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Hieronymus († 420) - Das Leben der hl. Witwe Paula, Einsiedlerin zu Bethlehem (Epistula 108)

29.

Da entstand kein Heulen, kein Wehklagen, wie dies bei den Weltmenschen der Fall zu sein pflegt, sondern Mönche stimmten eine Reihe von Psalmen in verschiedenen Sprachen an. Sie wurde hinweggetragen von den Händen der Bischöfe, welche die Bahre auf ihre Schultern luden, und mitten in der Kirche der Geburtsgrotte des Herrn aufgestellt. Hierbei schritten andere Bischöfe mit Fackeln und Kerzen voraus, während wieder andere die Chöre der Psalmensänger anführten. Eine große Volksmenge fand sich bei ihrem Leichenbegängnisse aus den Städten Palästinas zusammen. Keinen Mönch hielt seine Zelle in der Wüste zurück, keine Jungfrau hielt sich verborgen in ihren stillen Gemächern. Man hätte es für einen Frevel an Gott gehalten, einer solchen Frau nicht die letzte Ehre erwiesen zu haben. Die Witwen und Jungfrauen zeigten die Gewänder vor, die sie, eine zweite Dorcas1 , ihnen geschenkt hatte. Die ganze Schar von Armen klagte, daß sie ihre Mutter und Ernährerin verloren hätten. Auffallend war, daß keine Blässe ihr Angesicht entstellte. Vielmehr zeigten sich in ihrer Miene solche Würde und solcher Ernst, daß man beinahe vermutet hätte, sie sei nicht tot, sie schlafe nur. In griechischer, lateinischer und syrischer Sprache ertönten der Reihe nach Psalmen, nicht bloß bis zum dritten Tage, an welchem sie unter der Kirche und neben der Grotte des Herrn beigesetzt wurde, sondern die ganze Woche hindurch; denn jeder, der kam, glaubte, eine eigene Leichenfeier veranstalten und seine Tränen ihr widmen zu müssen. Ihre ehrwürdige, jetzt sozusagen der Mutter entwöhnte Tochter Eustochium konnte von der Leiche nicht fortgebracht werden; sie küßte ihre Augen, betrachtete ihr Antlitz, umarmte den ganzen Körper und wollte mit der Mutter begraben werden.

1: Apg. 9, 39.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger