Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Vierzehnte Homilie [Kap. IV, Vers 25-30]

4.

Bedenke, welche Worte dein Mund gesprochen, welch erhabenen Tisches würdig! Was er berührt, was er kostet, welche Speise er genießt! Und du glaubst nichts Arges zu tun, wenn du deinen Bruder schmähst? Warum nennst du ihn denn Bruder? Wenn er aber nicht dein Bruder ist, warum sagst du: "Vater unser "? "Unser" deutet doch auf eine Vielheit von Personen hin. Bedenke, in welcher Gesellschaft du dich befindest bei der Feier der heiligen Geheimnisse! In Gesellschaft der Cherubim und Seraphim. Die Seraphim aber schmähen nicht, einen einzigen Dienst vollbringt ihr Mund; sie loben und verherrlichen Gott. Wie wirst du mit ihnen "heilig, heilig, heilig" rufen können, wenn du deinen Mund zur Beschimpfung mißbraucht hast? Nimm einmal an: ein königliches Gefäß, stets mit königlichen Speisen gefüllt und nur zu diesem Zwecke bestimmt, würde mit einmal von einem der Diener zu unflätigem Gebrauche verwendet. Nun sage mir: Wird er sich wohl erdreisten, es mit Kot gefüllt wieder unter die anderen, für jenen Zweck bestimmten Gefäße zu stellen? Nie und nimmer. Etwas Ähnliches ist die Schmähung, etwas Ähnliches die Beschimpfung.

"Vater unser." Wie? Ist das alles? Höre auch, was darauf folgt: "der du bist in dem Himmel." Sowie du sprachest: "Vater unser, der du bist in dem Himmel", hat dieses Wort dich aufgerichtet, deinen Geist beflügelt, dir gezeigt, daß du einen Vater im Himmel hast. So tue denn auch du nichts, rede nichts, was irdisch ist! Er hat dich zu jenem himmlischen Range erhoben, hat dich jenem, Chor [in der Höhe] einverleibt; warum ziehst du dich selber wieder herab? Du stehst neben dem königlichen Throne und schmähst? Fürchtest du nicht, der König könnte darin eine Beschimpfung seiner selbst erblicken? Wenn in unserem Beisein ein Sklave seinen Mitsklaven schlägt oder beschimpft, so verweisen wir es ihm, selbst wenn es mit Recht geschah. auf der Stelle, weil wir es als Rücksichtslosigkeit gegen uns empfinden; du aber stehst unter den Cherubim neben dem Throne des Königs und beschimpfst deinen Bruder? Siehst du nicht die heiligen Gefäße hier? Dienen sie nicht stets nur zu einem Gebrauche? Wagt es etwa jemand, sie zu etwas anderem zu verwenden? Du bist heiliger als diese Gefäße, und zwar um vieles heiliger. Was besudelst und verunreinigst du dich also selber? Du stehst im Himmel und schmähst? Du wandelst unter Engeln und schmähst? Du bist vom Herrn des Friedenskusses gewürdigt worden und schmähst? Durch so vieles hat Gott deinen Mund geziert, durch englische Lobgesänge, durch eine mehr als englische Speise, durch seinen Kuß, durch seine Umarmung -: und du schmähst?

Tue es nicht, ich bitte dich! Was an so großem Unheil schuld ist, das sei fern von einer christlichen Seele! Vermögen unsere Worte dich nicht zu überzeugen, nicht zu beschämen? Nun, so bleibt nur ein Mittel - die Furcht. Höre denn, was Christus sagt: "Wer zu seinem Bruder sagt: du Narr!, wird des höllischen Feuers schuldig sein" [Mt 5,22]. Wenn aber schon ein ganz leichtes Schimpfwort uns die Hölle zuzieht, welche Strafe steht nicht erst jenem bevor, der freche Schmähungen ausstößt? Gewöhnen wir unseren Mund an ehrbare Reden! Daraus erwächst reiner Gewinn, aus dem Schmähen dagegen großer Schaden. Kein Geldaufwand ist dabei nötig. Verschließen wir ihn mit Tür und Riegel! Verzehren wir uns, wenn je ein beleidigendes Wort unseren Zähnen entschlüpfen sollte! Bitten wir Gott, bitten wir den Beschimpften um Verzeihung, halten wir das nicht unter unserer Würde! Wir haben uns selbst getroffen, nicht den andern; wir haben uns selbst verletzt, nicht den andern. Wenden wir das Heilmittel an: das Gebet und die Aussöhnung mit dem Beleidigten! Wenn wir schon in den Reden uns so großer Vorsicht befleißigen, so wollen wir uns in den Handlungen feste Schranken setzen! Und haben wir Freunde, sie seien wer immer, wenn sie jemanden schmähen oder beschimpfen, so fordere von ihnen, daß sie auch Genugtuung leisten! Lernen wir überhaupt, daß solches Sünde ist; sind wir zu dieser Erkenntnis gelangt, so werden wir es bald unterlassen. Der Gott des Friedens aber bewahre euren Sinn und eure Zunge und befestige sie mit seiner Furcht wie mit einer sichern Schutzwehr, in Christus Jesus, mit welchem dem Vater gleichwie dem Heiligen Geiste Herrlichkeit, Macht und Ehre sei, jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit! Amen.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
. Mehr
. Sechste Homilie [Kap. ...
. Siebente Homilie [Kap. ...
. Achte Homilie [Kap. ...
. Neunte Homilie [Kap. ...
. Zehnte Homilie [Kap. ...
. Elfte Homilie [Kap. ...
. Zwölfte Homilie [Kap. ...
. Dreizehnte Homilie ...
. Vierzehnte Homilie ...
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. Fünfzehnte Homilie ...
. Sechzehnte Homilie ...
. Siebzehnte Homilie ...
. Achtzehnte Homilie ...
. Neunzehnte Homilie ...
. Zwanzigste Homilie ...
. Einundzwanzigste Homilie ...
. Zweiundzwanzigste Homi...
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger