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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Vierzundzwanzigste Homlie [Kap. VI, Vers 14-24]

2.

Nachdem er seine Haft kurz erwähnt, überläßt er es dem Tychikus, ausführlichere Nachrichten über seine Lage zu überbringen. Was zur Belehrung und Ermahnung gehörte, das erklärte er ihnen vermittelst des Briefes; was aber lediglich Erzählungsstoff war, das stellte er dem Überbringer des Briefes anheim. - "Damit ihr", sagt er, "erfahret, wie es um uns steht," d. h. damit ihr davon Kenntnis habet. Aus dieser Stelle geht seine Liebe zu ihnen und umgekehrt ihre Liebe zu ihm klar hervor.

V.22: "Den ich gerade deshalb zu euch gesandt habe", sagt er, "damit ihr erfahret, wie es um uns steht, und damit er eure Herzen tröste."

Nicht ohne Grund spricht er dieses1 , sondern weil er vorher gesagt hatte: "Wappnet und umgürtet euch", was auf stetiges und unablässiges Angehen [Gottes im Gebete] hinweist. Höre nämlich das Wort des Propheten: "Er werde ihm wie ein Kleid, womit er sich bedeckt, und wie ein Gürtel, womit er stets sich gürtet"2 . Auch von Gott sagt der Prophet, er sei angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit3 , um uns dadurch zu belehren, daß wir immerdar und nicht bloß für eine kurze Zeit, diese Rüstung anhaben müssen; denn immerdar besteht die Notwendigkeit des Krieges. "Denn der Gerechte", heißt es, " ist unerschrocken wie ein Löwe"4 . Wer also gewappnet ist, kann unmöglich den Kampf fürchten, sondern stürzt sich hinein mitten unter die Feinde. Und Isaias spricht: "Schön sind die Füße derer, welche die frohe Botschaft des Friedens verkünden"5 . Wer möchte nicht laufen, wer nicht dieser Sache dienen, um den Frieden zu verkünden, den Frieden zwischen Gott und Menschen, einen Frieden, der ohne jede Anstrengung von seiten der Menschen vollständig durch Gott allein gewirkt wird? Was aber die "Bereitschaft für das Evangelium" sei, wollen wir aus dem Munde des Johannes hören: "Bereitet den Weg des Herrn, machet gerade seine Pfade!"6 . Und wiederum eine andere Bereitschaft nach der Taufe besteht darin, daß wir nichts dieses Friedens Unwürdiges tun. Da nämlich die Füße häufig als Symbol des Lebenswandels dienen, deshalb mahnt er so eindringlich. "Sehet zu, wie ihr gewissenhaft wandelt"7 , indem er darunter den Lebenswandel versteht. -

Deshalb will er sagen, laßt uns würdig des Evangeliums wandeln und erfunden werden durch unser Leben und durch lautere Taten! Friede ist verkündigt worden; bereitet diesem Evangelium den Weg! Wenn ihr wiederum Feinde werdet, kann von einer Bereitschaft des Friedens keine Rede sein. Seid ohne Aufschub für den Frieden bereit! Gleichwie ihr bereit geworden seid für den Frieden und den Glauben, so harret auch darin aus! - Der Schild ist es, der zuerst die Geschosse der Feinde auffängt und die übrigen Waffen unversehrt bewahrt. Wenn wir also den rechten Glauben und den rechten Lebenswandel haben, dann bleibt unsere Waffenrüstung unversehrt. Vielfach spricht sich der Apostel auch anderwärts über den Glauben und über die Hoffnung aus, namentlich im Brief an die Hebräer. Glaubet an die zukünftigen Güter, will er sagen, dann wird keine dieser Waffen beschädigt werden. Dadurch, daß du nämlich in den Gefahren und Mühen die Hoffnung und den Glauben schützend dir vorhältst, wirst du sie unversehrt bewahren. "Wer zu Gott kommen will, muß glauben, daß er ist und daß er denen, die ihn suchen, ein Vergelter sein wird"8 . - Der Glaube ist ein Schild [der diejenigen schirmt, welche schlicht und ohne Vorwitz glauben]. Wenn wir uns aber verfänglichen Deutungen, Vernünfteleien und Grübeleien hingeben, dann ist er kein Schild mehr, sondern ein Hindernis. - Der Glaube sei also beschaffen, daß er den ganzen Mann dicht umschließt und deckt. Dieser Schild darf also nicht zu kurz sein, so daß er die Füße oder irgendeinen anderen Teil des Körpers bloßläßt, sondern er muß die entsprechende Größe haben. - " Feurige [Pfeile]." Es gibt so manche Zweifel, welche die Seele brennen, so manche Verlegenheiten, so manche Schwierigkeiten; aber der Glaube bringt das alles wirklich zur Ruhe. Vieles stiftet der Teufel an, um unsere Seele zu schüren und in Zweifel zu stürzen, z. B. wenn manche fragen: Gibt es eine Auferstehung? Gibt es ein Gericht? Gibt es eine Vergeltung? - Laß es nur einen Glauben geben, und du wirst damit die Brandpfeile des Teufels auslöschen. - Regt sich in dir die Begierde: Halte als Schild vor den Glauben an die zukünftigen Güter, und sie erscheinen nicht mehr, sie ist ausgelöscht. -

"Alle Pfeile"; nicht etwa nur die einen, die anderen aber nicht. Höre, was Paulus spricht: "Denn ich halte dafür, daß die Leiden dieser Zeit nicht zu vergleichen sind mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden wird"9 . Siehst du, wie viele Pfeile damals die Gerechten ausgelöscht haben? Oder scheint dir die Glut des innerlichen Feuers, das den Patriarchen verzehrte, als er seinen Sohn darbrachte, kein feuriger Pfeil gewesen zu sein? Auch andere Gerechte haben alle Brandpfeile des Bösen ausgelöscht. - Wenn also Zweifel uns überfallen -: halten wir diesen Schild vor! Wenn ungeordnete Begierden -: bedienen wir uns dieses Schildes! Wenn Mühsale und Bedrängnisse -:stützen wir uns auf dieses Schild! Er schützt zugleich die ganze übrige Rüstung; wenn wir ihn nicht haben, wird auch jene bald durchbohrt sein. - "Zu allem", heißt es, "ergreifet den Schild des Glaubens!" Was bedeutet dieses "zu allem"? Daß man ihn sowohl bei der "Wahrheit", als auch bei der "Gerechtigkeit", und bei der "Bereitschaft für das Evangelium" haben muß; d. h. alle diese Teile [der Rüstung] bedürfen des Schildes. Deshalb fährt er fort: "Und nehmet den Helm des Heiles"; d. h. durch diesen werdet ihr hierfür Sicherheit gewinnen können. Den Helm des Heiles nehmen ist gleichbedeutend mit: der Gefahr entrinnen. Gleichwie nämlich der Helm, da er das Haupt allseitig vollkommen deckt, dasselbe vor der Verwunderung heil bewahrt, so vertritt auch der Glaube nicht bloß die Stelle eines Schildes, sondern auch die eines heilbringenden Helmes. Denn wenn wir die Brandpfeile des Bösen auslöschen, so werden wir alsbald auch die heilsamen Gedanken erfassen, welche das leitende Prinzip in uns vor Schädigung bewahren. Sobald nämlich diese - feindseligen - Gedanken erstickt sind, werden alsbald die entgegengesetzten - heilbringenden und hoffnungerregenden - in uns geboren werden und, gleichwie ein Helm das Haupt, das leitende Prinzip unseres Wesens schirmend umgeben

1: τοῦτο weist auf V.18 zurück
2: Ps 108,19
3: Is 59,17
4: Spr 28,1
5: Is 52,7
6: Mt 3,3;Is 40,3
7: Eph 5,15
8: Hebr 11,6
9: Röm 8,18

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger