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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )

Achtzehnte Homilie [Kap. V, Vers 5-14]

1.

Vers 5: "Denn das wisset und erkennet, daß kein Hurer oder Unzüchtiger oder Habsüchtiger, der ein Götzendiener ist, ein Erbteil an dem Reiche Christi und Gottes hat.

V.6: Niemand täusche euch durch eilte Worte; denn deswegen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams."

Schon zur Zeit unserer Vorfahren gab es anscheinend Leute, welche die Hände des Volkes lähmten und den Ausspruch Ezechiels bewahrheiteten oder vielmehr, welche das Geschäft der falschen Propheten besorgten, die da "um eine Handvoll Gerste Gott entheiligten bei seinem Volke"1 ; und dasselbe, glaube ich, geschieht auch jetzt noch von manchen. Wenn wir nun sagen: Wer seinen Bruder einen Narren schielt, kommt in die Hölle, so entgegnen andere: Ei, wirklich? Wer seinen Bruder einen Narren heißt, soll in die Hölle kommen? Warum nicht gar! Und wenn wir sagen: Der Habsüchtige ist ein Götzendiener, so suchen sie auch das abzuschwächen, indem sie behaupten, dies sei eine rednerische Übertreibung. In dieser Weise verflüchtigen sie alle Vorschriften. Diese Art Leute hatte der heilige Paulus im Auge, als er damals an die Epheser schrieb: "Denn das wisset und erkennet, daß kein Hurer oder Unzüchtiger oder Habsüchtiger, der ein Götzendiener ist, ein Erbteil an dem Reiche Christi und Gottes hat." Dann fügte er noch hinzu: "Niemand täusche euch durch eitle Worte!" Eitel sind jene Worte, welche zwar vorübergehend gefallen, in Wirklichkeit sich aber nicht bewähren; es ist eben Betrug. - "Deswegen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams." Wegen der Hurerei, meint er, wegen der Habgier, wegen der Unzucht; oder auch wegen dieser Dinge und wegen des Betruges, weil sie ja Betrüger sind. - "Söhne des Ungehorsams" nennt er die sehr Ungehorsamen, jene, welche gegen Gott ungehorsam sind.

V.7: "Werdet also nicht ihre Mitgenossen!

V.8: Denn ihr waret einst Finsternis, jetzt aber [seid ihr] Licht im Herrn."

Beachte, wie verständig und verständlich der Apostel mahnt! Zuerst mit Hinweis auf Christus: Liebet einander und beleidigt niemanden! Jetzt wieder durch Hinweis auf Strafe und Hölle: "Denn ihr waret einst Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn." So schreibt er auch im Brief an die Römer: "Welche Frucht nun hattet ihr damals von den Dingen, über welche ihr euch jetzt schämet?"2 . Er erinnert sie an ihre frühere Schlechtigkeit: Bedenket doch, will er sagen, was ihr früher waret, und was ihr jetzt geworden seid! Kehret nicht wieder zurück zur früheren Schlechtigkeit und tut der Gnade Gottes nicht Schmach an! "Ihr waret einst Finsternis, jetzt aber [seid ihr] Licht im Herrn"; nicht infolge eures Verdienstes, sondern durch die Gnade Gottes ist euch dies zuteil geworden; d. h., auch ihr waret einst derselben Strafe würdig, seid es aber jetzt nicht mehr. "So wandelt denn als Kinder des Lichtes!" Was versteht er unter dem Ausdruck "Kinder des Lichtes"? Er fährt fort:

V.9: "Die Frucht des Geistes aber besteht in aller Gerechtigkeit und Güte und Wahrheit, V.10: Indem ihr prüfet, was dem Herrn wohlgefällig ist."

"In aller Güte", sagt er; das ist gegen den Zorn, gegen die Bitterkeit gerichtet. "...und Gerechtigkeit"; das ist gegen die Habgier gerichtet. "... und Wahrheit"; das ist gegen die trügerische Lust gerichtet. Nicht jenes tut, was ich vorhin besprochen habe, will er sagen, sondern das Gegenteil. "In aller"; d. h. geistige Frucht muß sich zeigen in allem. "...indem ihr prüfet, was dem Herrn wohlgefällig ist". Jene Fehler also verraten eine kindische und unvollkommene Denkungsart.

V.11: "Und nehmet nicht teil an den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern ziehet sie vielmehr ans Licht!

V.12: Denn was im Verborgenen von ihnen geschieht, ist schändlich auch nur zu nennen. V.13: Alles aber, was an das Licht gezogen wird, wird durch das Licht aufgehellt."

Er sagte: Ihr seid Licht. Das Licht aber bringt an den Tag, was im Finstern geschieht. Wenn ihr daher, meint er, tugendhaft und bewunderungswürdig seid, so werden die Bösen nicht verborgen bleiben können. Gleichwie nämlich, wenn eine Leuchte aufgesteckt wird, alle erleuchtet werden und der Räuber nicht einzuschleichen vermag, so werden, wenn euer Licht leuchtet, die Bösen als solche offenbar und überführt werden. Man soll sie also gehörig überführen. - Wie steht es nun aber mit Christi Wort: "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet"?3 . - Paulus spricht vom Überführen, nicht vom Verurteilen, d. h. vom Verhängen der Strafe; auch gelten die Worte: "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet", nur von ganz geringen Fehltritten. Die weiteren Worte Christi bestätigen es: "Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken in deinem eigenem Auge aber wirst du nicht gewahr"?4 . - Was wollen die Worte des Apostels besagen? Gleichwie das Geschwür, solange es sich unter der Oberfläche versteckt und in die Tiefe frißt, keine Heilung zuläßt, so wird auch die Sünde, solange sie geheim bleibt, sozusagen im Dunkel ganz ungescheut begangen; nachdem sie aber offenbar geworden, wird sie Licht. Nicht die Sünde als solche, wie könnte sie auch?, sondern der Sünder. Wenn er entdeckt worden, wenn er zurechtgewiesen worden ist, wenn er bereut, wenn er die Lossprechung erhalten hat, hast du ihn dann nicht von seiner Finsternis gereinigt? Hast du ihn dann nicht von seiner Wunde geheilt? Hast du nicht seine Unfruchtbarkeit und in Fruchtbarkeit verwandelt? Entweder das ist der Sinn seiner Worte, oder aber der Apostel will sagen: Weil euer Lebenswandel offenkundig, ist er Licht; denn niemand verbirgt ein tadelloses Leben. Was aber geheimgehalten wird, wird deshalb verborgen, weil es das Licht zu scheuen hat.

V.14: "Darum heißt es: Wache auf, du Schläfer, stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten."

Schlafend und tot nennt er denjenigen, der in Sünden ist; denn er verbreitet üblen Geruch wie ein Toter und ist unfähig zu wirken wie ein Schlafender; gleich diesem sieht er nichts, sondern träumt und phantasiert nur. Nach der einen Lesart heißt es: "Du wirst Christus begreifen"5 , nach der anderen dagegen: "Christus wird dich erleuchten"6 ; diese letztere ist vorzuziehen. Steh ab von der Sünde, und du wirst Christus schauen können. "Denn wer Böses tut, haßt das Licht und kommt nicht zu dem Licht"7 ; wer es aber nicht tut, der kommt.

1: Ez 13,19
2: Röm 6,21
3: Mt 7,1
4: Mt 7,3
5: ἐπιφαύσει τοῦ Χριστoῦ
6: ἐπιφαύσει σοι ὁ Χριστός
7: Joh 3,20

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger