Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Mahnrede an die Heiden (Protrepticus)
2. Kapitel

27.

1. Das sind die schlüpfrigen und gefährlichen Abwege von der Wahrheit, die den Menschen vom Himmel herabführen und in den Abgrund stürzen lassen. Ich will euch aber ganz genau zeigen, wie die Götter selbst sind und ob sie überhaupt Götter sind, damit ihr endlich [S. 96] einmal euren Irrweg aufgebt und wieder zum Himmel zurück euren Lauf nehmt.

2. „Denn auch wir waren einmal Kinder des Zorns wie die übrigen; aber Gott, der da reich ist an Barmherzigkeit, hat uns wegen der großen Liebe, mit der er uns liebte, als wir durch unsere Sünden schon tot waren, wieder lebendig gemacht mit Christus.“1 Denn „lebendig ist der Logos“,2 und wer mit Christus begraben ist, wird mit Gott erhöht.3 Die noch Ungläubigen aber werden „Kinder des Zorns“4 genannt, aufgezogen für den Zorn. Wir aber sind nicht mehr Geschöpfe des Zornes, nachdem wir uns vom Irrtum losgerissen haben und der Wahrheit zueilen.

3. So sind wir, die wir einst Söhne der Ungerechtigkeit waren, durch die Güte des Logos jetzt Gotteskinder geworden; gegen euch aber wendet sich euer eigener Dichter, Empedokles von Akragas:
„Wahrlich, solange ihr selbst in schlimmer Bosheit verstrickt seid,
Werdet ihr niemals die Seele befreien von schmerzendem Wehe.“5

4. Das meiste, was von euren Göttern erzählt wird, ist leere Sage und Erfindung; das aber, wovon man annimmt, es sei wirklich geschehen, das sind Berichte über schändliche und sittenlos lebende Menschen.
„Stolz ist und Wahn euer Weg; und die Straße, die rechte, gerade,
Habt ihr verlassen und geht jetzt fort über Dornen und Klippen.
Menschen, was gehet ihr irre? Ihr Törichten, macht doch ein Ende!
Lasset doch ab von dem Dunkel der Nacht und greift nach dem Lichte.“6

[S. 97] 5. So rät uns die Prophetin und Dichterin, die Sibylle; so rät uns aber auch die Wahrheit, indem sie dem Götterhaufen diese furcht- und schreckenerregenden Masken abreißt und durch den Nachweis der Gleichnamigkeit die Vorstellungen von ihnen als falsch erweist.

1: Eph. 2, 3—5.
2: Vgl. Hebr. 4, 12.
3: Vgl. Röm. 6, 4; Kol. 2, 12.
4: Eph. 2, 3.
5: Empedokles Fr. 145 Diels.
6: Orac. Sibyll. Fr. 1, 23—25. 27.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. 1. Kapitel
. 2. Kapitel
. . Mehr
. . 19.
. . 20.
. . 21.
. . 22.
. . 23.
. . 24.
. . 25.
. . 26.
. . 27.
. . 28.
. . 29.
. . 30.
. . 31.
. . 32.
. . 33.
. . 34.
. . 35.
. . Mehr
. 3. Kapitel
. 4. Kapitel
. 5. Kapitel
. 6. Kapitel
. 7. Kapitel
. 8. Kapitel
. 9. Kapitel
. 10. Kapitel
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger