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Athanasius (295-373) - Gegen die Heiden (Contra Gentes)

7.

Übrigens kann man ihnen auch noch folgendes vorhalten: Wenn das Sinnenfällige ein Werk des Bösen ist, wo ist dann das Werk des Guten? Denn in die Erscheinung tritt einzig und allein nur die Schöpfung des Baumeisters. Wo ist dann noch ein Wahrzeichen für die Existenz des Guten, wenn keine Werke von ihm da sind, aus denen man ihn erkennen könnte? Aus den Werken erkennt man doch den Meister. Doch wie könnte es überhaupt auch zwei einander entgegengesetzte Existenzen geben, bzw. worin liegt das sie scheidende Moment, so daß sie gesondert voneinander existieren können? Gleichzeitig können sie ja nicht existieren, weil sie sich gegenseitig aufheben. Auch kann keine in der anderen sein wegen der Unvereinbarkeit und Ungleichheit ihrer Natur. So wird das trennende Moment von einem Dritten herkommen, und das wäre auch Gott. Doch welche Natur wird dies Dritte haben, die des Guten oder die des Bösen? Das wird dunkel bleiben. Unmöglich kann es die Natur beider haben. Da so nun diese ihre Anschauung sich als töricht herausstellt, so muß die Wahrheit, wie sie in der kirchlichen Lehre liegt, Licht bringen. Danach kommt das Böse nicht von Gott, noch ist es in Gott, noch ist es von Anfang dagewesen, noch ist es irgendeine Substanz, vielmehr begannen die [S. 540] Menschen in Ermangelung der Vorstellung vom Guten sich auszudenken und einzubilden, was nicht ist und ihnen beliebt. Denn wie einer, der bei Sonnenschein und bei Beleuchtung der ganzen Erde durch das Sonnenlicht die Augen schlösse und sich eine Finsternis vorstellte, obschon eine solche nicht bestünde, und dann gleichsam im Dunkel irrend herumginge, oft hinfiele und in Abgründe stürzte, im Wahne, es wäre nicht Licht, sondern Finsternis — er meint ja zu sehen und sieht doch absolut nicht —, so hat auch die menschliche Seele ihr Auge geschlossen, mit dem es Gott schauen kann, und sich das Böse vorgestellt, in dem sie sich herumtreibt, und weiß nicht, daß sie nur etwas zu tun wähnt, (in Wahrheit) aber nichts leistet; denn sie bildet sich das Nichtseiende ein. Sie blieb auch nicht so, wie sie gewesen ist, sondern zeigt sich jetzt in der Befleckung, die sie selbst verschuldet hat. Denn sie ist erschaffen worden, um Gott zu schauen und von ihm erleuchtet zu werden. Doch sie hat nicht Gott, sondern das Vergängliche und die Finsternis gesucht, wie irgendwo auch der Geist Gottes urkundlich sagt: "Gott hat den Menschen recht erschaffen; sie aber strebten nach einer Allerweltweisheit"1. Das war also der Ursprung und die Entwicklungsgeschichte des Bösen bei den Menschen. Wie sie dann auch in den wahnwitzigen Götzendienst herabgesunken sind, davon muß nunmehr die Rede sein, damit du erkennest, daß die Erfindung der Götzen durchaus nicht vom Guten, sondern vom Bösen ausgegangen ist. Was aber im Prinzip schlecht ist, kann wohl nie irgendwie für gut befunden werden, da es absolut schlecht ist.

1: Ekkle. 7, 30.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger