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Hieronymus († 420) - Über den Tod Paulinas; an Pammachius (Epistula 66)

11.

Ich höre, daß du ein Pilgerheim im römischen Hafen erbaut1 und einen Zweig vom Baume Abrahams12 an das ausonische Ufer3 verpflanzt hast. Wie Aeneas steckst du ein neues Lager ab, und an den Wassern des Tibers, wo er unter dem Drucke der Not die bedeutungsvollen Kuchen und die als Tisch benutzten Brotscheiben nicht verschonte4 , baust du ein Dörflein wie das unsrige, ein neues Haus des Brotes5 , und stillst den lang ertragenen Hunger durch unerwartete Sättigung. Ja mein Freund, du bleibst nicht beim Anfange stehen, sondern steuerst gleich auf das Ziel los. Von der Wurzel steigst du sofort zum Gipfel hinauf. Der erste unter den Mönchen in der ersten Stadt, folgst du dem ersten Patriarchen nach. Lot, d. h. der sich Abwendende, mag immerhin die ebenen Gefilde aussuchen6 , und nach dem pythagoräischen Buchstaben7 die leichten Wege zur Linken, die ins Verderben führen, einschlagen. Du, errichte dir auf den steilen Felsenhöhen mit Sara ein Denkmal8 , daneben sei die "Bücherstadt"9 und nach Vernichtung der Giganten, der Enakssöhne10 , möge Freude und Lachen dein Erbteil sein. Abraham war reich an Gold, Silber, Herden, Ländereien und Kleidern. So groß war sein Gesinde, daß er trotz der unerwarteten Nachricht ein Heer ausgesuchter junger Leute ausrüsten konnte und vier Könige, vor denen fünf Könige die Flucht ergriffen hatten, bei Dan erreichte und niedermachte11 . Nachdem er so oft Gastfreundschaft geübt und die Menschen nicht abgewiesen hatte, wurde er für würdig erachtet, Gott als Gast zu bewirten. Doch nicht Knechten und Mägden überließ er die Wartung der Gäste; denn das Gute, das er übte, sollte nicht durch andere gemindert werden. Vielmehr widmet er sich allein mit Sara den Pflichten der Nächstenliebe, gleich als ob er eine Beute erlegt hätte. Er selbst wäscht die Füße und schleppt ein Mastkalb auf seinen Schultern von der Herde weg. Wie ein Sklave steht er zur Verfügung, während die Fremden den Imbiß einnehmen; er selbst setzt, ohne mitzuessen, die von Saras Hand zubereiteten Speisen vor12 .

1: Dieses erste christliche, der Nächstenliebe dienende Gebäude wurde zu Porto an der Tibermündung um das Jahr 1860 ausgegraben. Das Gebäude war im Geviert errichtet. An der einen Seite war eine Pfeilerbasilika, während man an den übrigen Seiten durch Galerien in drei große Säle gelangte. Vgl. Herders Konversationslexikon VI, 1164. [Pammachius.] S. auch Bulletino di archeologia cristiana 1866, 37 ff.; 1868, 33 ff.
2: Gen. 18, 8. Abraham bewirtet die drei Fremdlinge; er steht unter einem Baume, während sie speisen.
3: Die Ausoner sind ein umbrischer Stamm, dessen Name in poetischer Sprache auf ganz Italien übertragen wird.
4: Verg. Aen. VII, 115. Die Trojaner bedienten sich der Kuchen und viereckigen Brotscheiben ab Tisch. Es war dem Aeneas vom Fatum verheißen, wenn er, vom Hunger getrieben, die Tische mitessen würde, sollten seine Irrfahrten endigen; dies geschah aber so ziemlich an derselben Stelle, wo Pammachius sein Pilgerhaus im römischen Hafen gründete. Darum nimmt Hieronymus bei der Erwähnung der Gründung des Pilgerhauses durch Pammachius auf diesen Vorgang Bezug.
5: "Haus des Brotes" ist die Übersetzung von Bethlehem.
6: Gen. 13, 11.
7: Der pythagoreische Buchstabe ist Y, der bei den Alten symbolischen Charakter besaß. Der breite Arm links stellt den Weg des Lasters, der schmale rechts den der Tugend vor.
8: Gen. 23.
9: Wörtliche Übersetzung der Jos. 15, 15 zuerst erwähnten Stadt Cariath-Sepher.
10: Num. 13, 34; Jos. 14, 12.
11: Gen. 14.
12: Gen. 18, 1—8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger