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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Mahnrede an die Heiden (Protrepticus)
2. Kapitel

36.

1. Im Anschluß an das bisher Gesagte wollen wir jetzt vorführen, wie eure verliebten und den Leidenschaften ergebenen Götter auch in jeder Weise menschlichen Leiden unterworfen waren; „denn sie hatten sogar eine sterbliche Haut.“1 Das bezeugt ganz ausdrücklich Homeros, wenn er Aphrodite wegen einer Verwundung hell und laut aufschreien läßt2 und erzählt, daß selbst der so kriegerische Ares von Diomedes an der Seite verwundet worden sei.3

2. Polemon aber erzählt, daß auch Athene von Ornytos verwundet worden sei;4 ja sogar Aidoneus wurde, wie Homeros sagt, von Herakles mit einem Pfeile getroffen;5 das gleiche erzählt Panyassis von Helios. Ferner berichtet eben dieser Panyassis, daß auch Hera, die Göttin der Ehe, von dem gleichen [S. 107] Herakles „im sandigen Pylos“ verwundet wurde.6 Andererseits sagt Sosibios, daß auch Herakles von den Hippokoontiden an der Hand verletzt worden sei.7

3. Wenn es aber Wunden gab, so gab's auch Blut; denn das Götterblut [ἰχώρ], von dem die Dichter sprechen,8 ist sogar ekelerregender als Menschenblut; denn unter ἰχώρ versteht man in Eiter übergegangenes Blut. Daher muß man ihnen auch Pflege und Nahrung, deren sie bedürfen, verschaffen.

4. Darum ist die Rede von Speisetafeln, Trinkgelagen, Gelächter und Geschlechtsverkehr, während sie doch keinen Liebesgenuß bei Menschen suchten, noch Kinder erzeugten, noch schliefen, wenn sie unsterblich und bedürfnislos und nie alternd wären.

5. Zeus selbst nahm bei den Aithiopen teil an einer menschlichen Mahlzeit,9 als Gast des Arkaders Lykaon aber an einer unmenschlichen und ruchlosen: wider seinen Willen füllte er sich an mit Menschenfleisch; denn der Gott wußte nicht, daß sein Gastgeber, der Arkader Lykaon, seinen eigenen Sohn [er hieß Nyktimos] geschlachtet hatte und Zeus zum Essen vorsetzte.10

1: Hom. Il. 21, 568.
2: Vgl. Hom. Il. 5, 343.
3: Vgl. Hom. Il. 5, 855 f.
4: Polemon Fr. 24 FHG III p. 122.
5: Vgl. Hom. Il. 5, 395 ff.
6: Panyassis, Herakleia Fr. 6. 20 Kinkel.
7: Sosibios Fr. 15 FHG II p. 628.
8: Vgl. Hom. Il. 5, 340.
9: Vgl. Hom. Il. 1, 423 f.
10: Vgl. Arnob. Adv. nat. IV 24.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger