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Armenische Väter - Beschreibung des Lebens und Sterbens des hl. Lehrers Mesrop

19. Förderung des Mönchslebens.

Ferner begründete er viele, ja unzählige Abteilungen von Mönchen, in Städten und außerhalb derselben, auf dem Lande und auf den Bergen weilende, in Höhlen wohnende und in Abgeschlossenheit lebende. Von Zeit zu Zeit zeigt er sich diesen in leiblicher Gegenwart als Vorbild, indem er einige von seinen Jüngern aus ihren Klöstern nahm und auszog, auf den Bergen lebte in Höhlen und Gruben wohnend, wobei sie die tägliche Nahrung aus Krautgemüse bereiteten. So gaben sie sich den Abtötungen in Entbehrungen hin. Zumal, indem sie auf den Trost des apostolischen Wortes hinblickten: „Wenn ich schwach bin wegen Christus, dann bin ich stark" [2.Kor. 12, 10] und „gut ist es für mich, daß ich mich der Schwachheit rühme, damit in mir die Kraft Christi wohne" [2.Kor. 12, 9].

Da galt es denn nicht, sich mit Wein zu berauschen, sondern ich zu heben im Geiste und das Herz zu bereiten mit geistlichen Gesängen zum Lob und Preis Gottes, da galt es Übungen in den süßbelehrenden Lesungen der im Geist sprechenden Schriften; es galt vertrauensvolle Hingabe an die mahnende Belehrung zu der vorgelegten Wahl des zur Krönung führenden von Christus gegebenen Siegespreises; dort zu entbrennen vom Geist des Gottesdienstes in Knechtestreue, dort flehende Bitten, dort versöhnendes Verlangen um des Lebens aller willen zum menschenliebenden Gott; und mit der geistlichen Kunst darin verbrachte er viele Tage an unzugänglichen Orten, bis ihm Nachricht von Priestern zukam, daß er in nützlichen Angelegenheiten der Kirchen diesen Gegenden mit den Gnaden Christi zu Hilfe zu kommen solle. Und ohne sich irgend im Geiste zu zerstreuen, stieg er mit seinen Gehilfen bei den sich gebenden Anlässen zu helfen herab und vollbrachte mit Gottes Kraft und reichlicher und voller, indem er den Mund nicht schloß, die Aufgabe der Belehrung und streute [sie] in die Herzen der Zuhörer. Das tat er alle seine Zeit hindurch wegen seiner und des Landes; denn die wahren Lehrer sind gewohnt, die eigenen Tugenden zum Maßstab für die Jünger anzulegen, zumal, wenn sie des Herrenwortes des alleinzigen weisen Gottes gedenken: „denn Jesus begann zu tun und zu lehren" [Apg.1,1]. Er hat ja oftmals seine Jünger beiseite genommen und wurde durch sich selbst das untadelige Vorbild der Dürftigen, als er auf dem Berg Tabor1 die Seligpreisungen der Verheißungen gab und als er auf demselben Berge das vorbildliche Gebet verrichtete, während die Jünger auf dem Meer von Tiberias fuhren. Und wiederum an den Tagen der ungesäuerten Brote am gesetzlichen Feste brachte er das abendliche und nächtliche Gebet am Ölberg in Einsamkeit dar2 Daraus ist offenbar und ohne Zweifel, daß der Herr nicht seinetwegen, sondern zur Belehrung der ganzen Welt dies tat. Er ist ja das Vorbild aller, die gehorchen, daher sagte er auch: „Seid wachsam, damit ihr nicht in Versuchung fallet" [Matth. 26, 41]. Wenn nun aber die erdgeborenen Völker für leichtere Künste nur recht mangelhaftes Verständnis haben3 , wie sehr mag man glauben, daß in dieser Kunst jemand auch unwissend sei, die das Reden mit Gott vollbringt. In dieser sagt der heilige Paulus, daß alle unwissend seien, weshalb er weiß, daß der allesbelebende Geist mit unaussprechlichen Seufzern als Fürbitter zu Hilfe kommt. Nun aber, da wir hören: „Jesus fing an zu tun und zu lehren", so tut er sicherlich und lehrt er und nicht ist es zu verstehen, als ob er es hinschenke. Und sein Fürbitten für die Heiligen und das Fürbitten des Heiligen Geistes geschieht zu unserer Belehrung, denn es ist verständlich, daß sie miteinander Fürbitte leisten, denn einer Ehre ist das Göttliche und nicht vielfältig. Als die seligen Apostel von der Lehre der Wahrheit empfangen hatten, da leisteten sie sich selbst zuerst, was sie bedurften, und hernach brachten sie den Jüngern das Hohe. Bald vereinzelt, bald mit dem versammelten Volke erhoben sie mit den Aposteln den Ruhm Christi. Denn es ist nützlicher, von allen weltlichen Erquickungen sich zu enthalten und allein dem Dienste Gottes sich hinzugeben, wie es auch die Propheten taten. Diese haben auf den Bergen und in der Einöde und in den Höhlen der Felsen den Dienst der göttlichen Religion geübt.

1: Koriun nimmt hier fälschlich an, daß der Tabor der Berg der Bergpredigt sei und verlegt ihn einige Zeilen weiter unten ebenso unrichtig an den See Gennesaret.
2: Welte, der hier nach der Venezianischen Ausgabe von 1833 einem Wortlaut folgt, der weder in der kürzeren Ausgabe vorliegt noch in der größeren vom Jahr 1894 stimmt, übersetzt hier: „beim Gebet in der Nacht auf dem Ölberg nahm er e i n z e l n e abgesondert zu sich."
3: Der längere Text scheint hier gelitten zu haben, während der kürzere sich ungezwungen übersetzen läßt: Wenn nur in geringeren Künsten usw.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung. Die patrologische Literatur der Armenier Eznik von Kolb, Wider die Irrlehren

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger