Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Mahnrede an die Heiden (Protrepticus)
1. Kapitel

7.

1. Diesem Logos also, dem Christus, verdanken wir sowohl das Sein von alters her [denn er war in Gott] als auch das Wohlsein;1 aber erst jetzt erschien den Menschen eben dieser Logos, der allein beides ist, Gott und Mensch, er, dem wir alles Gute zu verdanken haben. Er lehrt uns, gut zu leben, und geleitet uns zum ewigen Leben.

2. Denn nach den Worten jenes gotterleuchteten Apostels des Herrn „erschien die rettende Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns, daß wir die [S. 78] Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnen und züchtig, gerecht und fromm in der Jetztzeit leben und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus“.2

3. Dies ist das neue Lied, die jetzt bei uns aufleuchtende Erscheinung des Logos, der im Anfang und noch zuvor war. Es erschien aber erst jüngst er, der zuvor war, als Heiland; es erschien der, der im Seienden war [denn „das Wort war bei Gott“],3 als Lehrer; es erschien der, durch den alles geschaffen ist, als Logos; und nachdem er als Schöpfer im Anfang zugleich mit der Erschaffung das Leben geschenkt hatte, lehrte er, nachdem er als Lehrer erschienen war, das gut Leben, damit er uns später das ewige Leben gewähre.

4. Er hatte aber nicht erst jetzt wegen unseres Irrwegs Mitleid mit uns, sondern gleich von Anfang an; jetzt aber hat er uns, die wir bereits in Gefahr waren, verloren zu gehen, durch seine Erscheinung gerettet. Denn die boshafte Schlange knechtet und quält durch ihre Zauberei die Menschen noch jetzt, indem sie an ihnen, wie mir scheint, die gleiche Todesstrafe vollzieht wie jene Barbaren, die ihre Kriegsgefangenen an Leichen fesseln sollen, bis sie mit diesen zusammen verwesen.4

5. Denn dieser boshafte Tyrann, die Schlange, hat alle, die er von Geburt an sich zu eigen machen konnte, durch die unselige Fessel des Aberglaubens an Stein und Holz und Bildsäulen und Götzenbilder aus solchen Stoffen gebunden und hat so, wie es im Sprichwort heißt,5 die Lebenden mit den Toten in ein Grab geworfen, damit sie mit ihnen zusammen verwesen.

6. Deswegen, wie einer der Betrüger ist, der im Anfang die Eva,6 jetzt aber auch die übrigen Menschen in den Tod führt, so ist auch ein und derselbe unser Helfer und [S. 79] Retter, der Herr, der von Anfang an sich durch die Propheten kundgab, jetzt aber auch selbst erschienen ist und zum Heile einlädt.

1: Vgl. den Gegensatz von ζῆν und εὖ ζῆν bei Aristot. Polit.1, 2 p. 1252 b, 29; ζῆν, εὖ ζῆν, ἀεὶ ζῆν [vgl. unten 7, 3] auch bei Severian von Gabala, De mundi cr. V 7 [Migne S. gr. 56, 480].
2: Tit. 2, 11—13.
3: Joh. 1, 1.
4: Vgl. Aristoteles Fr. 60 Rose 3.
5: Vgl. δεσμοὶ Τυρρηνοί bei Apostolios V 97; Arsenios XVIII 47; Prov. App. I 96; Vergil, Aen. 8, 485 ff.
6: Vgl. Gen. 3, 1 ff.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. 1. Kapitel
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. 2. Kapitel
. 3. Kapitel
. 4. Kapitel
. 5. Kapitel
. 6. Kapitel
. 7. Kapitel
. 8. Kapitel
. 9. Kapitel
. 10. Kapitel

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger