Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Hieronymus († 420) - Über den Tod Paulinas; an Pammachius (Epistula 66)

7.

Es leuchtet eine Perle selbst im Schmutze und der Glanz eines echten Edelsteines erstrahlt auch im Kote. Eine Verheißung des Herrn lautet: "Wer mich verherrlicht, den werde auch ich verherrlichen"1 . Andere mögen sie von der Zukunft verstehen, in welcher die Trübsal in Freude verwandelt wird2 und die Krone der Heiligen ständig weiter dauert, wenn auch die Welt vergeht. Ich sehe, daß das Versprechen sich bereits in der Gegenwart erfüllt. Ehe Pammachius Christo mit ganzer Seele diente, spielte er im Senate eine Rolle; aber auch viele andere trugen die Auszeichnung der Prokonsuln. Der ganze Erdkreis war voll solcher Ehrenstellen. Er war der erste, aber unter anderen ersten; dem einen ging er an Rang vor, dem anderen folgte er nach. Mag eine Ehre noch so groß sein, sie verliert, wenn sie mit vielen geteilt wird. Unter rechtschaffenen Männern büßt eine Würde an Wert ein, wenn viele Unwürdige sie bekleiden. Deshalb hat auch Tullius so treffend von Cäsar gesagt: "Als er gewisse Leute auszeichnen wollte, da hat er nicht sie geehrt, sondern die Auszeichnung in den Schmutz gezogen"3 . Aber jetzt nennen alle christlichen Kirchen den Pammachius; jetzt bewundert die ganze Welt den Armen, den sie bisher in seinem Reichtum nicht gekannt hat. Was ist herrlicher als das Konsulat? Ein Jahr dauert es nur, und wenn der Nachfolger kommt, muß der Vorgänger sein Amt niederlegen. Unter der Menge bleiben die Lorbeerkränze verborgen und die Triumphzüge werden zuweilen durch die Schlechtigkeit der Triumphatoren besudelt. Dieses Amt erbte sich früher nur unter Patriziern fort, nur der Adel hatte es inne. Marius wurde trotz seiner Siege in Numidien und über die Teutonen und Cimbern desselben wegen seiner einfachen Herkunft für unwürdig gehalten. Das Amt, das ein Scipio vor Jahren als Lohn seiner Tapferkeit erhielt, ist jetzt in den Händen der Söldnertruppen. Schon lange schmückt die mit Palmzweigen bestickte Toga Nachkommen von Bauern. Mehr haben wir also empfangen als hingegeben; auf Kleinigkeiten haben wir verzichtet und Großes besitzen wir. Hundertfach verzinsen sich die Verheißungen Christi. Auf einen solchen Acker hatte einst auch Isaak gesät, der, zum Tode bereit, schon vor dem Evangelium das Kreuz des Evangeliums getragen hat4 .

1: 1 Sam. 2, 30.
2: Joh. 16, 20.
3: C. J. W. Müller, M. Tulli Ciceronis opera quae manserunt omnia IV, 3, 410. Leipzig 1904.
4: Gen. 22.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger