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Hieronymus († 420) - Das Leben der hl. Witwe Paula, Einsiedlerin zu Bethlehem (Epistula 108)

3.

Berichten wir also in geordneter Reihenfolge! Andere mögen noch weiter zurückgehen, von ihrer Wiege und, wenn ich mich so ausdrücken soll, von ihrem Kinderspielzeug erzählen, sie mögen berichten, daß Bläsilla ihre Mutter, Rogatus ihr Vater war. Sie mögen auch mitteilen, daß die Mutter ein Abkömmling der Scipionen und Gracchen ist, der Vater aber, wie es heute noch in ganz Griechenland heißt, von dem Stamme, dem Reichtum und dem Adel des Agamemnon, der nach zehnjähriger Belagerung Troja zerstört hat, sein Blut herleiten soll. Ich möchte nur lobend erwähnen, was eigenes Verdienst ist, was dem reinsten Quell heiliger Gesinnung entströmt. Unser Herr und Heiland belehrt nach dem Evangelium die Apostel, welche ihn fragen, wie er ihnen, die alles um seines Namens willen verlassen hätten, vergelten würde, dahin, daß sie hienieden hundertfältigen Lohn, im anderen Leben das ewige Leben erlangen sollten1 . Hieraus erkennen wir, daß es noch nicht lobenswert ist, Reichtümer zu besitzen, wohl aber, sie um Christi willen zu verachten; daß es wenig gilt, irdischer Ehre zuliebe sich aufzublähen, wohl aber, sie um des christlichen Glaubens willen gering zu schätzen. Und in der Tat, was Christus seinen Dienern und Dienerinnen verheißen hat, hat er in diesem Falle bereits erfüllt. Denn sie, die früher den Ruhm einer Stadt verschmäht hat, steht jetzt bei der ganzen Welt in Ansehen. Wie sie in Rom wohnte, hat niemand außerhalb Roms sie gekannt. Als sie sich aber nach Bethlehem zurückzog, zollte ihr das In- und Ausland Bewunderung. Wo ist denn das Volk, dessen Einwohner nicht zu den heiligen Stätten kommen? Wer könnte aber an den heiligen Orten etwas finden, was unter den Menschen größere Bewunderung erregt hätte als Paula? Sie glänzt unter vielen Edelsteinen als der kostbarste, und wie die hellen Sonnenstrahlen das schwache Licht der Sterne verdunkeln, so hat sie die Tugenden und die Macht aller durch ihre Demut übertroffen. Unter allen ist sie die Geringste geworden, um über alle erhaben zu werden. Je mehr sie sich erniedrigte, desto mehr ist sie von Christus erhöht worden2 ; sie war verborgen und doch nicht verborgen. Weil sie die Ehre mied, hat sie Ehre gefunden; denn diese folgt der Tugend gleich wie ein Schatten3 . Diejenigen aber, welche sie suchen, läßt sie leer ausgehen, diejenigen, welche sie verachten, sucht sie auf4 . Doch was tue ich? Vom Gange der Erzählung weiche ich ab; beim einzelnen halte ich mich auf und setze mich so über die rhetorischen Vorschriften hinweg.

1: Matth. 19:27 ff.
2: Matth. 23:12; Luk, 14:11.
3: Cicero, Tusc. disp. I, 109.
4: Vgl. Plinius, Epist. I, 8, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger