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Hieronymus († 420) - Über den Tod Paulinas; an Pammachius (Epistula 66)

13.

Daß du als der ersten einer aus patrizischem Geschlechte ein Mönchsleben begonnen hast, darf dir nicht Veranlassung zum Hochmut werden, wohl aber zur Demut; weißt du doch, daß der Sohn Gottes ein Menschensohn geworden ist. Wie sehr du dich auch erniedrigen magst, demütiger als Christus wirst du nicht werden. Es mag sein, daß du zu Fuß einherschreitest, mit einer schwarzen Tunika dich kleidest, den Armen dich gleichmachst, in Herablassung die Wohnungen der Elenden besuchst, daß du der Blinden Auge, der Schwachen Hand, der Lahmen Fuß bist, daß du selbst Wasser trägst, Holz spaltest, Feuer anzündest. Aber wo bleiben die Ketten, wo die Backenstreiche, wo der Speichel, wo die Geißelhiebe, wo das Kreuzesholz, wo der Tod? Und wenn du alles tust, was ich angeführt habe, so wirst du doch noch überragt von Eustochium und Paula, wenn auch nicht in den Werken selbst, dann wenigstens durch den in ihrem Geschlecht begründeten Mangel an Kraft. Ich war zwar damals nicht in Rom, vielmehr hielt mich die Wüste fest — o hätte sie mich immer festgehalten —, als sie zu Lebzeiten deines Schwiegervaters Toxotius noch der Welt dienten. Damals konnten sie den Schmutz auf der Straße nicht ausstehen; sie ließen sich von Eunuchen tragen und gelangten nur schwer auf dem unebenen Boden voran. Ein seidenes Kleid war ihnen schon lästig und die Sonnenhitze kam ihnen wie die einer Feuersbrunst entströmende Glut vor, Jetzt aber sind sie, wie ich weiß, in Büß- und Trauerkleider gehüllt und im Vergleich zu ihrem früheren Zustande derber. Sie machen Lampen zurecht, zünden das Herdfeuer an, scheuern den Fußboden, putzen das Gemüse, werfen Büschel von Kräutern in den Topf, der auf dem Feuer steht; sie rücken Tische an ihren Platz, stellen die Trinkbecher hin, tragen die Speisen auf und laufen bald hierhin, bald dorthin. Das tun sie, obwohl eine große Schar von Jungfrauen mit ihnen zusammenwohnt. Könnten sie nicht diese Dienstleistungen anderen auflegen? Aber sie wollen sich, was körperliche Anstrengung betrifft, nicht überbieten lassen von jenen, welchen sie selbst an Seelentugend über sind. Wenn ich dies anführe, so glaube nicht, daß ich an deiner eifrigen Gesinnung irgendwie zweifle, sondern ich will dich nur in deinem Laufe ermutigen und deinen Eifer im harten Kampfe mit aufmunternden Worten anfeuern.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger