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Athanasius (295-373) - Gegen die Heiden (Contra Gentes)

47.

Wo nun, ja wo gäbe es doch jemand, der die Größe des Vaters1 ausrechnen möchte, um auch die Kräfte dieses Logos aufzufinden? Wie er nämlich Logos und Weisheit des Vaters ist, so läßt er sich auch zu den Geschöpfen herab und wird zum Zweck einer Erkenntnis und Erfassung des Vaters die Heiligkeit selbst und das Leben selbst, Türe, Hirt, König, Licht und Vorsehung für alle Dinge. Da nun der Vater aus sich einen so guten und schöpferischen Sohn hat, so verbarg er ihn den Geschöpfen nicht, sondern er offenbart ihn gar täglich allen in dem Entstehen und Leben, das die Dinge ihm danken. In ihm und durch ihn gibt er sich auch selbst zu erkennen laut dem Worte des Heilandes: "Ich bin im Vater, und der Vater ist in mir"2, wonach also notwendig der Logos im Erzeuger und der Erzeugte mit dem Vater ewig lebt. Wenngleich aber dem so ist, und außer ihm nichts existiert, vielmehr Himmel und Erde und alles, was darin ist, von ihm abhängt, so haben doch törichte Menschen die Erkenntnis und Verehrung desselben von sich gewiesen, das Nichtseiende über das Wirkliche gestellt und anstatt des wahrhaft seienden Gottes das Nichtseiende vergöttert und in ihrem törichten und gottlosen Beginnen die Schöpfung statt des Schöpfers angebetet3. Es ist dies gerade so, wie wenn einer die Werke mehr bewunderte als den Künstler und vor den Gebäuden in der Stadt betroffen dastünde, aber [S. 601] deren Baumeister keines Blickes würdigte, oder wie wenn einer das Musikinstrument lobte, aber von dem nichts wissen wollte, der es fertigte und stimmte. Wie töricht und verblendet sind doch diese Leute! Wie wüßten sie denn sonst etwas von einem Gebäude oder Schiff oder einer Leier, wenn nicht der Schiffsbauer das Schiff gebaut, der Baumeister das Haus erstellt und der Musiker das Instrument gefertigt hätte? So gewiß ein solcher Logiker verrückt ist und seine Torheit über alle Grenzen geht, ebenso kommen auch die mir geistig krank vor, die Gott nicht erkennen und seinen Logos nicht verehren, den Heiland aller, unseren Herrn Jesum Christum, durch den der Vater alles anordnet, erhält und für alles sorgt. Wenn auch du ihm Glauben und Ehrfurcht zollst, dann freue dich, Freund Christi, und sei guter Hoffnung, daß die Frucht deines Glaubens an ihn und deiner Frömmigkeit die Unsterblichkeit und das Himmelreich ist, wenn nur die Seele eine Lebensordnung nach seinen Geboten einhält. Denn wie denen, die ein Leben nach seinem Willen führen, das ewige Leben als Siegeslohn winkt, so droht denen, die den entgegengesetzten und der Tugend abgekehrten Weg gehen, große Schande und ein unerbittliches Unheil am Tage des Gerichtes, weil sie den Weg der Wahrheit gekannt und doch wider ihr besseres Wissen gehandelt haben.

1: Wörtlich nur: den Vater.
2: Joh. 14, 10.
3: Vgl. Röm. 1, 25.

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger