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Athanasius (295-373) - Gegen die Heiden (Contra Gentes)

20.

Man könnte sie vor dem Richterstuhl der Wahrheit fragen: Wie antwortet oder gibt sich Gott durch diese zu erkennen? Durch den Stoff, aus dem sie bestehen, oder durch die Form, die sie haben? Wenn nun durch den Stoff, wozu bedarf es der Form, und warum offenbarte sich Gott nicht in jedem beliebigen Stoff, ehe diese Dinge gebildet waren? Sinnlos dann auch, Tempel mit Mauern zu bauen und darin einen einzelnen Stein oder ein Holzstück oder einen Goldklumpen einzuschließen, wo doch die ganze Erde mit solchen Stoffen erfüllt ist. Wenn aber die spätere Form Ursache für die göttliche Offenbarung wird, wozu bedarf es dann der Materie von Gold und der übrigen Stoffe, und warum offenbart sich Gott nicht vielmehr in der lebendigen Natur, von der die Götzenbilder ihre Form haben? [S. 561] Denn wenn man einmal eben bei dieser Begründung1 bleibt, so wäre es wohl noch besser von Gott gedacht, wenn man ihn in beseelten vernünftigen und vernunftlosen Wesen erwartete, als in unbeseelten und regungslosen; freilich leisten sie sich damit gerade im Widerspruch mit sich selbst eine Gottlosigkeit. Während sie nämlich die natürlichen Lebewesen, Vierfüßler, Vögel, Kriechtiere wegen ihrer Wildheit oder Häßlichkeit verabscheuen und fliehen, bearbeiten sie gleichwohl deren Gestalten in Stein, Holz und Gold und machen sie zu Göttern. Sie hätten doch eher die lebendigen Wesen selbst verehren, als deren Gestalten in diesen Stoffen anbeten sollen. Oder aber ist vielleicht keines von beiden, weder Form noch Stoff, Ursache für die Ankunft Gottes, vielmehr nur die Kunst in Verbindung mit der Wissenschaft macht das Göttliche gegenwärtig, da sie ja eine Nachahmung der Natur ist. Wenn aber wegen der Wissenschaft das Göttliche in den Kunstwerken gegenwärtig wird, wozu bedarf es dann wieder des Stoffes, da doch die Wissenschaft in den Menschen ist? Wenn aber Gott überhaupt nur dank der Kunst offenbar in die Erscheinung tritt und deshalb auch die Bildwerke als Götter verehrt werden, so hätte man die Menschen als die Urheber der Kunst anbeten und verehren sollen, weil sie vernunftbegabt sind und die Wissenschaft in sich selber tragen.

1: Gemeint ist die Begründung von der Notwendigkeit sichtbarer Götter, mit denen die Menschen in Verkehr treten könnten.

 

 

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Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger