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Athanasius (295-373) - Gegen die Heiden (Contra Gentes)

23.

Doch nicht bloß hieraus kann man ihre Gottlosigkeit erkennen, sondern auch daraus, daß ihre Auffassung von ihren Götzen selbst widersprechend lautet. Sind diese nämlich wirkliche Götter, wie sie behaupten und philosophieren, an welche von ihnen soll man sich anschließen, und welche aus ihnen soll man für mächtiger halten, um entweder mit Vertrauen den wahren Gott anzubeten oder, wie sie sagen, um an ihnen das Göttliche unfehlbar zu erkennen? Denn es sind nicht die gleichen, die man allerwärts Götter heißt, sondern so viele Völker es gibt, fast eben so viele Götter werden auch erdichtet. Ja, manchmal sind auch ein und dasselbe Land und eine und dieselbe Stadt nicht eins miteinander in der abergläubischen Verehrung der Götter. So kennen die Phönizier die Götter nicht, die bei den Ägyptern verehrt werden, und die Ägypter beten nicht die gleichen Götzen an wie die Phönizier. Die Skythen wollen nichts wissen von den Göttern der Perser, noch die Perser von den Göttern der Syrer. Auch verwerfen die Pelasger die thrakischen Götter, und die Thrakier [S. 565] kennen die thebaischen nicht. Uneins im Götzendienst sind die Inder und Araber, die Araber und Äthiopier, und auch die Äthiopier unter sich selbst. Ebensowenig verehren die Syrer die Götzen der Cilizier; der Volksstamm der Kappadozier nennt wieder andere Gottheiten als diese; die Bitynier ersannen sich wieder andere und wieder andere die Armenier. Doch wozu der langen Aufzählung? Festlandsbewohner beten andere Götter an als die Inselbewohner, und die Inselbewohner verehren andere als die Bewohner des Festlandes. Ja, überhaupt jede Stadt und jedes Dorf gibt den eigenen Göttern den Vorzug, da es die der Nachbarn nicht kennt, und halten nur diese für Götter. Von den Mißgeburten der Ägypter braucht man nicht einmal zu reden, da sie allen in die Augen fallen. Haben doch dort die Städte entgegengesetzte und sich widerstreitende Kulte, und gehen doch die Nachbarn immer darauf aus, jeweils einen anderen Gegenstand zu verehren als der Anwohner. So wird von den einen das Krokodil als Gott angebetet; bei den Nachbarn gilt es als Scheusal. Bei den einen wird der Löwe göttlich verehrt; die Nachbarn verehren ihn nicht nur nicht, sondern töten ihn, wenn sie ihn finden, als ein wildes Tier. Auch der Fisch, bei den einen vergöttert, wird an einem anderen Orte als Speise gefangen1. Daher sind bei ihnen zu Hause Kriege, Unruhen, aller Anlaß zu Mordtaten und alle Lust zu Ausschweifungen. Und besonders auffallend ist, daß, wie die Geschichtschreiber erzählen, die Pelasger von den Ägyptern die Namen der Götter vernahmen und doch die ägyptischen Götter nicht kennen, sondern andere als diese verehren. Und überhaupt ist der Glaube und die Verehrung aller im Götzenwahn befangener Völker verschieden; ja man trifft nicht bei denselben das gleiche. Das geschieht ihnen recht. Denn da sie von der Erkenntnis des einen Gottes abfielen, so verfielen [S. 566] sie auf viele und verschiedene Dinge; und weil sie sich vom wahrhaftigen Logos des Vaters, dem Weltheiland Christus, abkehrten, so trieben sich ihre Gedanken natürlich bei vielem herum. Wie die, die von der Sonne sich abkehren und an finsteren Orten weilen, auf vielen unwegsamen Pfaden herumirren, die Anwesenden nicht sehen, die Abwesenden aber als anwesend sich einbilden und sehend doch nicht sehen, genau so lassen auch die, welche von Gott sich abgewandt haben und deren Seele verfinstert ist, ihren Geist umhertreiben und stellen sich Dinge vor, die nicht existieren, wie Trunkene und Blinde.

1: Wie die beiden ersten Beispiele vom Krokodil und Löwen auf Ägypten bezogen werden, so auch das dritte vom Fisch. Nach Clemens von Alexandrien (Protreptikus ad Graecos – MPG VIII, 120) wurde den Bewohnern von Syene, Elephantine, Oxyrinchis, lauter ägyptischen Städten, die Verehrung je einer besonderen Fischart nachgesagt.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger