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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Mahnrede an die Heiden (Protrepticus)
2. Kapitel

19.

1.1 Wenn du ferner auch die Orgien der Korybanten2 betrachten willst: diese töteten ihren dritten Bruder, hüllten den Kopf des Toten in Purpur, bekränzten ihn, trugen ihn auf einem ehernen Schild an den Fuß des Olymp und begruben ihn dort.

2. Und darum handelt es sich, um es ein für allemal zu sagen, bei allen Mysterien, um Tod und Begräbnis. Die Priester aber jener Mysterien, die bei denen, die damit zu tun haben, Anaktotelesten3 heißen, fügen zu der grausigen Tat noch sonderbaren Aberglauben, indem sie streng verbieten, Eppich samt der Wurzel auf den Tisch zu legen; sie glauben nämlich, aus dem auf den Boden geströmtenKorybantenblut sei der Eppich entsprossen.

3. Ebenso hüten sich auch die Frauen, die die Thesmophorien4 feiern, die auf die Erde gefallenen Granatapfelkerne zu essen, in der Meinung, die Granatapfelbäume [S. 89] seien aus den Blutstropfen des Dionysos entsprossen.

4.5 Die Korybanten nennen sie aber auch Kabiren6 und nennen daher das Fest die Kabirenweihe. Eben jene beiden Brudermörder brachten nämlich die Kiste, in der das Schamglied des Dionysos aufbewahrt war, nach Tyrrhenien, Kaufleute wahrlich mit einer kostbaren Ware; dort hielten sie sich als Flüchtlinge auf und übergaben den Tyrrhenern die kostbare Frömmigkeitslehre, die Verehrung7 von Schamteilen und einer Kiste. Deshalb ist es vielleicht berechtigt, wenn einige den DionysosAttis nennen wollen, da er der Schamteile beraubt ist.

1: Zu 19, 1 f. vgl. Arnob. Adv. nat. V 19; Firm. Mat. De err. prof. rel. 11.
2: Verehrer der Göttermutter Kybele.
3: Nur hier als Korybantenpriester erwähnt.
4: Ein attisches Demeterfest.
5: Zu 19, 4 vgl. H. Hepding, Attis S. 32. 191.
6: Hauptsitz des Kabirenkultes war Samothrake.
7: Es ist αἰδοῖα καὶ κίστην θοῃσκεύειν zu lesen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger