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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Fünfzehnte Homilie [Kap. IV, Vers 31]

3.

Nicht wenig also trägt dazu bei, wenn man sich gewöhnt, nie zu schreien und zu lärmen. Wenn du das Schreien unterläßt, beschneidest du dem Zorne die Flügel und besänftigst die Aufwallung des Herzens. So wenig man ringen kann, ohne die Hände gegen den anderen auszustrecken, ebensowenig kann man von Heftigkeit übermannt werden, wenn man nicht schreit. Binde dem Faustkämpfer die Hände und heiße ihn kämpfen; er wird es nicht können. So verhält es sich auch mit dem Unmut. Das Geschrei aber ruft ihn wach, auch wenn er zuerst nicht vorhanden war. Und besonders das Geschlecht der Frauen wird davon leicht ergriffen, die, wenn sie sich über ihre Dienerinnen erzürnen, das ganze Haus mit ihrem Geschrei erfüllen. Häufig, wenn das Haus gerade in einer engen Gasse liegt, hören alle Vorübergehenden die Frau schreien und die Magd jammern. Was kann es Häßlicheres geben als das? Du hörst Weherufe. Was ist denn da los? Und sogleich antwortet dir die Schar der Neugierigen: Die und die schlägt ihre Sklavin. Was kann es Schändlicheres geben als dieses?

Also soll man sie gar nicht schlagen dürfen? Das will ich nicht gesagt haben. Man darf es, aber nicht in einem fort, nicht ohne Maß und Ziel, nicht wegen persönlicher Beleidigungen, was ich stets wiederholen muß, nicht wegen eines Versehens im Dienste, sondern wenn sie ihrer eigenen Seele schadet. Schlägst du sie aus einer solchen Ursache, so werden alle es billigen, und kein Mensch wird dich tadeln; schlägst du sie aber bloß deshalb, weil sie dir etwas nicht recht machen konnte, so werden alle deine Roheit und Härte verurteilen. Und was das allerschändlichste ist, manche Frauen sind so grausam und hart im Zuschlagen, daß die Striemen am selben Tage nicht mehr vergehen. Vielfach nämlich entkleiden sie die Mädchen, rufen dazu ihren Mann herbei und binden sie an die Pfosten ihres Ruhebettes. Ach, sage mir, kommt dir in solchen Augenblicken kein Gedanke an die Hölle? Du entblößt das Mädchen und zeigst es so deinem Manne? Und du fürchtest nicht, er könnte dich verachten? Ja, du stachelst ihn zum Überfluß noch auf und drohst, sie binden zu lassen, nachdem du das arme, unglückliche Geschöpf mit allen möglichen Schimpfnamen wie: Thessalierin [boshafte Hexe], Davongelaufene [Sklavin, Landstreicherin], liederliche Dirne überhäuft hast. Denn die Wut läßt sie nicht einmal des eigenen Mundes schonen, sondern sie hat nur ein Ziel im Auge, wie sie ihren Zorn an der Sklavin auslassen kann, sollte sie sich auch selber herabwürdigen. Und nach all dem sitzt sie zu Gericht wie ein Tyrann, ruft die Dienerschaft herbei und läßt ihren unverständigen Mann neben sich die Rolle eines Henkers spielen. Und so etwas sollte in einem christlichen Hause geschehen dürfen?

Aber, entgegnet man, das ist ein nichtsnutziges, freches, unverschämtes, unverbesserliches Gesindel! Ich weiß es wohl; aber man kann es auf andere Weise in Ordnung bringen, durch Furcht, durch Drohung, durch Worte, welche auf die Sklavin tiefer einzuwirken und zugleich dich vor Entehrung zu bewahren vermögen. Wenn du, die Freigeborene, schändliche Reden ausstößt, würdigst du dadurch nicht dich selbst viel mehr herab als jene? Und dann, wenn sie dich ins Bad begleiten muß, trägt sie die Striemen auf dem bloßen Rücken als sprechende Beweise deiner Grausamkeit herum. - Aber mit dem Sklavenvolk, höre ich sagen, ist nicht auszukommen, wenn man ihnen alles nachsieht. - Ich weiß das wohl, doch halte sie, wie schon gesagt, auf andere Weise im Zaume, nicht bloß durch Peitsche und Schrecken, sondern auch durch Schmeichelworte und gute Behandlung! Durch den Glauben ist die Sklavin deine Schwester geworden. Bedenke, daß du die Herrin bist und daß sie dir dienen muß! Wenn sie der Trunksucht frönt, so benimm ihr die Gelegenheit dazu, rufe deinen Mann und erteile ihr [in dessen Gegenwart] eine eindringliche Mahnung! Oder siehst du nicht ein, welche Schande es ist, ein Weib zu schlagen? Die Gesetzgeber, die gegen Männer unzählige Strafen festgesetzt haben, die sie brennen und martern lassen, erlauben nur in seltenen Fällen, ein Weib auf die Folter zu spannen, sondern beschränken die Strafe auf Rutenhiebe.

Sie behandeln dieses Geschlecht mit solcher Schonung, daß sie ein Weib, zumal im Zustand der Schwangerschaft, selbst da nicht auf die Folter spannen lassen, wo dies an sich ganz angezeigt wäre. Denn es ist für den Mann Schande, sich an einem Weibe zu vergreifen; wenn aber für den Mann, so um so mehr für die Geschlechtsgenossin. Auch werden dadurch die Frauen den Männern verhaßt. - Wie nun, wendest du ein, wenn die Sklavin unzüchtigen Umgang hat? Verheirate sie, schneide die Ursachen der Unzucht ab, laß sie nicht der Üppigkeit verfallen! - Wenn sie nun aber stiehlt? Gib acht und passe auf! Das geht doch zu weit, sagst du; ich soll auf sie achtgeben? O wie unvernünftig! Warum denn, ich bitte dich, willst du nicht auf sie achtgeben? Hat sie nicht so gut eine Seele wie du? Ist sie nicht derselben Gnaden von Gott gewürdigt worden wie du? Genießt sie nicht von demselben [eucharistischen] Tische wie du? Hat sie nicht an demselben Adel Anteil wie du? - Wie aber, wenn sie schmähsüchtig, schwatzhaft, dem Trunke ergeben ist? Wie viele freigeborene Frauen haben nicht dieselben Fehler? Und doch hat Gott den Männern geboten, alle Schwächen der Frauen zu ertragen. Unzüchtigen Umgang allein ausgenommen, spricht er, sollst du alle übrigen Fehler deiner Frau ertragen! Mag sie trunksüchtig, schmähsüchtig, schwatzhaft, verleumderisch, prachtliebend, verschwenderisch sein, du hast sie nun einmal zur Lebensgefährtin. Leite sie an zu einem ordentlichen Leben; das ist deine Pflicht; deshalb bist du das Haupt.

Leite die Sklavin an zu einem ordentlichen Leben; tue deine Schuldigkeit! Bleibt sie unverbesserlich, stiehlt sie, so verwahre das Deine: strafe sie nicht so barbarisch! Ist sie eine Schwätzerin, so bringe sie zum Schweigen! Das ist die höchste Weisheit. Gegenwärtig aber sind manche Frauen so weit im Unverstande gekommen, daß sie ihren Dienerinnen die Kopfbedeckung herabreißen und sie an den Haaren herumzerren.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger