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Athanasius (295-373) - Gegen die Heiden (Contra Gentes)

3.

So also hat der Schöpfer, wie gesagt, das Menschengeschlecht ausgestattet, und so sollte es nach seinem Willen bleiben. Doch die Menschen schätzten das Bessere gering, waren säumig in dessen Ergreifung und suchten mehr das, was ihnen näher lag. Näher aber lag ihnen der Körper mit seinen Sinnen. So wandten sie ihren Geist vom Geistigen ab und begannen sich selbst zu betrachten. Aber in der Betrachtung ihrer selbst, beschlagnahmt vom Körper und der übrigen Sinnenwelt und hier gleichsam daheim sich wähnend1, verfielen sie der Begierde nach sich selbst und zogen das Ihrige der Betrachtung des Göttlichen vor. Indem sie aber darin verweilten und von dem, was näher lag, nicht lassen wollten, gaben sie ihre von allerlei Begierden verwirrte und verunreinigte Seele den körperlichen Lüsten gefangen; schließlich vergaßen sie der ihnen ursprünglich von Gott verliehenen Kraft. Man kann das schon beim [S. 535] ersten erschaffenen Menschen bewahrheitet sehen - laut dem, was die heiligen Schriften von ihm erzählen. Auch er blieb, solange er seinen Geist auf Gott und dessen Betrachtung richtete, abgewandt von der Betrachtung seines Körpers. Als er aber auf Anraten der Schlange seine Gedanken von Gott ablenkte und sich zu betrachten anfing, da verfielen sie alsbald auch der sinnlichen Lust, erkannten, daß sie nackt waren, und schämten sich nach erwachter Erkenntnis. Sie erkannten aber ihre Nacktheit nicht so fast im Mangel an Kleidung, sondern weil sie der Betrachtung des Göttlichen verlustig gegangen waren und ihre Gedanken auf das Gegenteilige gerichtet hatten. Denn abgefallen von der Betrachtung des Einen und Wahren, nämlich Gottes, und von der Liebe zu ihm, ergaben sie sich jetzt den verschiedenen Begierden des Leibes und seinen Trieben. Und, wie es zu geschehen pflegt, von der gelegentlichen und vielfachen Befriedigung der Lust kam es bei ihnen auch zur entsprechenden Gewohnheit, so daß sie gar in Furcht lebten, ihnen entsagen zu müssen. So kam denn auch feige Angst und Furcht, Vergnügungssucht und vergängliches Trachten in die Seele. Denn weil sie sich von den Lüsten nicht trennen will, fürchtet sie den Tod und die Trennung vom Leibe. Weil sie aber für ihre Begehrlichkeit wieder nicht das Entsprechende fand, so lernte sie morden und Unrecht tun. Wie sie aber hierbei zu Werke geht, darf wohl nach Kräften gezeigt werden.

1: ὡς ἐν ἰδίοις ἀπατώμενοι. Die etwa noch mögliche Übersetzung: "gleichsam von Haus aus betrogen" empfiehlt sich grammatisch und sachlich weniger.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger