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Hieronymus († 420) - Auf den Tod Fabiolas; an Oceanus. (Epistula 77)

9.

Uns schmerzte nur, daß wir auf eine so kostbare Zierde der heiligen Orte verzichten mußten. Rom erhielt wieder, was es verloren hatte, und die freche und boshafte Zunge der Heiden ist durch den Augenschein widerlegt1 . Andere mögen zum Gegenstande des Lobes ihre Barmherzigkeit, ihre Demut, ihren Glauben machen; ich will mehr ihren glühenden Eifer preisen. Das Buch, in welchem ich einstens in jungen Jahren den Heliodor zum Einsiedlerleben ermahnt habe, wußte sie auswendig2 , und wenn sie die Mauern Roms sah, beklagte sie sich, daß sie sozusagen eingeschlossen sei. Ohne Rücksicht auf ihr Geschlecht zu nehmen, ohne an ihre Gebrechlichkeit zu denken, nur noch voller Sehnsucht nach der Einsamkeit war sie dort, wo sie im Geiste weilte. Die Ratschläge ihrer Freunde vermochten nicht, sie zurückzuhalten; so sehr sehnte sie sich darnach, aus der Stadt wie aus einem Kerker auszubrechen. Die Verwaltung des Geldes und die vorsichtige Verteilung desselben hielt sie für eine Art Unglauben. Sie verlangte nicht darnach, anderen Almosen zu spenden, sondern sie wünschte, nachdem all das Ihrige ausgegeben wäre, selbst um Christi willen Gaben anzunehmen. So eilig hatte sie es und so ungeduldig war sie bei jeder Verzögerung, daß es schien, als werde sie [in ihrem Wunsche] noch große Fortschritte machen. Da sie sich also immer bereit hielt, konnte auch der Tod sie nicht unvorbereitet treffen.

1: Man hatte bereits in Rom angefangen, den hl. Hieronymus zu verdächtigen, als ob er die vornehme Fabiola für das Einsiedlerleben in Bethlehem zu gewinnen gesucht hätte.
2: Epist. 14 ad Heliodorum.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger