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Hieronymus († 420) - Leben und Gefangenschaft des Mönches Malchus (Vita Malchi)

5.

Endlich überschritten wir einen großen Fluß und gelangten in das Innere der Einöde, wo man uns befahl, nach Landessitte die Herrin und die Kinder durch Fußkuß zu ehren und uns niederzubeugen. Hier war ich gleichsam in einem Kerker eingeschlossen und mußte lernen, in geänderter Kleidung, d. h. entblößt einherzugehen. Denn das heiße Klima ermöglichte nur, einen Lendenschurz zu tragen. Ich mußte die Schafe weiden, und in Nachdenken über mein Unglück versunken genoß ich wenigstens den Trost, daß ich meinen Herrn und meine Mitsklaven seltener sah. Ich kam mir vor wie ein heiliger Jakob, ich dachte an Moses, die ja auch einstens als Hirten in der Wüste weilten. Ich lebte von frischem Käse und frischer Milch; ich betete beständig und sang die Psalmen, welche ich im Kloster gelernt hatte. Ich fand Freude an meiner Gefangenschaft und dankte der göttlichen Vorsehung dafür, daß ich in der Einöde meinen Mönchsberuf wiedergefunden hatte, den ich beinahe in der Heimat verloren hätte.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger