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Hieronymus († 420) - Das Leben der hl. Witwe Paula, Einsiedlerin zu Bethlehem (Epistula 108)

11.

Alsbald fing sie an, in beschleunigter Gangart auf dem alten Wege, der nach Gaza, d.h. zu der Macht oder den Reichtümern Gottes1 führt, weiterzureisen, wobei sie darüber nachdenken konnte, wie der äthiopische Kämmerer, der Vertreter der Heidenvölker, seine Hautfarbe geändert und über der Lesung des Alten Testamentes den Quell des Evangeliums gefunden hat2 . Dann bog sie nach rechts ab. Von Bethsur3 kam sie nach Escol4 , das Traube bedeutet.
Dorther brachten die Kundschafter zum Beweise für die reiche Fruchtbarkeit des Landes und als Typus dessen, der da sagt: "Die Kelter habe ich allein getreten, und aus den Völkern ist niemand bei mir"5 , eine Traube von wunderbarer Größe6 .
Nicht lange nachher besuchte sie die Zellen der Sara7 , die Geburtsstätte Isaaks und die Überreste der Eiche Abrahams, unter welcher er voller Freude den Tag Christi gesehen hat8 . Von dort brach sie auf und erstieg Hebron oder Cariath Arbe, d. h. Stadt der vier Männer, nämlich des Abraham, Isaak, Jakob und Adam, des mächtigen Enakssohnes, dessen Grabstätte die Juden nach dem Buche Josue hier vermuten9 . Allerdings halten die meisten den Caleb für den vierten, dessen Denkmal, verfertigt aus Ziegelstein, man dort zeigt. Nach Cariath sepher, d.h. Stadt der Buchstaben10 , wollte sie nicht gehen; denn sie verachtete den tötenden Buchstaben, nachdem sie den lebendigmachenden Geist entdeckt hatte11 . Lieber bewunderte sie die oberen und unteren Wasser, welche Othoniel, der Sohn des Kenez und Enkel des Jephone statt des südlichen Landes und eines dürren Besitztumes erhalten hat12 . Er leitete sie so, daß er damit auch die bei der ersten Verteilung erhaltenen Ländereien bewässerte, wodurch angedeutet werden soll, daß man in dem Taufwasser die Vergebung der vorhergegangenen Sünden finden kann. Am folgenden Tage stand Paula nach Sonnenaufgang auf der Anhöhe von Caphar Barucha, d.h. Ort der Segnung; bis hierhin hatte Abraham den Herrn begleitet13 . Von diesem Orte aus schaute Paula in eine weite Einöde, auf die Gegend, in der einst Sodoma und Gomorrha, Adama und Seborim lagen14 ; weiter sah sie die balsamischen Weingärten von Engaddi15 und Segor16 , die "dreijährige Kuh"17 , dessen früherer Name Belah war und im Syrischen durch Zoara, d. h. die Kleine, wiedergegeben wird. Sie dachte an die Höhle Lots, und in Tränen aufgelöst, ermahnte sie die Jungfrauen, welche sie begleiteten, sich vor dem Weine zu hüten; denn er sei die Quelle der Unkeuschheit18 und sein Werk die Moabiter und Ammoniter19 .

1: Es verrät sich hier das Bestreben des hl. Hieronymus, die Eigennamen im Interesse des der Erbauung dienenden höheren Schriftsinnes zu übersetzen.
2: Apg. 8, 28. Es führten zwei Straßen von Jerusalem nach Gaza, die gewöhnliche westwärts über Ramleh, und die alte Straße südwärts über Bethsur und Hebron, die nach Apg. 8, 28 damals wüst und öde war, auf welcher auch schon Abraham [Gen. 20, 1] in das Land des Südens gezogen ist. Auf dieser wüsten Straße reiste auch der Aethiopier und ward in einer jetzt gezeigten Quelle bei Bethsur getauft
3: Auf einem Höhenrücken zwei Stunden nördlich von Hebron.
4: Jetzt Iskahel nördlioh von Hebron.
5: Is. 63, 3.
6: Num. 13, 24
7: Ob unter cellulae die Grabstätte zu verstehen ist, wie Leipelt 108 Anm. 2 oder Kaulen [Kirchenlexikon, V, 1561 - Hebron] annehmen, scheint mir sehr zweifelhaft, da die übrigen beiden Patriarchen und deren Frauen, soweit sie dort begraben sind, ganz übergangen werden.
8: Joh. 8, 56.
9: Jos. 14, 15. Hieronymus nimmt Arba für ein Zahlwort während es Eigenname ist und Stadt des Arba, eines kanaanitischen Fürsten, bedeutet.
10: Die Ausgabe von Migne schreibt vinculum litterarum, offenbar ein Versehen für viculus litterarum.
11: 2 Kor 3, 6.
12: Richter 1, 15.
13: Da der Ort in der Bibel nicht genannt ist, scheint die Angabe auf einer lokalen Tradition zu fußen.
14: Gen. 10, 19.
15: Hohel. 1, 13. Engaddi am Westufer des Toten Meeres; heute Ain dschidi, "Bocksquelle" mit warmer Quelle.
16: Segor, früher Belah [Gen. 14, 8] lag am Südostrande des Toten Meeres.
17: Statt consternantem ist bei Migne nach Is. 15, 5 [Vulg.] conternantem zu lesen. Hieronymus mit den meisten alten Übersetzern, LXX und Targumim laßt עֶגְלַת שְׁלִשִׁיָּה und im Kommentar zu Is. 15 als Appellativum, dreijährige Kuh oder Kalb, und als Apposition zu Segor auf, während es der Name einec Ortes im Gebiet der Moabiter ist und Is. 15, 5 sowie Jer. 31, 18; 48, 34 neben Segor und Horonaim genannt wird. In der Nähe waren zwei andere Ortschaften dieses Namens. Daher hies dieses zum Unterschiede שְׁלִשִׁיָּה, das dritte Eglath.
18: Eph. 5, 18.
19: Gen. 19, 30 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger