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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Mahnrede an die Heiden (Protrepticus)
10. Kapitel

92.

1. Ferner finden Hunde, wenn sie sich verlaufen haben, durch die Witterung die Spur ihres Herrn; und Pferde, die ihren Reiter abgeworfen haben, gehorchen bisweilen auf einen einzigen Pfiff ihrem Herrn. „Der Ochse,“ so steht geschrieben, „kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber kennt mich nicht.“1 Was tut nun der Herr? Er grollt nicht, er hat noch Mitleid, er fordert noch eure Sinnesänderung.

2. Ich will euch aber fragen, ob es euch nicht sinnlos dünkt, daß ihr Menschen, obwohl ihr Geschöpfe Gottes seid und von ihm die Seele empfangen habt und ganz ihm gehört, einem anderen Herrn dient und noch dazu dem Tyrannen statt dem Könige, dem Schlechten statt dem Guten Ehren erweist.

3. Denn, im Namen der Wahrheit, wer, der seine gesunden Sinne besitzt, verläßt das Gute und gesellt sich zum Schlechten? Wer ist wohl, der vor Gott fliehen und mit den Dämonen zusammenleben wollte? Wer ist, der Gottes Sohn sein könnte, es aber vorzieht, Sklave zu sein? Oder wer beeilt sich, in das Reich der Finsternis zu gelangen, der ein Bürger des Himmels sein könnte und dem es freistünde, das Paradies zu bebauen und im Himmel umherzuwandeln und Anteil an der lebendigen und reinen Quelle zu haben,2 auf der Spur jener Lichtwolke3 durch die Lüfte zu schreiten,4 wie Elias ausblickend nach dem heilbringenden Regen?5

4. Jene aber wälzen sich, wie Würmer in Schlamm und Morast, in den Strömen der Lust und weiden sich an unnützen und sinnlosen Genüssen; sie sind Menschen, die Schweinen ähnlich sind. Denn Schweine, sagt man, „freuen sich am Morast“6 mehr als an reinem Wassers [S. 169] und sind, wie Demokritos sagt, „gierig auf den Misthaufen aus“.7

5. Nimmermehr also, nimmermehr wollen wir uns zu Sklaven machen lassen, und nimmermehr wollen wir den Schweinen ähnlich werden, sondern wie echte „Kinder des Lichts“8 wollen wir zum Lichte emporschauen und hinaufblicken, damit der Herr uns nicht als unecht erweise wie die Sonne die Adler.9

1: Is. 1, 3.
2: Vgl. Gen. 2, 5–8.
3: Vgl. Matth. 17, 5.
4: Vgl. Aristoph. Wolken 225.
5: Vgl. 3 Kön. 18, 44 f.
6: Vgl. Herakleitos Fr. 13 Diels; 2 Petr. 2, 22; Strom. I 2, 2; II 68, 3.
7: Vgl. Demokritos Fr. 23 Natorp, 147 Diels.
8: Vgl. Eph. 5, 8.
9: Der Sage nach prüft der Adler die Echtheit seiner Jungen, indem er sie zwingt, in die Sonne zu schauen; vgl. Ael. De nat. an. II 26; IX 3; Pauly-Wissowa, Real-Enc. I 371, 53 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger