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Athanasius (295-373) - Gegen die Heiden (Contra Gentes)

41.

Als Logos ist er aber, wie gesagt, nicht dem menschlichen Worte gleich aus Silben zusammengesetzt, sondern das unveränderte Bild seines Vaters. Der Menschen Wort ist ja freilich zusammengesetzt und auflösbar, da sie selbst aus Teilen bestehen und aus dem Nichtseienden entstanden sind. Gott aber ist ein seiender und nicht zusammengesetzt. Daher ist auch sein Logos ein seiender und nicht zusammengesetzt; vielmehr ist er ein einziger und eingeborener Gott, der aus dem Vater wie aus einer guten Quelle gut hervorgeht, alles anordnet und zusammenhält. Der Grund aber, weshalb der Logos, der Logos Gottes, sich zu den Dingen herabgelassen hat, ist wahrhaft wunderbar und läßt erkennen, daß die Dinge nicht anders als so werden durften, wie sie wirklich sind. Denn weil aus dem Nichts hervorgegangen, ist die Natur der geschaffenen Welt, für sich betrachtet, hinfällig, ohnmächtig und sterblich; der Gott des Weltalls aber ist gut von Natur und erhaben schön. Deshalb ist er auch menschenfreundlich. Dem Guten liegt ja doch aller Neid fern. Daher beneidet er auch niemand um sein Dasein, sondern will es für alle, um auch seine Menschenliebe bezeugen zu können1. Nun sah er, daß die ganze geschaffene Natur nach ihrer (eigenen) Anlage hinfällig und auflösbar wäre. Um dies zu verhüten und einer Wiederauflösung der Welt in das Nichts vorzubeugen, hat er, der ja eben deshalb die Welt durch seinen eigenen und ewigen Logos geschaffen [S. 592] und der Kreatur das Dasein gegeben hatte, sie nicht dem Drängen und Stürmen ihrer eigenen Natur überantwortet, damit sie nicht riskieren muß, ins Nichts zurückzusinken2. Nein, in seiner Güte lenkt und erhält er durch seinen Logos und Gott die ganze Schöpfung, damit sie im Lichte der Führung, Vorsehung und ordnenden Weisheit des Logos unerschütterlich bestehen könnte — in Gemeinschaft mit dem wahrhaftigen Logos des Vaters und dank seines Beistands zu ihrem (dauernden) Sein. So sollte ihr fernbleiben, was ihr sonst widerfahren wäre, ich meine das Nichtsein, wenn nicht der Logos sie erhielt, "der da ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung; denn durch ihn und in ihm besteht alles, das Sichtbare und Unsichtbare, und er ist das Haupt der Kirche"3, wie die Diener der Wahrheit in den heiligen Schriften lehren.

1: Ganz ähnlichen Gedanken begegnet man bei Plato in seinem Timäus und Phädrus (Überweg, Grundriß der Geschichte der Philosophie I 10. Aufl. S. 172).
2: Die gleichen Gedanken kehren mit noch stärkerem Anklang an Plato wieder in de incarnatione c. 43.
3: Kol. 1, 15-18.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger