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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Mahnrede an die Heiden (Protrepticus)
1. Kapitel

9.

1. Ist es da nicht unbegreiflich, Geliebte, daß Gott uns immer zur Tugend antreibt, wir aber uns seiner Wohltat entziehen und unser Heil von uns weisen? Oder lädt denn nicht auch Johannes zum Heile ein und wird er nicht ganz und gar eine Stimme der Mahnung? Laßt uns ihn fragen: „Was für ein Mensch bist du und woher?“1 „Elias“ wird er nicht sagen, und Christus zu sein in Abrede stellen; aber „eine in der Wüste rufende Stimme" wird er sich nennen. Wer ist also Johannes? Um es kurz zu fassen, wollen wir sagen: „Die mahnende Stimme des Logos, die in der Wüste ruft.“2 Was rufst du, Stimme? „Sag es auch uns!“3 „Macht gerade die Wege des Herrn!“4

2. Ein Vorläufer ist Johannes und seine Stimme eine Vorläuferin des Logos,5 eine einladende Stimme, vorbereitend zum Heil, eine Stimme, aufmunternd zum Erbe des Himmels, durch die die Unfruchtbare und Verlassene nicht mehr kinderlos ist.6 Diese [S. 81] Fruchtbarkeit verkündete mir des Engels Stimme; auch sie war eine Vorläuferin des Herrn, da sie einem unfruchtbaren Weibe frohe Botschaft brachte,7 wie Johannes der unfruchtbaren Wüste.

3. Wegen dieser Stimme des Logos wird also die Unfruchtbare zur glücklichen Mutter und trägt die Wüste Früchte. Die beiden dem Herrn vorhergehenden Stimmen, die des Engels und die des Johannes, scheinen mir auf das für uns im voraus bereitgestellte Heil hinzuweisen, so daß wir nach Erscheinung dieses Logos die Frucht des Kindersegens ernten, ewiges Leben.

4. Denn indem die Schrift beide Stimmen in eins zusammenfaßt, macht sie das Ganze deutlich: „Es höre die, welche nicht gebiert; es erhebe die Stimme die, welche keine Wehen hat; denn die Kinder der Verlassenen sind zahlreicher als jener, die den Mann hat.“8 Uns brachte der Engel die frohe Botschaft, uns mahnte Johannes, den Bebauer des Landes zu erkennen, den Mann zu suchen.

5. Denn ein und derselbe ist es, der Mann der Unfruchtbaren, der Bebauer der Wüste, der mit der göttlichen Kraft sowohl die Unfruchtbare als die Wüste erfüllte. Denn da die Kinder der Edelgeborenen zahlreich sind, aber das einst kinderreiche hebräische Weib wegen seines Unglaubens kinderlos war, so erhält die Unfruchtbare den Mann und die Wüste den Bebauer; so werden beide Mütter durch den Logos, die eine von Früchten, die andere von Gläubigen. Den Ungläubigen aber verbleibt auch jetzt noch Unfruchtbarkeit und Wüste.

1: Vgl. z. B. Hom. Od. 19, 105.
2: Vgl. Joh. 1, 20—23.
3: Hom. Od. 1, 10.
4: Vgl. Is. 40, 3 [Matth. 3, 3; Mark. 1, 3; Luk. 3, 4; Joh. 1, 23].
5: Vgl. Origenes, Johanneskommentar II 194 S. 89, 33 Preuschen.
6: Vgl. Is. 54, 1; Gal. 4, 27.
7: Vgl. Luk. 1, 13.
8: Is. 54, 1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger