sagen sie nun, warum hat er den Satan nach seinem Abfall und seiner Verführung an den Menschen nicht hinweggerafft, damit er nicht die vielen in den Untergang stürze!

Nicht 2 deshalb, als ob es nicht in der Macht Gottes gelegen gewesen wäre, den Satan zu vernichten. Denn in Gott ist keinerlei Ohnmacht. (Er tat es deshalb nicht), weil es keine große Tat Gottes gewesen wäre, den Satan selbst persönlich zu töten und eines seiner hinfälligen Geschöpfe ins Nichts zurückzuschleudern. Es sollte ja nicht den Anschein bekommen, als tötete er ihn, weil er seine Bosheit nicht ertragen könne. Und es wäre, um es nochmals zu wiederholen, Gottes Güte bei den künftigen Menschen unbekannt geblieben, wenn er den Satan zuvor getötet hätte. Denn dann hätte niemand ein klares Zeichen dafür gehabt, Gott gütig zu nennen. Vielleicht würde dann der Verdacht aufgekommen sein, als wäre (Satan) ein Gott Gleicher gewesen und als hätte Gott deshalb geeilt, ihn zu vernichten. So bewahrte er ihn und vernichtete ihn nicht, auf daß die Menschen, unterrichtet über das, was gut ist, über ihn siegten, anstatt jener, die zuvor von ihm besiegt worden waren.

Das aber ist groß und wunderbar, daß der Mensch Gottes, ausgerüstet mit Gottes Hilfe, den Kampf aufnehmen und über Satan siegen kann. Ein Fechtlehrer sucht seine Schüler mit aller Kunst einzuüben, um ihnen die Arten des Fechtens beizubringen, durch welche sie [S. 53] den Gegner zu besiegen vermöchten; er schickt sie 3 aus, mit den Gegnern selbst sich in der Kampfesart zu erproben, und ermahnt sie, auf den Sieg zu denken bis zur Verachtung des Lebens; denn es gilt für besser, für einen guten Namen zu sterben, als zu leben und geringgeschätzt zu sein; wenn diese die Unterweisungen ihres Lehrers im Auge behalten und an die Siegesgeschenke denken, dann können sie ihre Gegner besiegen, bekränzt zu ihren Lehrern zurückkehren und, als Zeichen ihres Kampfes mit dem Gegner, den Kranz zu ihm bringen. Vergessen sie aber ihres Lehrers und verlangen sie nicht nach Sieg und Kranz, dann erliegen sie mit Geringschätzung ihrem Gegner; mit Recht werden sie dann verachtet und gepeinigt und erleiden sie für ihre Feigheit die Strafe des Todes. Ähnlich muß man von Gott denken. Durch sein Gebot verleiht er dem Menschen eine schöne Ausrüstung, um den Sieger mit dem Kranze zu schmücken und den Feigling zu beschämen. Wenn nun jemand die Gebote Gottes mißachtet, so wird er, wenn er sich mit seinem Widersacher in den Kampf einläßt 4, alsbald erliegen, denn es fehlen ihm die Vorzeichen des Sieges. Und mit Recht wird ein solcher strenger Bestrafung unterworfen, weil er seinem Gefährten nicht gleichkam, welcher kämpfte und siegte.

Deshalb nun hat Gott den Satan, wie zum Zweck der Ringschule in der Welt gelassen. Denn indem seine [sc. Gottes] 5 Tapfern mit ihm [sc. Satan] kämpfen und ihn besiegen, soll der Ruhm seines ersten Sieges nunmehr zerstört werden durch solche Menschen, welche voll Liebe zum Guten ihn überwinden und das Ruhmeszeichen des Sieges im Kampfe aufpflanzen. Denn hingeworfen zu unsern Füßen liegt er dann tot und vernichtet, niedergeworfen durch unsere Liebe zum Guten 6.

1: Zusatz nach S. und K. und Methodius.
2: S. und K. fügen hier mit Methodius bei: „Antwort“.
3: Schmid: „in die Ringschule“.
4: mrthsel ändert Norayr a. a. O. (Vd) S. 79 in mrtheal.
5: Fehlt bei Schmid.
6: Hier endet die Entlehnung aus Methodius.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren
Bilder Vorlage

Navigation
Erstes Buch: Widerlegung ...
. . Mehr
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . 20.
. . 21.
. . 22.
. . Mehr
Zweites Buch: Widerlegung ...
Drittes Buch: Widerlegung ...
Viertes Buch: Widerlegung ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger