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Hieronymus († 420) - Über den Tod Paulinas; an Pammachius (Epistula 66)

4.

Wir lesen, daß die Gattin des Priesters Phinees auf die Nachricht von der Wegnahme der Bundeslade von plötzlichen Geburtswehen überfallen wurde und einen Sohn gebar, den Ikabod1 . Unter den Händen hilfsbereiter Frauen gab sie mit ihrem Kinde auch ihre Seele von sich. Von der Rachel ist Benjamin, d. h. ein Sohn der Kraft oder der Rechten, geboren worden, von der Gattin des Phinees ein Priester des Herrn, berühmt dadurch, daß er nach der Bundeslade benannt wurde2 . Uns aber hat nach dem Hinschlummern und Entschlafen Paulinas die Kirche den Pammachius als Mönch, wenn auch als verspäteten, geboren, den Pammachius, der ein Patrizier ist durch den Adel seines Vaters und seiner Gattin, reich an Werken der Nächstenliebe, erhaben durch seine Demut. Der Apostel schreibt an die Korinther: "Sehet, Brüder, auf eure Berufung; denn nicht viele sind weise nach dem Fleische, nicht viele mächtig, nicht viele vornehm"3 . So forderten es die Anfänge der werdenden Kirche, daß das Senfkörnlein allmählich zum Baume sich auswuchs4 , daß nach und nach der Sauerteig des Evangeliums die ganze Masse der Kirche emporhob5 . Doch in unseren Tagen besitzt Rom etwas, was es früher in der ganzen Welt nicht gab. Damals waren die Weisen und Mächtigen und Adeligen unter den Christen selten, jetzt gibt es viele weise, mächtige und adelige Mönche. Weiser, mächtiger und vornehmer als sie alle ist jedoch mein lieber Pammachius: groß unter den Großen, der erste unter den Ersten, der Anführer unter den Mönchen. Solche Kinder hat uns Paulina nach ihrem Tode hinterlassen, wie sie sie zu Lebzeiten sich gewünscht hat. "Freue dich, Unfruchtbare, die du nicht gebierst, frohlocke und jauchze, die du keine Geburtswehen kennst6 ; denn so viele Arme es zu Rom gibt, so viele Kinder hast du plötzlich geboren".

1: 1 Sam. 4, 19.
2: כָּבוֹד יְהוָה heißt Herrlichkeit Gottes und wird, weil sie über der Bundeslade thronte, für diese selbst gesetzt.
3: 1 Kor. 1, 26.
4: Luk. 13, 19.
5: Matth. 13, 33; Luk. 13, 21.
6: Is. 54, 1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger