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Hieronymus († 420) - Leben und Gefangenschaft des Mönches Malchus (Vita Malchi)

4.

Wenn man von Beroa nach Edessa1 reist, dann liegt in der Nähe der öffentlichen Straße eine Einöde, welche Sarazenen, die ohne festen Wohnsitz sind, ständig nach allen Richtungen hin durchstreifen, Aus Furcht vor ihnen schließen sich die Reisenden in jenen Gegenden zusammen, um durch vereinten Widerstand die drohende Gefahr abzuwenden. In meiner Begleitung waren Männer, Frauen, Greise, Jünglinge und Kinder, im ganzen ungefähr siebzig Personen. Plötzlich stürzten, auf Pferden und Kamelen reitend, Ismaeliten gegen uns heran mit flatterndem Haar, das Haupt mit einem Turban umwunden. Halbnackt waren sie, nur bekleidet mit einem Mantel und weiten Schuhen. Von der Schulter hing der Köcher herab, während die schlaffe Bogensehne schwirrte; auch trugen sie lange Speere. Jedoch waren sie nicht gekommen, um zu kämpfen, sondern um Beute zu machen. Wir wurden ausgeraubt, zerstreut und nach allen Richtungen verschleppt, Und ich, der ich nach langer Wartezeit Erbe und Eigentümer geworden war, bereute zu spät meinen Eigensinn. Zusammen mit einer Frau kam ich bei Verteilung der Beute in den Dienst desselben Herrn. Hoch oben auf den Kamelen wurden wir weggeführt oder vielmehr geschleppt. Durch die weite Wüste hindurch hingen wir mehr als wir saßen, so daß wir beständig zu fallen fürchteten. Halbrohes Fleisch war unsere Nahrung, Kamelsmilch unser Trank.

1: Jetzt Urfa im Nordwesten Mesopotamiens.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger