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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Siebzehnte Homilie [Kap. IV, Vers 32 - V, Vers 4]

2.

So spricht er sich auch im Briefe an die Korinther aus: "Überhaupt hört man von Unzucht unter euch"1 ; das heißt soviel als: Seid alle rein! Denn von den Worten schreitet man zu den Taten. Damit er aber nicht kleinlich und hart erscheine, weil er sogar das Scherzen verbietet, fügt er sodann auch den Grund an mit den Worten: "was sich nicht gehört". Dieses, meint er, paßt nicht für uns, "sondern vielmehr Danksagung". Was nützt es, einen Witz zu machen? Du erregst bloß Gelächter. Sage mir, wird ein Schuster wohl je eine Arbeit verrichten, die nicht zu seinem Handwerk gehört? Oder sich dergleichen Werkzeug anschaffen? Gewiß nicht; denn was wir nicht brauchen können, paßt nicht für uns. - Kein Wort sei müßig! Denn von den müßigen Reden fallen wir in unstatthafte. Die gegenwärtige Zeit ist nicht da zu ausgelassener Lustbarkeit, sondern zu Trauer, Trübsal und Klagen; du aber treibst Possen? Welcher Wettkämpfer betritt den Plan, um Witze zu machen, statt den Kampf mit dem Gegner aufzunehmen? Der Teufel bedroht dich, umkreist dich mit Geheul, will dich verschlingen, bewegt alles und kehrt alles gegen dein Haupt, wendet jegliche List auf, dich aus deiner Stellung zu drängen, knirscht mit den Zähnen, brüllt, speit Feuer und Flammen gegen dein Heil; und du schlägst die Zeit tot mit schlechten Witzen, albernen Getändel und unanständigen Reden? Nun , da wirst du ja einen herrlichen Sieg über ihn zu erringen vermögen. - Das ist nur Scherz, Geliebte. Willst du die Lebensweise der Heiligen kennenlernen? Höre, was Paulus sagt: "Drei volle Jahre habe ich Tag und Nacht nicht aufgehört, einen jeden aus euch mit Tränen zu ermahnen"2 . Wenn er aber für die Milesier und Epheser solchen Eifer bekundete, daß er nicht Witze vorbrachte, sondern mit Tränen ihnen seine Ermahnungen gab, was soll man erst von den anderen sagen? Höre nur, was er zu den Korinthern spricht: "In großer Betrübnis und mit beklommenem Herzen schrieb ich euch unter vielen Tränen"3 . Und wiederum: "Wer wird schwach, ohne daß ich schwach werde? Wer wird geärgert, ohne daß ich brenne"?4 . Höre ferner, wie er an anderer Stelle sich ausdrückt und sozusagen tagtäglich diese Welt zu verlassen sich sehnt: "Ja, auch in dieser Hütte seufzen wir"5 ; - und du lachst und scherzest? -

Es ist die Zeit des Krieges, und du benimmst dich wie beim Tanze? Siehst du nicht wie düster, wie ernst die Krieger dreinschauen? Ihre Miene ist furchtbar und schrecklich. Du gewahrst den finsteren Blick, das vor Aufregung heftig pochende Herz, die beklommene, ängstliche und bange Stimmung, die musterhafte Ordnung, die stramme Haltung, das Schweigen der in den Heerlagern einander Gegenüberstehenden, ein Schweigen so tief, daß sie keinen Laut von sich zu geben, geschweige denn ein schändliches Wort auszusprechen wagen. Während nun jene, welche es mit einem sichtbaren Feind zu tun haben und durch Reden keinen Schaden davontragen, so tiefes Schweigen beobachten, stellst du, der gerade im Reden den schwersten Kampf zu bestehen hat, dich von dieser Seite bloß? Oder weißt du nicht, daß uns von daher die meisten Gefahren drohen? Du scherzest und lebst lustig und guter Dinge und machst Witze und erregst Gelächter: und das hältst du für nichts? Wie viele falsche Schwüre, wie viele Beleidigungen, wie viele Zoten entstehen aus diesem Haschen nach Witz? - Aber, entgegnet man, geistreiche Witze haben damit nichts gemein. - Du mußt wissen, daß der Apostel jede Art Spaßmacherei verbannt haben wollte. Es ist jetzt eine Zeit des Krieges und Kampfes, der Schlaflosigkeit und Wachsamkeit, des Rüstens und Ordnens. Da ist Gelächter nicht am Platze; denn dieses ziemt sich nur für die Welt. Höre den Ausspruch Christi: "Die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet traurig sein"6 . Christus ist um deiner Sünden willen gekreuzigt worden; und du lachst? Er hat Backenstreiche empfangen und so vieles gelitten wegen des Mißgeschickes und Unglückes, das dich betroffen; und di bist guter Dinge voll? Muß nicht dein Benehmen ihn auf das tiefste verletzen?

Doch weil die Sache nach der Ansicht vieler gleichgültig und zudem schwer verhütbar ist, so wollen wir uns ein wenig darüber verbreiten und die Größe dieses Übels dartun. Denn auch das Erzeugen der Ansicht, daß man kleines verachten dürfe, ist ein Werk des Teufels. Fürs erste nun dürfte man, selbst wenn es sich um etwas wirklich Gleichgültiges handelte, dies doch nicht so leichthin verachten, weil ja bekanntlich die größten Sünden daraus entstehen und immer weiter um sich greifen, bis man zuletzt nicht selten in grobe Unzucht verfällt. Daraus erhellt aber auch, daß es in Wirklichkeit nichts Gleichgültiges ist. Sehen wir nun, woher es seine Ursprung nimmt; oder sehen wir vielmehr, wie ein Heiliger beschaffen sein muß: mild, sanft, trauernd, weinend, betrübt. Wer also Possen reißt, ist kein Heiliger; ein solcher wirkt verächtlich, mag er auch ein Heide sein. Nur den Schauspielern auf der Bühne ist es gestattet. Wo Schamlosigkeit, da ist auch Possenreißerei; wo ausgelassenes Lachen, da ist auch Possenreißerei. Höre, was der Prophet sagt: "Dienet dem Herrn in Furcht, und frohlocket ihm mit Zittern"7 . Die Possenreißerei macht die Seele schlaff, leichtsinnig; sie erregt, gebiert vielfach Schimpf, erzeugt Streit.

1: 1 Kor 5,1
2: Apg 20,31
3: 2 Kor 2,3
4: ebd 11,29
5: ebd 5,4
6: Joh 16,20
7: Ps 2,11

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger