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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Mahnrede an die Heiden (Protrepticus)
10. Kapitel

103.

1. Wenn demnach nichts von alledem als Gott gelten kann und ebensowenig irgendeines von jenen mit Menschenhänden gemachten, gefühllosen Bildwerken, dagegen sich in unserem Leben eine Art Vorsehung göttlicher Macht zu erkennen gibt, so bleibt nichts anderes übrig, als dies zu bekennen, daß der einzige wahrhaft seiende Gott es doch allein ist, der wirklich ist und besteht. Aber ihr Unvernünftigen seid Leuten ähnlich, die Mandragora [Alraun] oder ein anderes Gift zu sich genommen haben.1

2. Gott aber verleihe euch, daß ihr von diesem Taumelschlaf einmal wieder erwacht und Gott erkennt und daß euch nicht Gold oder Stein oder Holz [S. 179] oder Tun oder Leiden oder Krankheit oder Furcht als Gott erscheine!
"Dreimal zehntausend ja sind“ in der Tat „auf der vielernährenden Erde
Götter“,2
nicht „unsterblich“, aber freilich auch nicht sterblich [denn sie sind keiner Empfindung teilhaftig, so daß sie sterben könnten], sondern es sind steinerne und hölzerne Herrn über die Menschen, die das Menschenleben durch die Gewohnheit schmählich mißhandeln und verraten.

3. „Die Erde aber ist des Herrn“, so steht geschrieben, „und ihre Fülle.“3 Wie wagst du dann, wenn du in dem schwelgst, was dem Herrn gehört, von seinem Eigentümer nichts wissen zu wollen? Verlasse meine Erde, wird zu dir der Herr sagen! Rühre das Wasser nicht an, das ich emporsprudeln lasse! Nimm nichts von den Früchten, die ich baue! Entrichte, Mensch, Gott die Bezahlung für deine Ernährung! Erkenne deinen Herrn an! Du bist Gottes eigene Schöpfung; wie aber könnte das, was ihm gehört, mit Recht Eigentum eines anderen werden? Denn was ihm entfremdet ist, das ist der engen Verbindung mit ihm und damit der Wahrheit beraubt.

4. Seid ihr denn nicht gewissermaßen wie Niobe,4 oder vielmehr, um zu euch lieber auf Grund unserer Geheimlehre zu sprechen, nach Art der hebräischen Frau [Lots Weib nannten sie die Alten],5 in den Zustand der Gefühllosigkeit verwandelt? Es ist uns überliefert, daß diese Frau zu Stein wurde, weil sie Sodoma liebte. Sodomiten aber sind die Gottlosen und die hartherzigen Toren, die sich der Gottlosigkeit zuwenden.

1: Die Wirkung des Mandragora war sprichwörtlich; die von Clemens gebrauchten Worte sind die gleichen wie bei Pseudo-Demosthenes, Geg. Phil. IV 6.
2: Hesiod, Op. 252 f.; vgl. Protr. 41, 1.
3: Ps. 23, 1 [1 Kor. 10, 26].
4: Die Sage von der Versteinerung der Niobe schon bei Hom. Il. 24, 614 ff.
5: Vgl. Gen. 19, 26.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger