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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Achtzehnte Homilie [Kap. V, Vers 5-14]

2.

Aber er redet nicht bloß von den Ungläubigen; denn viele Gläubige hängen nicht weniger am Bösen als die Ungläubigen, ja manche noch weit mehr. Deshalb muß auch an diese die Aufforderung ergehen: "Wache auf, du Schläfer, steh auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten." Auf diese paßt auch jene andere Stelle: "Gott ist kein Gott der Toten, sondern der Lebendigen"1 . Ist er aber kein Gott der Toten, so laßt uns leben! Manche erklären die Worte: "Der Habsüchtige ist ein Götzendiener" für eine rednerische Übertreibung. Allen dieser Satz enthält keine Übertreibung, sondern buchstäbliche Wahrheit. Wieso und inwiefern? - Der Habsüchtige fällt ebenso von Gott ab wie der Götzendiener. Damit du nicht glaubst, das sei eine grundlose Behauptung, so vernimm hier den wörtlichen Ausspruch Christi: "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon"2 . Wenn es also nicht möglich ist, Gott zu dienen und dem Mammon, so haben die, welche dem Mammon dienen, sich des Dienstes Gottes begeben; wer aber die Herrschaft Gottes verleugnet und dem leblosen Golde dient, ist offenbar ein Götzendiener. - Aber, wendet man ein, ich habe ja kein Götzenbild gemacht, keinen Altar errichtet, keine Schafe geopfert, keinen Wein gespendet, sondern bin in die Kirche gegangen, habe die Hände zu dem eingeborenen Sohne Gottes erhoben, empfange die Geheimnisse, beteilige mich am Gebete sowie an allem andern, was sich für einen Christen geziemt. Wie sollte ich da, fragt man, ein Götzenanbeter sein? - Nun, gerade das ist das eigentlich Unbegreifliche, daß du, nachdem du die Menschenfreundlichkeit Gottes erfahren und gekostet, nachdem du gesehen, wie gut der Herr ist, diesen guten Herrn aufgegeben und den grausamen Tyrannen dafür genommen hast, und daß du dir den Anschein gibst, dem Herrn zu dienen, während du in Wirklichkeit dem schweren und harten Joch der Geldliebe dich unterworfen hast.

Noch hast du mir keine gute Handlung deinerseits aufgezählt, sondern lediglich die Geschenke des Herrn. [Denn] sage mir, ich bitte dich, woran erkennen wir den Soldaten? Daß er den König als Trabant begleitet, von ihm Verpflegung erhält und seinen Namen trägt, oder daß er für ihn Partei nimmt? Den Anschein zu erwecken, als stünde er auf dessen Seite und besorgte dessen Dienste, während er in Wirklichkeit die Sache der Feinde führt, ist nach unserem Ermessen viel schwerwiegender, als wenn er seinem König offen den Dienst aufgekündigt und den Feinden sich angeschlossen hätte. Auch du schmähst jetzt Gott wie ein Götzendiener, nicht nur durch deinen eigenen Mund, sondern durch den Mund der Tausende, denen du Unrecht getan hast. - Aber er ist doch kein Götzendiener, sagt man. Wenn es nun bei den Heiden heißt: Ein Christ, ein Habsüchtiger!, dann tut er nicht nur durch sein eigenes Treiben Gott Schmach an, sondern er nötigt auch den von ihm Geschädigten vielfach Schmähreden [gegen Gott] ab. Tun sie es nicht, so ist es bloß ihrer Gottesfurcht zuzuschreiben. Oder sehen wir nicht, daß sich die Sache wirklich so verhält? Was tut der Götzendiener anderes? Betet nicht auch er Leidenschaften an, [vielfach] obwohl er die Leidenschaft beherrscht?

Nehmen wir ein Beispiel her! Wenn wir ihm sagen, er bete Götzen an, so entgegnet er: Nein, sondern die Aphrodite, den Ares. Und fragen wir: Wer ist denn diese Aphrodite?, so antworten die Ernsteren unter ihnen: Die Willust. - Und wer ist der Ares? Der Zornmut. - So [betest] auch du den Mammon an. Und fragen wir: Wer ist denn der Mammon?, so erwiderst du: Die Habsucht. Und diese betest du an? Ich bete sie nicht an, lautet die Antwort. Warum? Etwa weil du dich nicht verberbeugst? Du betest sie gegenwärtig noch weit mehr an durch deine Werke und Handlungen; diese Anbetung ist weit ernster. Um das einzusehen, betrachte, wie die Verhältnisse bei Gott liegen! Welche Menschen beten ihn mehr an, diejenigen, die bloß betend vor ihm stehen , oder diejenigen, die seinen Willen tun ? Offenbar die letzteren. So ist es auch beim Mammon: Jene, welche seinen Willen tun, beten ihn mehr an. - Nun aber sind jene, welche die Leidenschaften anbeten, oftmals von denselben frei, man kann nämlich beobachten, daß der Verehrer des Ares nicht selten seinen Zornmut zu beherrschen vermag. Bei dir aber ist dies nicht der Fall, sondern du machst dich zum Sklaven deiner Leidenschaft. - Du opferst keine Schafe? Dafür aber Menschen und vernunftbegabte Seelen, die einen durch Hunger, die anderen durch Lästerungen. Gibt es einen schlimmeren Bacchuskult als diesen? Wer hat je Seelen als Schlachtopfer gesehen? Der fluchwürdige Altar der Habgier. Denn kommst du zu einem Götzenaltar, so gewahrst du nur das Dampfen von Ziegen- und Rinderblut; kommst au aber zum Altar der Habsucht, so gewahrst du das widerwärtige Tauchen von Menschenblut. Wenn du da hinzutrittst, so schaust du nicht verbranntes Geflügel noch Fettdampf und Opferrauch, sondern vernichtete Menschenleiber . Denn die einen stürzen sich selbst in den Abgrund, die anderen greifen zum Stricke, wieder andere schneiden sich die Kehle ab. Siehst du den Grausamkeit und Unmenschlichkeit dieser Opfer?

Willst du noch empörendere sehen als diese? Ich werde dir nicht mehr bloß menschliche Körper, sondern auch menschliche Seelen zeigen, die dort hingemordet werden. Denn auch die Seele kann in ihrer Weise gemordet werden. Wie es nämlich einen Tod des Leibes gibt, so auch der Seele - "die Seele, welche sündigt", heißt es in der Schrift, "soll sterben"3 . Der Tod der Seele ist kein solcher wie der leibliche Tod, sondern viel schlimmer. Der leibliche Tod nämlich, der Seele und Leib voneinander trennt, läßt den Körper ausruhen von vielen Sorgen und Mühsalen und versetzt die Seele in die Region des Lichtes; dann nach vorübergehender Trennung und Auflösung wird der Leib wiederum zusammengefügt in Unverweslichkeit und erhält die zu ihm gehörige Seele zurück.

1: Mt 22,32
2: Mt 6,24
3: Ez 18,4

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger