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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Neunzehnte Homilie [Kap. V, Vers 15-21]

2.

Darum hat ja Gott unserem Körper das rechte Ebenmaß verliehen und läßt ihn durch Weniges satt werden, um uns schon dadurch zu belehren, daß er uns wert für ein anderes Leben geschaffen habe. Er wollte uns dasselbe gleich anfangs geben; nachdem wir uns aber dessen unwürdig gemacht, schob er es auf. Auch während dieser Zeit des Aufschubes gestattet er uns keinen unmäßigen Genuß; denn ein Becher Wein und ein Brot genügen zur Sättigung eines Menschen. Den Gebieter über alle vernunftlosen Wesen hat Gott mit verhältnismäßig größerer Bedürfnislosigkeit und einem kleineren Leibe ausgestattet, damit offenbar nichts anderes andeutend, als daß wir einem anderen Leben entgegeneilen. - "Berauscht euch nicht mit Wein", heißt es, "worin Ausschweifung liegt." Das erhält nicht, sondern verdirbt, nicht allein den Leib, sondern auch die Seele. "Werdet vielmehr voll vom Heiligen Geiste,

V.19: redet zueinander in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und jubelt in euren Herzen dem Herrn;

V.20: Saget Dank allezeit für alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus Gott dem Vater; V.21: seid einander untertan in der Furcht Christi!"

Der Apostel sagt: Willst du fröhlich sein? Willst du den Tag angenehm hinbringen? Ich biete dir einen geistigen Trank. Denn die Trunkenheit raubt unserer Zunge die deutliche Sprache und bringt uns zum Lallen; sie verwirrt unsere Augen und verdreht überhaupt alles. Lerne Psalmen singen, und du wirst sehen, welche Lust das ist. Die, welche Psalmen singen, werden voll des Heiligen Geistes, sowie die, welche satanische Lieder singen, voll des unreinen Geistes. - Was heißt: "in euern Herzen dem Herrn"? Das heißt: mit einer auf den Sinn gerichteten Aufmerksamkeit. Denn die unaufmerksam sind, singen eben nur, damit es gesungen ist; sie lassen bloße Worte hören, während ihr Herz anderswo herumschweift. - "Saget Dank ", heißt es, "allezeit für alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus Gott dem Vater; seid einander untertan in der Furcht Christi!" "Eure Anliegen", will er sagen, "sollen mit Danksagung kund werden vor Gott"1 . Denn nichts erfreut Gott so sehr, als wenn man dankbar ist. Am meisten aber können wir unsere Dankbarkeit dadurch betätigen, daß wir unsere Seele von den früher erwähnten Fehlern abbringen und sie durch die eben genannten Mittel reinigen. - "Werdet vielmehr voll vom Heiligen Geiste", sagt der Apostel. Also steht das in unserer Macht? Allerdings. Wenn wir nämlich die Lüge, wenn wir den Zorn, wenn wir die Bitterkeit, wenn wir die Unzucht, wenn wir die Unlauterkeit, wenn wir die Habgier aus unserer Seele entfernen; wenn wir gutherzig. mitleidig, dienstfertig gegeneinander werden; wenn die Possenreißerei [bei uns] keinen Platz findet; wenn wir [mit einem Worte] uns dessen würdig machen: was sollte da den Heiligen Geist hindern, wie im Fluge auf uns herabzukommen? Und er wird nicht einfachhin auf uns herabkommen, sondern unser Herz erfüllen. Ist aber ein solches Licht in unserem Innern, dann wird uns die Übung der Tugend fürderhin nicht mehr schwer fallen, sondern leicht und angenehm sein. -

"Saget Dank allezeit für alles ", sagt der Apostel. - Wie? Für alles, was uns begegnet, sollen wir danken? - Ja, sogar für Krankheit und Armut. Denn wenn schon im Alten Bunde ein Weiser die Mahnung aussprach: "Alles, was dir widerfährt, nimm willig hin, und treffen dich Demütigungen Schlag auf Schlag, so bleibe standhaft!"2 , so muß das noch viel mehr im Neuen Bunde geschehen. Solltest du also auch den Grund nicht immer einsehen, sage dennoch Dank; denn darin besteht die echte Dankbarkeit. Wenn du dafür Dank sagst, weil es dir gut geht, weil du im Wohlstand und Glück lauter heitere Tage verlebst, so ist das nichts Großes, nichts Besonderes; was von dir verlangt wird, ist Danksagung auch in Trübsalen und bangen Stunden. Dein erstes Wort sei stets: Herr, ich danke dir! - Doch was rede ich von den Trübsalen hienieden? Selbst für die Hölle, für die Strafen und Qualen daselbst soll man Gott danksagen. Denn bei gehöriger Aufmerksamkeit ist uns das von sehr großem Nutzen, da die Furcht vor der Hölle unser Herz im Zaum hält. - Also nicht bloß für die sichtbaren Wohltaten wollen wir danksagen, sondern auch für die unsichtbaren und für jene, die uns gegen unseren Willen zuteil werden! Denn Gott erweist uns viele Wohltaten auch ohne unser Wollen und Wissen. Wenn ihr es nicht glauben wollt, werde ich euch sogleich die Sache klarmachen. Bedenke einmal: Schreiben die verruchten und ungläubigen Heiden nicht alles der Sonne und ihren Götzen zu? Wie nun? Erweist Gott nicht auch ihnen Wohltaten? Ist es nicht das Werk seiner Vorsehung, daß sie leben, gesund sind, Kinder zeugen usw.? Und wie steht es mit den sogenannten Marcioniten? Wie mit den Manichäern? Lästern ihn diese nicht sogar? Und erzeigt er ihnen nicht tagtäglich Wohltaten? Wenn er aber jenen wohltut, ohne daß sie dessen bewußt sind, um wie viel mehr dann uns!

Denn was ist Gottes Wirken anderes als eine unausgesetzte Wohltat für das Menschengeschlecht, mag es nun Strafen verhängen oder erlassen? - Wir wollen ihm also nicht bloß danken, wenn es uns gut geht; denn das ist nichts Großes. Das weiß auch der Teufel; darum sagte er auch: "Fürchtet wohl Job Gott umsonst? Hast du nicht sein Eigentum drinnen und draußen mit einem Wall umgeben? Nimm ihm alles, was er hat, und gewiß wird er dich ins Angesicht fluchen"3 . Aber dem verruchten Feinde war kein größerer Erfolg beschieden; gebe Gott, daß ihm auch bei uns kein größerer zuteil werde! Wir wollen vielmehr, wenn wir in Armut, in Krankheit, in Bedrängnis sind, unsern Dank verdoppeln! Wir wollen danken nicht bloß mit Worten und mit der Zunge, sondern durch unser ganzes Tun und Lassen, durch unser ganzes Sinnen und Trachten! Aus ganzer Seele wollen wir ihm danksagen! Denn er liebt uns mehr als unsere leiblichen Väter; und so groß der Abstand ist zwischen Gut und Böse, ebenso groß ist der Unterschied zwischen der Liebe Gottes und der Liebe unserer Väter.

1: vgl. Phil 4,6
2: vgl. Ekkli 2,4
3: vgl. Job 1,9-11

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger