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Hieronymus († 420)
Leben und Gefangenschaft des Mönches Malchus
(Vita Malchi)

1.

Wer ein Seetreffen liefern will, handhabt das Steuer zuerst im Hafen und bei stiller See. Er übt sich im Rudern und setzt Enterhaken und Anker in Bereitschaft; er verteilt die Mannschaften auf dem Verdeck und gewöhnt sie daran, trotz des schwankenden Ganges und der unsicheren Füße fest aufzutreten. Wenn die Soldaten sich hierin geübt haben im Manöver, dann brauchen sie sich auch im Ernstfalle nicht zu fürchten. So will auch ich mich zuerst, nachdem ich auf Veranlassung desjenigen, der in meinen Worten einen strafenden Vorwurf sah,1 lange geschwiegen habe, an einem kleineren Werke versuchen, um gleichsam den Rost von meiner Zunge abzustreifen. Dann will ich übergehen zu einer umfangreicheren geschichtlichen Abhandlung. Für den Fall, daß Gott mir das Leben schenkt, und daß meine Tadler aufhören wollen, mich nach meiner Flucht und bei meiner zurückgezogenen Lebensweise zu verfolgen, habe ich mich entschlossen, die Geschichte von der Ankunft des Erlösers bis auf unsere Zeit, d. h. von den Aposteln bis auf den Verfall in unseren Tagen niederzuschreiben. Es soll gezeigt werden, wie und durch wen die Kirche entstanden ist, wie sie gewachsen ist und durch die Verfolgungen zugenommen hat, wie sie durch das Martyrium ihre Verherrlichung erlangt, wie sie die christlichen Fürsten in ihren Schoß aufgenommen und dadurch zwar an Macht und Reichtum gewonnen, dafür aber an innerer Kraft eingebüßt hat2 . Doch hiervon an anderer Stelle! Jetzt will ich übergehen zu dem Gegenstande, der mich augenblicklich beschäftigen soll.

1: Anspielung auf das Geschrei der Römer über seine Schrift an Eustochium "Über die Jungfräulichkeit" [epist. 22].
2: Es ist bei der Absicht geblieben.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger