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Athanasius (295-373) - Gegen die Heiden (Contra Gentes)

19.

Was für eine andere Gestalt geben ihnen denn die Bildhauer, als die von Männern und Frauen und von noch tiefer stehenden, von Natur vernunftlosen Wesen, von allerlei Vögeln, zahmen und wilden Vierfüßlern und Kriechtieren, so viele Erde und Meer und jede Art von Gewässer hervorbringt? Denn einmal versunken in die Torheiten der Leidenschaften und Lüste und nur mehr bedacht auf Sinnenlust und Fleischesgier, gleichsam in dieser vernunftlosen Triebrichtung lebend, stellten sich die Menschen auch das Göttliche in unvernünftigen Wesen dar — entsprechend ihren mannigfachen Leidenschaften, und ließen sich ebensoviele Götter schnitzen. Bilder von Vierfüßlern, Kriechtieren und Vögeln finden sich bei ihnen, wie auch der Dolmetscher der göttlichen und wahren Gottesfurcht sagt: "Sie wurden eitel in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Während sie sich für Weise ausgaben, sind sie Toren geworden. Und sie vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit dem Gleichnis und Bilde des vergänglichen Menschen, auch der Vögel, Vierfüßler und Kriechtiere. Deshalb überantwortete sie Gott auch schmählichen Leidenschaften"1. Erst zogen sie, wie vorhin gesagt, mit den Torheiten ihrer Lüste ihre Seele in Mitleidenschaft, dann verfielen sie auf solche Abgötterei. Und einmal gefallen, sind sie nunmehr, wie ihrer Gottverlassenheit überantwortet, so in ihren Lüsten gefangen, und stellen Gott, [S. 560] den Vater der Vernunft, in vernunftlosen Wesen dar. Nach solcher Entgegnung bestreiten die heidnischen Philosophen und Gelehrten zwar nicht, daß ihre sichtbaren Götter Gestalten und Typen von Menschen und unvernünftigen Wesen sind, sagen aber zu ihrer Verteidigung, daß sie solche hätten, damit durch diese die Gottheit ihnen Antwort gebe und in die Erscheinung trete; denn sie könnten ihn, den Unsichtbaren, auf keinem anderen Wege erkennen als durch derartige Bilder und solchen Kult. Wieder andere, die noch philosophischer sein und tiefer gehen wollen, behaupten, die Bilder seien eben zum Zweck der Anrufung und Offenbarung göttlicher Boten und Kräfte gefertigt und gestaltet worden, damit diese auf diesem Wege in die Erscheinung träten und ihnen2 von der Erkenntnis Gottes Offenbarung gäben. Diese wären gleichsam Schriftzüge für die Menschen, in denen sie Aufschluß finden könnten über die Erkenntnis Gottes, insofern die Offenbarung der göttlichen Boten in ihnen vor sich geht. So also fabeln jene; sie reden nicht wie Theologen — weit entfernt! Prüft man sorgfältig ihre Begründung, dann wird man finden, daß ihre Ansicht nicht minder falsch ist wie die vorhin widerlegten.

1: Röm 1, 21-24.
2: Den Menschen.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger