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Hieronymus († 420) - Über den Tod Paulinas; an Pammachius (Epistula 66)

6.

Wer hätte es für möglich halten sollen, daß ein Urenkel von Konsuln, eine Zierde des Geschlechtes der Furier, in eine einfache dunkle Tunika gehüllt, unter den in Purpur gekleideten Senatoren einhergeht, ohne zu erröten vor den Blicken seiner Standesgenossen? Ja, er macht sich sogar lustig über jene, die über ihn scherzen. "Es gibt eine Scham, die zum Tode, und eine Scham, die zum Leben führt"1 . Die erste Tugend des Mönches besteht darin, die Urteile der Menschen zu verachten und immer des Apostelwortes eingedenk zu sein: "Wenn ich den Menschen zu Gefallen wäre, dann könnte ich Christi Diener nicht sein"2 . Ähnlich spricht auch der Herr zu den Propheten, er habe ihr Angesicht gemacht wie eine eherne Stadt und wie einen Diamanten und wie eine eiserne Säule, damit sie sich nicht fürchteten vor den Beschimpfungen des Volkes3 , sondern die frechen Spötter mit ernster Stirne niederschmetterten. Den Charakter, der herausreift aus freiheitlicher Erziehung, überwindet die Ehrfurcht viel leichter als die Furcht. Und jene, bei welchen Qualen nichts ausrichten, besiegt zuweilen die Scham. Es ist nicht gering anzuschlagen, wenn ein vornehmer, ein beredter, ein wohlhabender Mann die Gesellschaft der Einflußreichen auf der Straße meidet und sich unter das Volk mischt, den Armen nachgeht, sich mit Ungebildeten unterhält und aus einem hochgestellten ein einfacher Mann wird. Je mehr er sich verdemütigt, desto erhabener steht er da.

1: Eccli. 4, 25.
2: Gal. 1, 10.
3: Jer. 1, 18; Ezech. 3, 9.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger