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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Fünfzehnte Homilie [Kap. IV, Vers 31]

4.

Warum werdet ihr denn alle auf einmal rot? Das Gesagte gilt ja nicht allen, sondern nur denjenigen, die sich zu solch tierischer Roheit fortreißen lassen. Paulus verlangt von dem Weibe, daß es nicht unverhüllten Hauptes sei [1 Kor 11,5 ff.]; und du reißest ihr den ganzen Schleier herunter? Siehst du nicht, wie du dich selber beschimpfst? Wenn sie mit unbedecktem Kopfe vor dir erscheint, erblickst du darin eine persönliche Beleidigung, wenn du sie aber selber entblößt, hältst du es für nichts Arges? - Aber was dann, höre ich fragen, wenn sie sich nicht bessern läßt? Dann bringe sie mit Ruten und Schlägen zur Vernunft! Wie viele Fehler jedoch hast du selber, ohne dich zu bessern? Das jetzt Gesagte gilt nicht für jene, sondern für euch, die Freigeborenen, auf daß ihr nichts Unedles, nichts Entehrendes tuet und dadurch euch selber schadet. Wenn du so im Hause dich in der Sanftmut gegen die Dienerin übst, wenn du gegen diese mild und nicht unfreundlich bist, so wirst du ein solches Betragen um so mehr gegen deinen Mann an den Tag legen. Wenn du dir in diesem Punkte nichts zuschulden kommen läßt, dort, wo du freie Hand hast, so wirst du es um so weniger da tun, wo dich manches davon abhält. Weises Verhalten gegen die Mägde trägt wesentlich dazu bei, auch die Zuneigung eurer Männer zu gewinnen. Denn "mit dem Maße, mit welchem ihr meßt, wird euch wieder gemessen werden" [Mt 7,2]. Halte deine Zunge im Zaume! Hast du darin Übung erlangt, eine widerspenstige Magd edelmütig zu ertragen, so wirst du einer Standesgenossin gegenüber nicht empfindlich werden. selbst wenn sie dich verletzend behandelt; bist du aber nicht mehr empfindlich, so hast du den Gipfel der Weisheit erreicht.

Es gibt solchem, die sogar schwören; nichts ist häßlicher als eine Frau, die sich soweit vergißt! - Wie aber, wenn die Sklavin sich putzt? Verwehre ihr das, damit bin ich ganz einverstanden. Aber verwehre es ihr, indem du bei dir selbst den Anfang machst, nicht so sehr durch Furcht als durch dein eigenes Beispiel! Sei in allem ein Musterbild! "Und alle Lästerung", sagt der Apostel, "werde weggeschafft aus euch!" Beachte, wie das Übel fortschreitet! Die Bitterkeit erzeugt die Heftigkeit, die Heftigkeit den Zorn, der Zorn das Geschrei, das Geschrei die Lästerung, d. h. die Schmähungen, die Lästerung ferner Schläge, die Schläge Verwundungen, die Verwundungen Totschlag. Indes wollte Paulus nichts von dem namentlich hervorheben, sondern begnügte sich, zu sagen: "werde weggeschafft samt aller Bosheit". Was bedeutet "samt aller Bosheit"? Es läuft auf das hinaus: Manche Menschen gleichen dem tückisch bissigen Hunden, welche den Herankommenden nicht anbellen oder anknurren, vielmehr mit dem Schweife wedelnd und freundlich tuend die Unbedachten anfallen und ihnen die Zähne ins Fleisch graben. Diese sind [weitaus] gefährlicher als jene, welche sich offen feindselig bezeigen. Weil es nun auch derartige Menschen gibt, die nicht schreien, sich nicht erzürnen, nicht im Unwillen drohen, wohl aber heimlich Ränke schmieden und zahlloses Unheil stiften und so durch Taten ihre Rachsucht kühlen, so spielt der Apostel auch auf diese an. "Werde weggeschafft aus euch", sagt er, samt aller Bosheit." Du darfst dich nicht etwa bloß der Worte enthalten, aber dich durch Taten rächen. Ich habe deshalb die Bezähmung der Zunge verlangt und ihr Geschrei untersagt, damit sie nicht den Brand zu größerer Stärke anfache. Wenn du aber auch ohne Geschrei dasselbe tust und im Innern die Glut und die Kohlen nährst, was nutzt dann das Schweigen!

Oder weißt du nicht, daß gerade jene Feuersbrünste die gefährlichsten sind, welche im Innern um sich greifen, außen aber von den Umstehenden nicht bemerkt werden? Und jene Geschwüre, welche nicht an die Oberfläche dringen? Und jene Fieber, welche die Eingeweide verzehren? So ist auch jener Zorn der gefährlichste, welcher in der Seele fortwühlt. Auch dieser muß nach den Worten des Apostels weggeschafft werden samt aller Bosheit, sie sei klein oder groß. Leisten wir ihm also Folge und entfernen wir alle Bitterkeit und alle Bosheit, damit wir nicht den Heiligen Geist betrüben! Rotten wir die Bitterkeit mit der Wurzel aus, vertilgen wir sie vollständig! Aus einer bitteren Seele kann nichts Gutes, nichts Gesundes kommen, sondern nur Unheil, nur Tränen, nur Jammer und Elend. Seht ihr nicht, wie wir von den Tieren alle jene, welche laut schreien, verabscheuen, z. B. den Löwen, den Bären? Nicht aber das Schaf; denn bei ihm gibt es kein Geschrei, sondern sanfte Laute. Und auch unter den Musikinstrumenten klingen die lärmenden unangenehm, wie z. B. Pauken, Trompeten; angenehm dagegen die, welche nicht so schmettern, sondern einen einschmeichelnden Ton besitzen, Flöte, Zither und Hirtenpfeife. Wir wollen nun unsere Seele also gewöhnen, daß sie nicht schreie; auf diese Weise werden wir imstande sein, auch den Zorn zu meistern. Haben wir aber diesen beseitigt, dann werden wir selbst zuerst den Frieden genießen und ruhig dem stillen Hafen entgegenfahren, wohin wir all gelangen mögen durch Jesus Christus, unsern Herrn, mit welchem dem Vater gleichwie dem Heiligen Geiste Herrlichkeit, Macht und Ehre sei, jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit" Amen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger