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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Zwanzigste Homilie [Kap. V, Vers 22-33]

4.

Siehe da noch einen dritten Grund: Weil der Mann auch die leiblichen Eltern, denen er sein Dasein verdankt, aufgibt, um sich mit dem Weibe zu verbinden. Und so ist ein Fleisch der Vater, das Kind und die Mutter, wegen der Vermischung des beiderseitigen Wesens; denn durch die eheliche Vermischung entsteht wieder das Kind, so daß die drei nur ein Fleisch sind. Aber auch in anderer Beziehung entsteht ein Fleisch, jenes nämlich. das durch das [dauernde] Zusammensein hervorgebracht wird; und dieses ist weit eher darunter zu verstehen als das Kind. Warum denn? Weil es von Anfang an so gewesen ist. Komme mir nicht mit der Ausrede, dein Weib habe diesen und jenen Fehler! Siehst du nicht, daß wir auch am Leibe viele Gebrechen haben? Der ist lahm. jener hat verkrüppelte Füße, ein anderer verdorrte Hände, wieder ein anderer sonst ein krankes Glied. Und trotzdem ist er nicht darob betrübt und haut es nicht ab, sondern zieht es vielfach sogar einem gesunden vor. Ganz natürlich: es ist ja sein eigenes Glied. So sehr nun jeder sich selbst liebt, ebenso große Liebe, will der Apostel, sollen wir zu unserem Weibe haben. Wir haben zusammen eine Natur; aber ein viel wirksamerer Bestimmungsgrund für unser Verhalten gegen die Frau liegt darin, daß es 'nicht' zwei Leiber sind. Sondern er ist das Haupt, sie der Leib. "Das Haupt Christi aber ist Gott"1 . Die vollständige Stelle lautet: "Ich will euch aber zu wissen tun, daß das Haupt jedes Mannes Christus ist; das Haupt des Weibes aber ist der Mann, das Haupt Christi aber ist Gott." Dasselbe sage auch ich: Wie ein Leib, so sind Christus und der Vater. Es ergibt sich also, daß auch der Vater unser Haupt ist. Der Apostel stellt eben zwei Vergleiche an, den mit dem Leibe und den mit Christus.

V.32: "Dieses Geheimnis ist groß; ich sage es aber in Hinblick auf Christus und auf die Kirche."

Was heißt das? Ein großes Geheimnis nennt er es, weil der heilige Moses, oder vielmehr Gott selbst damit etwas Großes und Wunderbares andeuten wollte. Einstweilen freilich, versichert er, "sage ich es in Hinblick auf Christus", weil auch er seinen Vater verließ und auf die Erde herabkam, um zu seiner Braut zu gehen und mit ihr ein Geist zu werden. Denn "wer dem Herrn anhangt, ist ei Geist mit ihm"2 . Ganz treffend bemerkt er: "Es ist ein großes Geheimnis"; als ob er hätte sagen wollen: Gleichwohl aber hebt die Allegorie die Liebe nicht auf.

V.33:"So liebet auch ihr, jeder einzelne, ein jeder sein Weib wie sich selbst; das Weib aber fürchte den Mann."

In der Tat, es ist ein Geheimnis, und zwar ein großes Geheimnis, daß der Mensch seinen leiblichen Vater, der ihn gezeugt und erzogen, seine Mutter, die ihn unter Schmerzen geboren und die so viele Mühe mit ihm gehabt, seine größten Wohltäter, mit denen er so lange zusammengelebt, auf einmal verläßt, um einem Weibe, das er früher nicht gesehen und zu ihm in keiner Beziehung gestanden, anzuhangen und es allen vorzuziehen. Es ist in der Tat ein Geheimnis. Und die Eltern betrüben sich nicht, wenn dies geschieht, sondern weit mehr, wenn es nicht geschieht; und wenn sie dabei Geld aufwenden und Kosten bestreiten müssen, so freuen sie sich darüber. In der Tat, ein großes Geheimnis, das eine unergründliche Weisheit in sich schließt. Dieses verkündet der Apostel von neuem "in Hinblick auf Christus und auf die Kirche". Aber diese Worte sind nicht bloß seinetwegen gesprochen, sondern warum? Damit der Mann das Weib wie seinen eigenen Leib pflege, gleichwie Christus die Kirche, und damit das Weib den Mann fürchte. Dem Weibe schreibt er nicht allein die Liebe vor, sondern was? "Daß sie den Mann fürchte." - Die Frau nimmt den zweiten Rang ein. Sowenig die Frau volle Gleichberechtigung beanspruchen darf, da sie unter dem Haupte steht, ebensowenig darf der Mann sie verachten, weil sie ihm untergeordnet ist; denn sie ist sein Leib, und wenn das Haupt den Leib verachtet, schlägt es ihm selbst zum Verderben aus. Als Gegengewicht für den Gehorsam biete das Haupt die Liebe! Also: Die Hände sollen dem Haupte dienen, die Füße, die übrigen Glieder alle; das Haupt wieder, das alle Sinne in sich vereinigt, sorge für den Leib! Nichts ist gedeihlicher als solch innige Verbindung. -

Aber, sagt man, wie kann da Liebe sein, wo Furcht ist? Gerade da dürfte sie am meisten zu finden sein. Indem die Frau den Mann fürchtet, liebt sie ihn auch; und indem sie ihn liebt, fürchtet sie ihn auch; sie fürchtet ihn als Haupt und liebt ihn als Glied, da ja auch das Haupt ein Glied des ganzen Leibes ist. - Deshalb hat Gott die Frau untergeordnet und den Mann über sie gesetzt, damit Friede herrsche. Wo vollständige Gleichstellung, da kann in der Familie nimmermehr Friede sein, mag sie demokratisch regiert werden oder mögen alle herrschen; die Herrschaft muß notwendig eine sein. Das trifft ausnahmslos für jene zu, welche noch irdisch gesinnt sind. Freilich, wenn sie vom Geiste durchdrungen sind, dann wird Friede herrschen. [Zur Zeit der Apostel] waren es fünftausend Seelen, und keiner nannte von seinem Vermögen noch etwas sein eigen, sondern sie waren einander untertan3 . Das ist ein Beweis von richtigem Verständnis und Gottesfurcht.

1: vgl.1 Kor 11,3
2: 1 Kor 6,17
3: vgl. Apg 4,32

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger