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Athanasius (295-373) - Gegen die Heiden (Contra Gentes)

45.

Wie man durch den Aufblick zum Himmel und durch den Anblick seiner Pracht und des Sternenlichtes auf den Logos kommen kann, der das alles so wohl ordnet, so muß man, wenn man einmal einen Logos Gottes erkennt, auch dessen Vater erkennen, von dem er ausgeht und deshalb mit Recht Herold und Bote seines Vaters heißt. Um das einzusehen, könnte man von unseren Verhältnissen ausgehen. Wenn wir uns nämlich sagen, daß für das Wort, das vom Menschen ausgeht, der Geist die Quelle ist, und sehen und denken wir anderseits im Wort, um darauf den Nachdruck zu legen, das Gepräge des Geistes, so gewinnen wir noch weit mehr, wenn wir in einem höheren Geistesflug und in unvergleichlicher Erhabenheit die Kraft des Logos schauen, auch eine Vorstellung von seinem gütigen Vater. So sagt der Heiland selbst: "Wer mich sieht, sieht auch den Vater"1. Noch deutlicher und eingehender verkündet dies auch die inspirierte Schrift, auf die ja auch wir uns stützen, wenn wir dir das schreiben, und worauf du den Glauben an unsere Worte wirst bauen können. Denn eine Rede, die von höheren bestätigt wird, hat eine unwiderlegliche Beweiskraft. So warnte schon vor Zeiten der göttliche Logos das jüdische Volk vor der Einführung der Götzen mit den Worten: "Du sollst dir kein Götzenbild machen noch sonst ein Abbild von all dem, was oben am Himmel und unten auf der Erde ist"2. [S. 597] Den Grund für deren Verwerfung gibt er anderswo an mit den Worten: "Die Götzen der Heiden sind Silber und Gold, Werke von Menschenhänden. Sie haben einen Mund und reden nicht, haben Augen und sehen nicht, Ohren und hören nicht, eine Nase und riechen nicht, haben Hände und tasten nicht, Füße haben sie und gehen nicht"3. Auch hat er es nicht vergessen, bezüglich der Kreatur eine Lehre zu erteilen, sondern weil er ihre reizende Schönheit gar wohl auch kennt, warnt er die Menschen, daß sie nicht mit trunkenem Blick für ihre Geilheit die geschaffenen Dinge als Götter verehrten statt als Gottes Werke und sagt: "Und wenn du dein Auge erhebst und aufblickst zu Sonne und Mond und zu der ganzen Pracht, so laß dich nicht irreführen und bete sie nicht an, was der Herr, dein Gott, allen Völkern zugeteilt hat, die unter dem Himmel sind"4. Er teilte ihnen aber diese Dinge nicht zu als Götter, sondern damit die Heiden aus ihrer Wirksamkeit, wie gesagt, Gott, den Schöpfer des Weltalls, erkannten. Das alte Judenvolk hatte ja eine eingehendere Belehrung, insofern sie nicht bloß aus den Werken der Schöpfung, sondern auch aus den göttlichen Schriften ihre Gotteserkenntnis schöpften. Und um überhaupt die Menschen vom Irrtum und dem unvernünftigen Wahne der Abgötterei abzuhalten, mahnt er: "Du wirst keine fremden Götter neben mir haben"5. Nicht als ob es andere Götter gäbe, wehrt er ihnen, solche zu haben, sondern damit niemand vom wahren Gott sich abwende und dazu komme, sich das Nichtseiende zum Gott zu erheben, wie dergleichen sind die sogenannten Götter der Dichter und Schriftsteller, die, wie bewiesen, nicht existieren. Ja, schon der Wortlaut beweist, daß sie keine Götter sind, insofern es heißt: "Du wirst keine fremden Götter haben", was sich ja auf die Zukunft bezieht. Was aber in der Zukunft eintritt, besteht nicht in dem Augenblick, da von ihm die Rede ist.

1: Joh. 14, 9.
2: Exod. 20, 4.
3: Ps. 113, 4-7.
4: Deut. 4, 19.
5: Exod. 20, 3.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger