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Athanasius (295-373) - Gegen die Heiden (Contra Gentes)

13.

Wenn sie dann Steine und Holzstücke anbeten, so übersehen sie, daß sie die gleichen Dinge mit Füßen treten und verbrennen, Teile davon aber Götter nennen. Und was ihnen eben noch Gebrauchsgegenstand war, das schnitzen und verehren sie in ihrem Unverstand, ohne zu sehen noch überhaupt zu bedenken, daß sie nicht Götter, sondern die Kunst des Bildhauers anbeten. Denn solange der Stein unbehauen, das Holz unbearbeitet ist, ebensolange treten sie mit Füßen darauf und benützen diese Dinge zu ihren Bedürfnissen, oft auch zu weniger ehrenvollen. Sobald aber der Künstler dank seiner Fertigkeit diesen Stoffen Ebenmaß gibt und aus dem Stoff die Figur eines Mannes oder einer Frau gestaltet, ja, dann wissen sie zuerst dem Künstler Dank und hernach beten sie die Figuren als Götter an, die sie um Geldeslohn vom Bildhauer erstanden haben. Vielfach betet auch der Bildhauer selbst, als hätte er vergessen, was er selbst geschaffen, zu seinen Werken, und was er eben noch gemeißelt und behauen hat, das nennt er nach der künstlerischen Verarbeitung Gott. Man hätte aber, wenn diese Dinge wirklich Bewunderung verdienten, die Kunst des Meisters anerkennen und nicht die Werke über ihren Schöpfer stellen sollen. Denn nicht hat der Stoff die Kunst, sondern die Kunst den Stoff verschönert und vergöttlicht. So sollten sie weit eher den Künstler anbeten als seine Werke, zumal er auch vor den kunstgeborenen Göttern existierte, und diese so geworden sind, wie ihm beliebte. Nun aber verstoßen sie sich gegen das Normale, setzen Wissenschaft und Kunst hintan, verehren aber die Schöpfungen von Wissenschaft und Kunst, und während der Mensch, der sie erschaffen, stirbt, beten sie seine Werke an als unsterblich, die doch bei ihrer Natur jedenfalls mit der Zeit untergehen, wenn nicht tagtägliche Fürsorge sie erhält. Sind sodann die Menschen nicht auch deshalb zu [S. 552] bedauern, weil sie, obschon selber sehend, die anbeten, die nicht sehen, obschon selber hörend, zu denen beten, die nicht hören, weil sie, obschon selbst beseelt und vernünftig von Natur, die als Götter anreden, die sich überhaupt nicht bewegen, sondern leblos sind? Und vollends auffallend, daß sie denen wie Herren dienen, die sie selbst bewachen und in Gewalt haben. Glaube ja nicht, daß ich etwa das einfach nur sage oder sie verleumde; man kann sich ja hiervon auch durch den Augenschein überzeugen, und wem es darum zu tun ist, der kann derlei Dinge selbst beobachten.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu "Gegen die Heiden" und "Über die Menschwerdung"
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger