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Hieronymus († 420) - Leben des hl. Einsiedlers Hilarion (Vita Hilarii)

14.

Dies war sein erstes Wunder, das bald durch ein noch größeres in Schatten gestellt wurde. Aristänete, des Elpidius1, der später Präfektus Prätorio wurde, Gattin, welche in hohem Ansehen bei ihren Landsleuten, noch mehr aber bei den Christen stand, war mit ihrem Gatten und drei Kindern auf der Rückreise vom hl. Antonius begriffen, mußte aber, weil diese krank wurden, in Gaza zurückbleiben. Infolge der schlechten Luft, oder, wie sich später zeigen sollte, zur Verherrlichung des Dieners Gottes Hilarion wurden sie alle zu gleicher Zeit von der Malaria ergriffen und von den Ärzten verloren gegeben. Wehklagend lag die Mutter am Boden; beinahe könnte man sagen, sie lief zwischen drei Leichnamen hin und her, ohne in ihrer Verzweiflung zu wissen, welchen sie zuerst beweinen sollte. Als sie erfuhr, daß ein Einsiedler in der Nähe lebte, machte sie sich auf den Weg ohne den bei Frauen gebräuchlichen Aufwand, so tief war ihre Mutterliebe, Sie war nur begleitet von ihren Dienerinnen und Eunuchen. Kaum konnte ihr Mann sie bereden, die Reise auf einem Esel zurückzulegen. Als sie bei Hilarion ankam, rief sie ihm zu: „Ich bitte dich bei Jesus, unserem gütigsten Gotte, ich beschwöre dich bei seinem am Kreuz vergossenen Blute, gib mir meine drei Söhne wieder! Möge der Name des Herrn, des Erlösers, in der heidnischen Stadt verherrlicht werden, und dann möge sein Diener nach Gaza kommen und das Götzenbild [S. 43] des Marnas2 zertrümmern." Doch er verhielt sich ablehnend und wies darauf hin, daß er niemals seine Zelle verlassen habe. Er sei gewohnt, nicht einmal ein kleines Landgut, geschweige denn eine Stadt zu betreten. Da warf sie sich zur Erde nieder und rief fortwährend: „Hilarion, Diener Christi, gib mir meine Kinder wieder! Antonius hat sie in Ägypten auf den Armen getragen, in Syrien sollst du sie mir erhalten." Alle Anwesenden weinten, er selbst wurde zu Tränen gerührt, doch bestand er auf seiner Weigerung. Aber die Frau ließ nicht ab, bis er versprach, nach Sonnenuntergang in Gaza einzutreffen. Dort machte er unter Anrufung des Namens Jesu über die Bettchen und die fieberglühenden Glieder der einzelnen das Zeichen des Kreuzes. Da offenbarte sich seine Wunderkraft; denn zur selben Zeit brach bei allen drei der Schweiß in Strömen aus. Um die gleiche Stunde nahmen sie Nahrung zu sich, erkannten ihre betrübte Mutter, priesen Gott und küßten des heiligen Mannes Hände. Als die Kunde von diesem Ereignis nach allen Seiten hin sich ausgebreitet hatte, pilgerte man um die Wette aus Syrien und Ägypten zu ihm. Viele glaubten an Christus und wurden Mönche. Denn es gab dazumal noch keine Mönchsniederlassungen in Palästina, niemand hatte in Syrien einen Mönch gekannt. Er war der Begründer und Förderer der aszetischen Lebensweise in dieser Provinz. In Ägypten hatte unser Herr Jesus den greisen Antonius, in Palästina den an Jahren jüngeren Hilarion.

1: Aristaenete und Helpidius, der praefectus praetorio Orientis des Constantius, sind auch sonst geschichtlich nachweisbar. Helpidius wurde trotz seiner Beliebtheit und Rechtschaffenheit von Julian abgesetzt (Ammianus Marcellinus XXI, 6, 9). Seine Gattin wird vom heidnischen Rhetor Libanius (I. IV epist. 44 ad Helpidium) sehr gelobt. Nach Schiwietz II, 111 Anm. 2.
2: Marnas, den Hieron. noch epist. 107 ad Laetam c. 2 und comm. in Is. 17, 1 ff. erwähnt, war der Herr aller Menschen (מַר אֱנָשׁ). Er wurde zu Gaza verehrt, wo man in ihm den kretischen Zeus sah.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger