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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Mahnrede an die Heiden (Protrepticus)

3. Kapitel

42.

1.1 Nun wollen wir auch dies noch hinzufügen, wie unmenschliche und mit Haß gegen die Menschen erfüllte Dämonen eure Götter sind und wie sie sich nicht nur an der Verblendung der Menschen freuen, sondern sich auch am Menschenmord ergötzen: Bald machen sie sich die Waffenkämpfe in den Stadien, bald die unzähligen Kämpfe von Ruhmbegierde erfüllter Männer in den Kriegen zur Quelle ihres Vergnügens, damit sie wenn möglich bis zum Übermaß ihre Freude am Hinmorden von Menschen sättigen könnten; ferner forderten sie auch in Städten und Ländern, ähnlich wie hereinbrechende Seuchen, grausame Opfer.

2.2 So schlachtete [S. 114] der Messenier Aristomenes3 dem Zeus von Ithome dreihundert Männer im Glauben, mit Hekatomben von dieser Zahl und Art günstige Opferzeichen zu gewinnen; unter ihnen war auch der Spartanerkönig Theopompos, ein Schlachtopfer edler Art.

3. Das Volk der Taurer, das den Taurischen Chersones bewohnt, opfert alle schiffbrüchigen Fremden, die sie an ihrer Küste in ihre Hand bekommen, sofort der Taurischen Artemis. Diese Opfer bringt Euripides in einer Tragödie4 auf die Bühne.

4. Monimos ferner erzählt in seiner Sammlung wunderbarer Geschichten, daß im thessalischen Pella ein achäischer Mann dem Peleus und Cheiron geopfert werde.5

5. Auch Antikleides berichtet in den Nostoi [Rückfahrten], daß die Lyktier [sie sind eine Völkerschaft auf Kreta] dem Zeus Menschen schlachten;6 und die Lesbier bringen, wie Dosidas sagt, dem Dionysos das gleiche Opfer dar.7

6. Und die Phokäer [denn auch sie will ich nicht übergehen] – von ihnen erzählt Pythokles im dritten Buch des Werkes „Über die Eintracht“, daß sie der Artemis Tauropolos einen Menschen als Brandopfer darbringen.8

7. Der Athener Erechtheus und der Römer Marius opferten ihre eigenen Töchter, und zwar der eine der Pherephatta, wie Demaratos im ersten Buch der „Tragödienstoffe“,9 der andere, Marius, den Apotropaioi [Übel abwehrenden Göttern], wie Dorotheos im vierten Buch seiner „Italischen Geschichten“ erzählt.10

8. Als [S. 115] menschenfreundlich, wahrlich, werden durch diese Beispiele die Götter erwiesen; und wie sollten die Verehrer der Dämonen nicht dementsprechend heilig sein? Die einen lassen sich mit dem schönen Namen „Retter“ nennen, die andern erflehen Rettung von denen, deren Streben es ist, Rettung zu vereiteln; und im Wahn, ihnen glückverheißende Opfer darzubringen, denken sie nicht daran, daß sie Menschen hinmorden.

9. Denn nimmermehr wird ein Mord zu einem Opfer dadurch, daß er an einem bestimmten Ort geschieht, auch dann nicht, wenn einer unter dem Vorgeben, ein heiliges Opfer zu vollziehen, der Artemis oder dem Zeus zu lieb, an angeblich heiliger Stätte, auf dem Altar statt auf der Straße, einen Menschen tötet, statt dem Zorn und der Habgier [das sind auch Dämonen ähnlicher Art] zu lieb; vielmehr Mord und Totschlag ist ein derartiges Opfer.

1: 42, 1–43, 1 angeführt von Euseb. Praep. Evang. IV 16, 12 f.
2: 42, 2—6 angeführt von Kyrill von Alex., Geg. Julian IV p. 128 Aubert.
3: Anführer im zweiten messenischen Krieg; vgl. Paus. IV 19, 3, wo aber nur steht, daß er das ἑκατομφόνια genannte Opfer für hundert getötete Feinde dem Zeus von Ithome dargebracht habe.
4: In der Tragödie Iphigeneia in Tauris.
5: Monimos Fr. 1 FHG IV p. 454; vgl. Paradox. ed. Westermann p. 165.
6: Antikleides FGrHist 140 F 7.
7: Dosidas Fr. 5 FHG IV p. 400.
8: Pythokles Fr. 4 FHG IV p. 489.
9: Demaratos FGrHist 42 F 4.
10: Dorotheos FGrHist 145 F 2 – Die Nachrichten über Erechtheus und Marius finden sich, mit Angabe des Namens der Tochter des Marius, Calpurnia, auch bei Plut. [S. 115] Parall. min. 20 p. 310 D; vgl. J Schlereth, De Plutarchi quae feruntur Parallelis minoribus, Freiburg i. Br. 1931, S. 74 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger