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Athanasius (295-373) - Gegen die Heiden (Contra Gentes)

42.

Eben der allmächtige und ganz vollkommene heilige Logos des Vaters läßt sich auf alles nieder und entfaltet überall seine Kräfte, erleuchtet alles Sichtbare und Unsichtbare, bringt alles mit sich in Verbindung und schließt es zusammen, läßt nichts abseits seines Machtbereiches liegen, sondern er gibt allem und durch alles dem einzelnen für sich wie dem großen Ganzen Leben und Fortbestand. Auch vermengt er die Urstoffe jeder sinnlichen Substanz, wie Wärme und Kälte, Feuchtigkeit und Trockenheit zu einem Ganzen und sorgt dafür, daß sie sich nicht entzweien, sondern eine volle Harmonie darstellen. Dank dem Logos und seiner Macht liegt nicht das Feuer im Kampfe mit der Kälte, noch das nasse Element im Kampfe mit dem trockenen, sondern gleichsam befreundet und verschwistert finden sich die sonst entgegengesetzten Elemente zusammen, erzeugen die sichtbare Natur und werden so für die Körper Ursache ihrer Existenz. Folgsam diesem Gott-Logos treten die einen Dinge auf Erden ins Dasein, die anderen bilden sich am Himmel. Seinetwegen haben alle [S. 593] Meere und der große Ozean in festen Grenzen ihre Bewegung, und alles Land sproßt üppig allerlei und verschiedenartiges Gewächs, wie bereits gesagt worden. Und um mich nicht mit Detailangaben bei so bekannten Dingen aufzuhalten: es gibt ja nichts in allem Sein und Werden, was nicht in ihm und durch ihn geworden wäre und bestände, wie auch der Theologe sagt: "Im Anfang war der Logos, und der Logos war bei Gott, und Gott war der Logos. Alles ist durch ihn geworden, und ohne ihn ist nichts geworden"1. Wie ein Musiker, der seine Leier stimmt und die tiefen Töne mit den hohen und die mittleren mit den anderen virtuos verbindet und dadurch eine Melodie zum Vortrag bringt, so weiß auch die Weisheit Gottes, die das Weltall wie eine Leier hält und die Dinge in der Luft mit denen auf der Erde und die im Himmel mit denen in der Luft verbindet, das Ganze zu den Teilen fügt und sie nach seinem Wink und Willen lenkt, eine Welt und Weltordnung in harmonischer Schönheit zu schaffen, wobei sie aber selbst unbeweglich beim Vater verbleibt, allem aber nach eigener Anordnung Bewegung gibt, wie es jeweils ihrem Vater gefällt. Denn das Wunderbare an seiner2 Gottheit ist das, daß er mit einem und demselben Wink alles zu gleicher Zeit und nicht in Intervallen, sondern in einem Akte alles, das Gerade und das Runde, das Obere, Mittlere und Untere, das Flüssige, Kalte und Warme, das Sichtbare und Unsichtbare lenkt und anordnet — entsprechend der Natur eines jeden. Denn gleichzeitig bewegt sich auf seinen nämlichen Wink hin das Gerade wie Gerades, das Runde im Kreise und das Mittlere dementsprechend; das Warme wird warm, das Trockene trocken gehalten. Alle Dinge erhalten von ihm gemäß ihrer Natur Leben und Bestand: ja eine ganz wunderbare und wahrhaft göttliche Harmonie bringt er zuwege.

1: Joh. 1, 1-3.
2: Des Logos.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger