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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Mahnrede an die Heiden (Protrepticus)
1. Kapitel

8.

1. Laßt uns also, gehorsam der Mahnung des Apostels, „fliehen vor dem Herrscher des Reiches der Luft, des Geistes, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirksam ist;“1 und laßt uns eilen zu unserem Heiland, dem Herrn, der jetzt und immer uns zum Heile mahnte, durch Wunder und Zeichen in Ägypten, in der Wüste durch den Dornbusch und die dank seiner Güte den Hebräern wie eine Dienerin folgende Wolke!2

2. Durch die Furcht, die hiervon ausging, mahnte er die Hartherzigen; weiterhin aber lenkt er durch den mit aller Weisheit gezierten Moses und den Freund der Wahrheit Jesaias und die ganze Schar der Propheten in einer mehr an den Verstand sich wendenden Weise die, die Ohren zum Hören haben, hin zum Logos; und manchmal schilt er, manchmal droht er auch; über einzelne Menschen weint er auch; andere wieder läßt er ein Lied hören, wie ein guter Arzt, der bei kranken Körpern bald ein Pflaster auflegt, bald etwas einreiben, bald eine Übergießung machen läßt, manchmal aber auch das Messer oder das Feuer oder die Säge verwendet, wenn es nur mit dem Verlust eines Teiles oder Gliedes möglich ist, den Menschen zu heilen.

3. Ja vielerlei Stimmen und mancherlei Weisen verwendet der Heiland zum Heil der Menschen; drohend warnt er, scheltend bringt er zur Umkehr; weinend zeigt er sein Mitleid, mit Gesang tröstet er, durch den Dornbusch redet er [denn jene Leute brauchten Zeichen und Wunder];3 und durch das Feuer schreckt er die Menschen, indem er aus der Wolkensäule die Flamme hervorbrechen läßt, ein Zeichen zugleich der Gnade und des Schreckens: wenn du gehorchst, das Licht, wenn du nicht gehorchst, das Feuer. Da aber das Fleisch mehr wert ist als Säule und [S. 80] Dornbusch, reden nach jenen die Propheten; der Herr selbst spricht in Jesaias, er selbst in Elias, er selbst durch den Mund der Propheten.

4. Wenn du aber den Propheten nicht glaubst und sie ebenso wie die Feuersäule für eine Sage hältst, so wird der Herr selbst zu dir sprechen, er, „der, obwohl er in göttlicher Gestalt war, es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst entäußerte“,4 der barmherzige Gott, voll Verlangen, den Menschen zu retten. Und jetzt redet der Logos selbst zu dir in eigener Person und beschämt deinen Unglauben, ja fürwahr, sage ich, der göttliche Logos, der Mensch wurde, damit du in der Tat auch durch einen Menschen erfahrest, wie denn ein Mensch Gott werden kann.

1: Eph. 2, 2.
2: Vgl. Exod. 7, 3; 3, 2; 13, 21; Apg. 7, 36.
3: Vgl. Joh. 4, 48.
4: Phil. 2, 6 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger