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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Mahnrede an die Heiden (Protrepticus)
2. Kapitel

33.

1.1 Da muß ich mich über deine Verse, Homeros,2 wundern:
„Sprach's, und es winkt' alsbald mit den dunklen Brauen Kronion,
Und des Gebieters Gelock, das ambrosische, wallt' ihm hernieder
Von dem unsterblichen Haupt, und erschüttert' den großen Olympos.“

2. Du stellst den Zeus ehrwürdig dar, Homeros, und schreibst ihm ein Winken zu, das Verehrung verdient. Aber wenn du, Mensch, ihm nur den Frauengürtel3 zeigst, dann wird auch Zeus zu schanden und sein Haar entehrt.

3.4 Wie weit ging jener Zeus im zügellosen Genuß, er, der mit Alkmene so viele Nächte in Lust verschwelgte! Denn nicht einmal neun Nächte5 waren dem Unersättlichen zu lang [vielmehr das ganze Leben war zu kurz für seine Zügellosigkeit], um uns den übelabwendenden Gott6 zu erzeugen.

4. Des Zeus Sohn ist Herakles, des Zeus echter Sohn, der, entsprossen aus der „langen Nacht“,7 lange Zeit nötig hatte, um die zwölf Arbeiten zu bewältigen, aber die fünfzig Töchter des Thestios in [S. 103] einer einzigen Nacht entehrte;8 Ehebrecher zugleich und Bräutigam so vieler Mädchen. Nicht mit Unrecht nennen ihn also die Dichter „schrecklich und frevelmütig“,9 Es wäre aber zu langwierig, alle seine Ehebrüche und Knabenschändungen aufzuzählen.

5. Denn nicht einmal Knaben verschonten euere Götter, sondern der eine10 hatte den Hylas, der andere11 den Hyakinthos oder den Pelops12 oder den Chrysippos13 oder den Ganymedes14 zu Geliebten.

6. Diese Götter sollen eure Weiber anbeten, so sollen sie sich ihre eignen Männer wünschen, so züchtig, damit sie den Göttern gleich seien, indem sie dasselbe wie sie erstreben! Sie zu verehren, sollen eure Söhne sich gewöhnen, damit sie auch als Männer sich die Götter zum leuchtenden Vorbild der Unzucht nehmen.

7. Aber vielleicht sind es nur die männlichen Götter, die so auf Liebesgenuß aus sind;
„Aber die Göttinnen blieben vor Scham eine jede zu Hause“,15
wie Homeros sagt, da sie sich als Göttinnen16 wegen ihres keuschen Sinnes scheuten, die Aphrodite im Ehebruch zu sehen.

8. Sie sind aber in ihren Ausschweifungen noch leidenschaftlicher, in die Fesseln des Ehebruchs geschlagen, Eos mit Tithonos, Selene mit Endymion, Nereis mit Aiakos und mit Peleus Thetis, mit Iason Demeter und mit Adonis Pherephatta.

9. Und Aphrodite ging, nachdem sie mit Ares an den Pranger gestellt war, zu Kinyras17 über und heiratete den Anchises und lauerte dem Phaethon auf und verliebte sich in Adonis; dann war sie auf die ochsenäugige Hera eifersüchtig, und wegen des Apfels entkleideten sich die [S. 104] Göttinnen und stellten sich nackt dem Hirten Paris vor, damit er entscheide, welche ihm schön erscheine.

1: Zu 33, 1 vgl. Arnob. Adv. nat. IV 21.
2: Hom. Il. 1, 528—530.
3: Vgl. Hom. Il. 14, 214.
4: Zu 33, 3—9 vgl. Arnob. Adv. nat. IV 26 f.; Firm. Mat. De err. prof. rel. 12.
5: Vgl. A. Winter, Alkmene und Amphitryon, Gymn.-Progr. Breslau, 1876, S. 36; nach Hesiod Theog. 56 erzeugte Zeus in neun Nächten mit Mnemosyne die neun Musen.
6: Herakles.
7: Vgl. den Lustspieldichter Platon, CAF I p. 624.
8: Vgl. Paus. IX 27, 6; Athen. XIII p. 556 F.
9: Hom. Il. 5, 403.
10: Herakles.
11: Apollon.
12: Liebling des Poseidon; vgl. Pind. Ol. 1, 25.
13: Chrysippos, Sohn des Pelops, wurde von Zeus [nach anderer Sage von Laios] geraubt.
14: Von Zeus geraubt.
15: Hom. Od. 8, 324.
16: αἱ θεαὶ ist nicht zu tilgen.
17: Vgl. oben 13, 4; 14, 2; Némethy, Euhemeri rell. p. 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger