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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Zwanzigste Homilie [Kap. V, Vers 22-33]

9.

Betet gemeinschaftlich miteinander! Gehet beide in die Kirche, und vor dem dort Gesagten und Gelesenen frage der Mann die Frau und diese den Mann den auf die Familie bezüglichen Teil! Wenn euch vielleicht die Armut drückt, so weise hin auf jene heiligen Männer, auf Petrus und Paulus, die höher standen als alle Könige und Geldleute: wie sie in Hunger und Durst ihr Leben hinbrachten! Mache ihr begreiflich, daß nichts im Leben zu fürchten sei als allein die Beleidigung Gottes. Wer in dieser Weise und mit solchen Grundsätzen heiratet der wird im Ehestande den Mönchen und Unverheirateten nicht viel nachstehen. - Willst du ein Frühstück geben oder ein Gastmahl ausrichten, so ziehe keinen Unehrbaren, keinen Unordentlichen bei; sondern wenn du einen frommen Armen findest, der euer Haus segnen, der bei seinem Eintritt allen Gottessegen mitbringen kann, den lade ein! - Ich will noch eine andere Bemerkung machen: Niemand von euch gehe darauf aus, eine reiche Frau zu heiraten, sondern vielmehr eine arme! Denn eine reiche Frau wird dir mit dem zugebrachten Gelde nicht so viel Anlaß zur Freude bieten als Verdruß durch ihre Vorwürfe, durch ihre übertriebenen Forderungen, durch ihre Üppigkeit, durch ihre Verschwendung, durch ihre harten Reden. Möglicherweise wird sie sagen: Ich habe noch gar nichts von dem Deinigen gebraucht; ich kleide mich noch von dem Meinen, von dem, was mir meine Eltern mitgegeben haben. - Was sagst du, Frau? Du kleidest dich noch von dem Deinigen? Kann es eine unseligere Rede geben als diese? Deinen Leib hast du nicht mehr zu eigen, und du willst eigenes Vermögen besitzen? Ihr seid nach der Heirat nicht mehr zwei Leiber, sondern seid zu einem Fleische geworden; und das Vermögen soll geteilt, nicht eines sein? O Über die Geldliebe! Ihr beide macht einen Menschen, ein Wesen aus, und du sprichst noch von Mein und Dein? Dieses fluchbeladene, unglückselige Wort ist durch den Teufel in die Welt gekommen. Alles andere, was ungleich notwendiger ist, hat Gott uns als Gemeingut gegeben, und dieses sollte nicht Gemeingut sein? Du kannst nicht sagen: Mein Licht, meine Sonne, mein Wasser. Alles Wichtigere besitzen wir gemeinsam, nur das Geld sollten wir nicht gemeinsam haben?

Möge das Geld tausendmal zugrunde gehen oder [besser gesagt] jene Gesinnung, die den rechten Gebrauch des Geldes nicht kennt, sondern es allem anderen vorzieht! - Auch darüber belehre sie unter anderem, aber mit großer Liebe! Da nämlich die Ermahnung zur Tugend an und für sich etwas sehr Ernsthaftes ist, namentlich für ein zartes und junges Mädchen, wenn ihm die Grundsätze echter Lebensweisheit beigebracht werden sollen, so bestrebe dich dabei der größten Freundlichkeit und Liebe und suche besonders jenes Mein und Dein aus ihrer Seele zu verbannen. Sagt sie: das Meine, so antworte ihr: Was nennst du das Deine? Ich kenne es nicht; ich habe nichts Eigenes für mich. Was sagst du also: das Meine, da ja alles dir gehört? - Halte ihr diese Ausdrucksweise zugute! Siehst du nicht, daß wir es bei den Kindern ebenso machen? Wenn das Kind nach etwas hascht, das wir in der Hand halten, und dann wieder nach etwas anderem greifen will, so geben wir ihm nach und sagen: Ja, das ist dein, und das da auch. - So wollen wir es auch bei der Frau machen; denn sie besitzt die Denkweise eines Kindes. Sagt sie also: Das ist mein!, so antworte; Alles ist dein; auch ich bin dein. Das ist keine bloße Schmeichelei, sondern ein sehr verständliches Wort. Auf diese Weise kannst du ihren Unmut beschwichtigen und ihren Verdruß dämpfen. Schmeichelei ist es, wenn man etwas Unedles in böser Absicht tut; dieses dagegen ist höchste Weisheit. Sage also: Auch ich gehöre dir, liebes Kind. Das lehrt mich Paulus mit den Worten: "Der Mann hat keine Macht über seinen Leib, sondern die Frau"1 . Wenn ich nicht über meinen Leib verfügen darf, sondern du, so gilt das noch viel mehr vom Vermögen. -

Durch einen solchen Ausspruch beruhigst du sie, löschst den Brand, machst den Teufel zuschanden, bringst sie zu größerer Ergebenheit als eine gekaufte Sklavin; durch solche Reden fesselst du sie an dich. Durch die Art und Weise, wie du dich darüber äußerst, gewöhne sie daran, nie von Mein und Dein zu sprechen! - Auch rede sie nie mit ihrem bloßen Namen an, sondern immer mit einem schmeichelnden, ehrenvollen und zärtlichen Beiwort. Ehre du sie, und sie wird nicht Ehre bei anderen suchen; wenn sie bei dir Achtung genießt, wird sie nicht nach der Achtung anderer verlangen. Schätze sie über alles um all ihrer guten Eigenschaften willen, wegen ihrer Schönheit und wegen ihres Verstandes, und sprich ihr darüber dein Lob aus! So wirst du sie dahin bringen, daß sie auf keinen fremden Mann achtet, sondern alle anderen verlacht. Lehre sie Gottesfurcht, und alles Gute wird wir aus einer Quelle zuströmen und dein Haus mit unnennbarem Segen erfüllen. Wenn wir das Unvergängliche suchen, werden auch diese vergänglichen Güter uns zukommen. Denn es steht geschrieben: "Suchet zuerst das Reich Gottes, und dieses alles wird euch zugegeben werden"2 . Wie trefflich müssen in der Folge die Kinder solcher Väter sein! Wie trefflich die Knechte solcher Herren! Wie trefflich alle anderen, die ihnen nahestehen! Wird sich die Fülle des Segens nicht auch über sie ergießen? Richten sich doch die Dienstboten in ihrem Betragen gewöhnlich nach der Herrschaft, huldigen denselben Leidenschaften, heben dieselben Wünsche, reden dieselbe Sprache, führen denselben Wandel, wie sie es eben dort gelernt haben.

Wenn wir so unser Leben ordnen und die Mahnung der Heiligen Schrift befolgen, so werden wir daraus ein reiches Maß von Belehrung schöpfen und auf diese Weise imstande sein, Gott zu gefallen, das ganze gegenwärtige Leben tugendhaft zu verbringen, und jener Güter teilhaftig zu werden, welche Gott denen verheißen hat, die ihn lieben. Mögen wir alle derselben gewürdigt werden durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unseres Herrn Jesus Christus, mit welchem dem Vater gleichwie dem Heiligen Geiste Herrlichkeit, M; acht und Ehre sei jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit! Amen.

1: 1 Kor 7,4
2: Mt 6,33

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger