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Chrysostomus († 407) - Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser (In epistulam ad Ephesios commentarius )
Vierzehnte Homilie [Kap. IV, Vers 25-30]

3.

Gott hat dir nämlich Mund und Zunge dazu gegeben, damit du ihm dankest, damit du den Nächsten erbauest. Wenn du also den Bau niederreißt, so wäre es besser, du schwiegest und sprächest niemals. Denn wenn die Hände eines Arbeiters, statt die Mauern aufzuführen, nur sie einzureißen verstünden, verdienten sie mit Recht abgehauen zu werden. Auch der Psalmist spricht dies aus: "Zerstören wird der Herr alle trügerischen Lippen" [Ps 11,4]. Der Mund ist an allem Unheil schuld; oder vielmehr nicht der Mund, sondern diejenigen, welche mit ihm Mißbrauch treiben. Beschimpfung, Schmähung, Lästerung, Anfachung der Sinnlichkeit, Mord, Ehebruch, Diebstahl, alles Böse wird daraus geboren. - Wieso Mord? höre ich fragen. Von Schimpfereien kommt es zum Zorn, vom Zorn zu Schlägen, von Schlägen zum Mord. - Wieso Ehebruch? Die und die ist für dich eingenommen, sagt man, sie hat eine schmeichelhafte Äußerung über dich getan, sie wünschte deinen Widerstand zu erweichen; und so wird dann auch in dir die Begierlichkeit geweckt.

Deshalb sagt Paulus: "was jeweils gut ist." Weil nun der Strom der Reden gar reichlich fließt, konnte sich der Apostel natürlich nur unbestimmt fassen, indem er in der schon erwähnten Weise den Gegenstand der Rede umschrieb und ein Beispiel [zur Erläuterung] beifügte. Welches ist dieses? Er kleidet es in die Worte: "was erbaulich ist". – Entweder er meint: Damit der Hörende dir Dank wisse. Es hat z. B. ein Mitbruder Unzucht getrieben. Stelle seine Schande nicht an den Pranger, laß nicht deinen Mutwillen an ihm aus! Durch solche empfindliche Stiche nützest du dem Hörenden nichts, sondern schadest ihm sogar, wie leicht begreiflich. Wenn du ihn dagegen an seine Pflichten mahnst, so erweisest du ihm, eine große Wohltat. Wenn du ihn dazu erziehst, seinen Mund nicht zu entweihen, wenn du ihn lehrst, niemanden zu schmähen, so hast du ihm den besten Unterricht erteilt und ihn dir zu Dank verpflichtet. Wenn du mit ihm von Zerknirschung, von frommer Scheu, von Mildtätigkeit sprichst, so erweicht alles dieses seine Seele, für dieses alles wird er dir Dank wissen. Wenn du hingegen Gelächter erregst, wenn du schändliche Reden führst, so fachst du in ihm die böse Lust noch mehr an; wenn du seine Schlechtigkeit billigst, so bewirkst du seinen Fall und Untergang.

Oder er will sagen: Damit es die Hörenden lieblich und anmutig machen. Gleichwie nämlich das Salböl seinen lieblichen Duft denen verleiht, welche damit in Berührung kommen, so auch eine gute Rede. Deshalb heißt es auch in der Schrift; "Eine ausgegossene Salbe ist dein Name" [Hl 1,2]. Der Apostel wollte es bewirken, daß sie ständig jenen Wohlgeruch ausatmen. Siehst du, wie er seine stete Mahnung auch hier wiederholt, indem er einen jeden beauftragt, nach seinen Kräften den Nächsten zu erbauen? Wenn er nun in bezug auf den Nächsten solches mahnt, dann um so mehr in bezug auf die eigene Person.

V.30; "Und betrübet nicht den Heiligen Geist."

Ein schauerliches und furchtbares Wort, das er auch im Briefe an die Thessalonicher ausspricht; denn auch dort sagt er etwas Ähnliches: "Wer [dieses] verwirft, der verwirft nicht einen Menschen, sondern Gott" [ 1 Thess 4,8]. So auch hier: Wenn du eine Schmährede ausstößest, wenn du deinen Mitbruder schlägst, so schlägst du nicht ihn, sondern betrübst den Heiligen Geist. - Um die Schwere der Anklage zu steigern, fügt er dann auch die [empfangene] Wohltat bei. "Und betrübet nicht den Heiligen Geist" sagt er, "mit dem ihr besiegelt seid für den Tag der Erlösung." Er hat uns zu einer königlichen Schar gemacht, er hat uns aus dem anfänglichen Zustande gänzlich befreit, er hat uns nicht unter denen gelassen, welche dem Zorne Gottes unterworfen sind -: und du könntest ihn betrüben? Beachte, wie dort sein Wort schreckenerregend ist: "Wer [dieses] verwirft, der verwirft nicht einen Menschen, sondern Gott"; wie er dagegen hier beschämend spricht: "Betrübet nicht den Heiligen Geist, mit dem ihr besiegelt seid."

Dieses Siegel ruhe auf deinem Munde! Verletze dieses Siegel nicht! Ein geistiger Mund spricht nichts Derartiges. Sage nicht, es ist nichts dahinter, wenn ich Zoten reiße, wenn ich den und jenen beschimpfe. Gerade deshalb ist es ein großes Übel, weil es scheinbar nichts zu bedeuten hat. Denn was unbedeutend scheint, läßt man leicht auch unbeachtet, was man nicht beachtet, nimmt immer mehr zu, was immer mehr zunimmt, wird zuletzt unheilbar. Du hast einen geistigen Mund. Bedenke, welche Worte du unmittelbar nach deiner Wiedergeburt gesprochen, welches die Würde deines Mundes ist!

Vater nennst du Gott, und gleich darauf beschimpfst du den Bruder? Bedenke, aus welchem Grunde du Gott Vater nennst! Auf Grund der Natur? Das kannst du nicht. Auf Grund der Tugend? Auch das ist unmöglich. Aus welchem Grunde also? Lediglich auf Grund seiner Menschenfreundlichkeit, auf Grund seines Mitleides, auf Grund seiner großen Erbarmung. Wenn du also Gott Vater nennst, so denke nicht bloß daran, daß du durch Beschimpfung dieses Adels unwürdig handelst, sondern auch, daß du diesen Adel der Menschenfreundlichkeit Gottes verdankst. - Da du ihn auf Grund der Menschenfreundlichkeit empfangen hast, so schände ihn nicht durch rohes Benehmen gegen die Brüder! Vater nennst du Gott und beschimpfst andere? Das ist nicht die Art des Gottessohnes, das liegt ihm ferne. Welches ist die Handlungsweise des Gottessohnes? Den Feinden verzeihen, für die beten, welche ihn kreuzigen, für die sein Blut vergießen, welche ihn hassen. Das ist des Gottessohnes würdig, die Feinde, die Undankbaren, die Diebe, die Unverschämten, die Verfolger zu Brüdern und Erben zu machen; nicht aber diejenigen wie Sklaven zu beschimpfen, welche seine Brüder geworden sind.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger